Unter dem Namen „Forum Transfer“ ist jetzt eine neue Online-Plattform für Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten von Corona an den Start gegangen. Ein Teilbereich der neuen Plattform widmet sich dabei auch der Kindertagesbetreuung.

 Ein Kommentar von Prof.in Dr.in Anke König


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Professorin Anke König leitet an der Universität Vechta den Arbeitsbereich Frühpädagogik. (Foto: Deutsches Jugendinstitut e.V., München)
Pandemien fordern Solidarität. In den letzten Monaten konnten wir erleben, was das heißt. Um die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Erkrankung zu verlangsamen, braucht es das Zusammenwirken von Allen. Persönliche Anliegen sind in den Hintergrund gerückt. Es ist erfreulich, dass sich die Politik und große Teile der Gesellschaft in diesen unsicheren Zeiten am Rat der Wissenschaft – vorneweg der Virologen*innen und Epidemiologen*innen – orientieren und sich damit auch auf eine gemeinsame Erkenntnissuche begeben. Wohlwissend, dass in der Wissenschaft die Dinge im Fluss sind. Diese Sensibilität hat die Gesellschaft zunächst vor einer großen humanen Katastrophe bewahrt.

Das DJI veröffentlicht erste Ergebnisse einer Online-Befragung von Eltern


Die Coronavirus-Pandemie hat insbesondere den Alltag von Familien und Kindern vollkommen verändert. Zwar scheinen viele Kinder die damit einhergehenden Herausforderungen eher gut oder sehr gut zu bewältigen, jedoch berichtet ein Drittel der vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) befragten Eltern, dass ihr Kind Schwierigkeiten hat, mit der aktuellen Situation zurechtzukommen. Das zeigen erste Ergebnisse einer Online-Befragung, an der sich zwischen dem 22. April und dem 4. Mai 2020 deutschlandweit mehr als 8.000 Eltern von Kindern im Alter von drei bis 15 Jahren beteiligt haben.

Notbetreuungskapzitäten liegen bei rund 50 Prozent


Im Rahmen der Diskussion um eine ausgeweitete Notbetreuung hat die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) an der TU Dortmund ein Simulationstool entwickelt, um zu überprüfen, wie viele Kinder unter welchen Parametern potenziell aufgenommen werden können – realistisch sind demnach rund 50% der regulär betreuten Kinder.
Ein Zusammenschluss von medizinischen Gesellschaften plädiert dafür, Schulen und Kitas wieder komplett zu öffnen. Der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern und die allgemeinen Hygieneregeln stünden dem nicht entgegen – so heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), der Deutschen Akademie für Kinder und Jugendmedizin (DAKJ) und dem Berufsverband der Kinder und Jugendärzte in Deutschland (bvkj e.V.).

De-Professionalisierung verhindern und Qualität sicherstellen

Die Kindertagesbetreuung ist ein dynamischer und stark wachsender Teilarbeitsmarkt innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe bzw. des Bildungssektors. Entsprechend des enormen Wachstums besteht aktuell und auch in den kommenden Jahren ein erhöhter Fachkräfte- und Personalbedarf. In dem Bemühen von Ländern und Anstellungsträgern ausreichendes und gleichzeitig gut qualifiziertes Personal zu gewinnen, erwächst aus Sicht des Deutschen Vereins ein Spannungsfeld zwischen notwendiger, qualitätssichernder Reglementierung und gleichzeitig zunehmender Ausdifferenzierung bzw. Fragmentierung des Arbeitsfeldes und der Aus- und Weiterbildung. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, das bestehende Standards nicht unterlaufen werden. Was niemand wollen kann, ist ein Einstieg in eine De-Professionalisierung. Maßstab und Ziel ist, ein kohärentes Aus- und Weiterbildungssystem weiter zu entwickeln und Strukturhindernisse zu beseitigen.

Nach der tollen Resonanz der 1. KITA-Sprechstunde, möchten wir Sie ganz herzlich zu unserem Webinar „2. KITA-Sprechstunde“ am 15.05.2020 von 13:30 bis 14:30 Uhr einladen! Neben Ihren „offenen Themen“ möchten wir eine pädagogische Frage in den Fokus stellen:

Wie können wir die inneren Verarbeitungsprozesse der Kinder zu Corona Zeiten unterstützen? Wie ist Ihr Eindruck? Wie kommen die Kinder in die Kitas zurück?
Niedersachsen hat jetzt einen Corona-Rahmenhygieneplan für Kindertageseinrichtungen vorgelegt. Angeführt werden hier neben Hinweisen zur Desinfektion und Hygiene auch Verhaltensregeln für die Beschäftigten, Eltern und Kinder sowie Hinweise zur Raumhygiene und Gruppengröße. Grundsätzlich heißt es hier:
Kita-Leitfaden, Rahmen-Hygieneplan, Hinweise zum Umgang mit besonders schutzwürdigen Personen und Ideen zur Teilhabe aller Kinder am pädagogischen Alltag von Kita und Kindertagespflege bei der Notbetreuung: Das Niedersächsische Kultusministerium gibt den örtlichen Jugendhilfeträgern, den Kommunalen Spitzenverbänden, den Mitgliedsverbänden der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege, dem Katholischen Büro Niedersachsen, der Konföderation ev. Kirchen sowie der LAG Elterninitiative praxisnahe Leitplanken für die Ausweitung der Kindertagesbetreuung an die Hand. Damit haben die zuständigen Kita-Träger vor Ort einen verlässlichen Rahmen, um den Kita-Betrieb schrittweise hochzufahren.

Teilhabe aller Kinder im Blick behalten


Auch wenn es nun einen Fahrplan zur stufenweisen und flexiblen Öffnung der Notbetreuung bis hin zum Regelbetrieb gibt, so können viele Kinder – und insbesondere auch Kinder im letzten Jahr vor der Einschulung und mit Sprachförderbedarf – vorerst weiterhin nicht in ihrer Kindertageseinrichtung gefördert werden.

Das Niedersächsische Kultusministerium möchte Fach- und Leitungskräften in Kindertageseinrichtungen daher Ideen und Impulse an die Hand geben, um während der Betriebsuntersagung aufgrund von Infektionsschutz alle Kinder zu erreichen und ihnen eine Teilhabe am pädagogischen Alltag ihrer Kindertageseinrichtung zu ermöglichen.