Seit Mitte November 2020 liegt der Entwurf eines neu formulierten Gesetzes zur Neugestaltung des niedersächsischen Rechts der Tageseinrichtungen für Kinder und der Kindertagespflege vor und diverse Verbände – von den KiTa-Trägern über Gewerkschaften bis zur Wissenschaft und Lehre – waren bis Ende Dezember dazu aufgerufen Stellungnahmen dazu abzugeben.

Auf breiter Front stößt das neue KiTaG dabei auf zum Teil sehr scharfe Kritik und viele Akteure äußern sich sehr enttäuscht, da hier keine der dringend notwendigen Qualitätsverbesserungen für den KiTa-Bereich zu verzeichnen sei. Damit werde weder dem generellen Bedeutungszuwachs der KiTa als Bildungs- und Sozialisationsinstanz und ihrer höchst dynamischen Entwicklung in den letzten Jahren noch den deutlich erhöhten konkreten Alltags-Anforderungen an Leitung und Fachkräfte Rechnung getragen.

Scharfe Kritik an neuem niedersächsischen KiTaG-Entwurf

Ein breites Bündnis aus KiTa-Trägern, Initiativen und der Gewerkschaft ver.di hat im Hinblick auf die Entwurfsfassung des neuen niedersächsischen KiTaG einen gemeinsamen Appell zur Qualitätsverbesserung  in KiTas verfasst. Sie eint die Kritik, "dass mit der vorliegenden Novellierung die Kindertagesstätten weder auf die künftigen Anforderungen vorbereitet, noch die dringend notwendigen qualitativen Verbesserungen vorgenommen werden." Hier der gesamte Wortlaut des Appells:

Offener Brief der Niedersächsischen Expertenrunde für Familienzentren

Die vom nifbe koordinierte Niedersächsische Expert*innenrunde Familienzentren hat im Hinblick auf die Entwurfsfassung des neuen Niedersächsischen  KiTaG, in der das Thema Familienzentren unberücksichtigt bleibt, einen Offenen Brief verfasst. Sie unterstreicht, dass Familienzentren DER ideale Ort sind, um Familien vor Ort im Sozialraum zu erreichen und ganzheitlich und bedarfsorientiert zu unterstützen – auch und gerade solche, die sonst nicht von Angeboten der Eltern- und Familienbildung erreicht werden. Investitionen in Familienzentren sind, wie verschiedene Studien aufgezeigt haben, sowohl unter pädagogischen als auch unter familien- und bildungsökonomischen Aspekte hoch effektiv und effizient und jeder investierte Euro rentiert sich mehrfach. Hier der Wortlaut des Offenen Briefes:

Im Bundesprogramm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ fanden zwischen Herbst 2018 und Frühjahr 2019 vier Impulstagungen für alle am Programm teilnehmenden Standorte statt. Koordinierungs- und Netzwerkkräfte sowie pädagogische Fachkräfte aus ganz Deutschland kamen zusammen, um sich auszutauschen. So vielfältig sich die Angebote an den über 150 Standorten darstellen, so unterschiedlich sind auch die Impulse, die aus den Tagungen hervorgingen.

Digitalisierung und Medienbildung in der KiTa

Die Corona-Pandemie hat für einen digitalen Schub auf allen gesellschaftlichen Ebenen gesorgt und auch die KiTas haben während der ersten Lockdown-Phase verschiedenste digitale Formate erprobt, um mit Eltern, Kindern und untereinander im Team in Kontakt zu bleiben. Doch immer noch wird das Thema der (digitalen) Medienbildung in KiTas kontrovers diskutiert. In der kostenlosen nifbe-Vortragsreihe „KiTa in Corona-Zeiten“ gab Sabine Eder, Geschäftsführerin von Blickwechsel e.V. jetzt einen Überblick zum Stand der Digitalisierung und Medienbildung in KiTas und bot den rund 200 Teilnehmer*innen dabei eine Fülle von wertvollen Hinweisen und Praxis-Tipps. Moderiert wurde die von einem regen Austausch begleitete Veranstaltung von den nifbe-Transfermanagerinnen Svenja Rastedt und Anna-Victoria Warnecke.

Die Eindämmung des Coronavirus verlangt nicht nur Familien in Deutschland viel ab. Auch Kindertageseinrichtungen und Schulen müssen sich häufig komplett neu organisieren. Wie Eltern, Kinder und Fachkräfte die Krise bisher bewältigen, analysiert die neue Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse auf Basis von aktuellen Forschungsergebnissen des Deutschen Jugendinstituts (DJI).

Corona-KiTa-Studie: Personalengpässe und die Gruppenstruktur der Kitas weitere Themen


Personalengpässe und die Gruppenstruktur der Kitas sowie die Studienlage zur Ansteckung von Kindern sind die Themen des zweiten Quartalsberichts. Seit Ende September 2020 sind die laborbestätigten COVID-19-Infektionen bei Kindern unter 6 Jahren stark angestiegen und liegen um ein Vielfaches höher als in der Erkrankungswelle im Frühjahr. Dies hängt mit dem allgemeinen Anstieg des Infektionsgeschehens in der Gesamtbevölkerung zusammen. Mitte November zeichnet sich bei dieser Altersgruppe ein leichter Rückgang der Fallzahlen ab. Dies zeigen die ans Robert Koch-Institut (RKI) übermittelten Daten der Gesundheitsämter, die für den aktuellen Quartalsbericht der interdisziplinären Corona-KiTa-Studie ausgewertet wurden.

Studie zu klischeefreien Kinderbüchern

Am Fachbereich Sozialwesen erforscht Prof. Dr. Erika Schulze anhand von Kinderbüchern das Thema Gender(-konstruktionen). Ihre Untersuchungen zeigen, welchen Vorteil diversitätsbewusste Literatur für Kinder bietet.
Familienzentren oder Zentren für Familien können eine wirkungsvolle Antwort auf gesellschaftliche Entwicklungen wie veränderte Familienmodelle, einen stark gestiegenen Beratungsbedarf in Erziehungsfragen sowie eine zunehmende soziale und kulturelle Vielfalt bieten. Die Wirksamkeit von Zentren für Familien nahm in einem nifbe-Vortrag jetzt Prof. Dr. Katharina Spieß vom DIW in Berlin insbesondere unter bildungs- und familienökonomischer Perspektive in den Fokus.
In einem offenen Kommentar kritisieren die Inklusions-Spezialisten Klaus Kokemoor und Dr. Michael Lichtblau die aktuelle Entwurfsfassung des neuen niedersächsischen KiTaG als „Diskriminierung von Kindern mit Behinderungen“. Hintergrund ist, dass trotz der von Deutschland ratifizierten und damit Bundesrecht gewordenen UN-Behindertenrechtskonvention in der aktuellen Entwurfsfassung kein Rechtsanspruch auf einen integrativen KiTa-Platz für Kinder mit Behinderungen formuliert werde. In diesem Sinne bedeute der Entwurf „rechtlich und ethisch die Fortführung der Diskriminierung von Kindern mit Behinderung im Land Niedersachsen“.

Hier der Kommentar im ganzen Wortlaut: