Kultusministerium lädt zum Diskurs ein


Im Jahr 2040 wird unsere Welt eine andere sein. Wie genau unser Leben dann aussehen wird, lässt sich heute noch nicht mit Gewissheit sagen. Fest steht aber, dass die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse Auswirkungen auf die Bildung unserer Kinder haben werden. Für die Bildungspolitik und alle an Bildung Beteiligten stellt sich die Frage, was und wie junge Menschen lernen sollen, um fit für die Zukunft zu sein. Auf der Grundlage welcher Wertvorstellungen und pädagogischen Leitideen soll Bildung zukünftig stattfinden? Welche Kompetenzen werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene benötigen, um unsere Gesellschaft mitgestalten zu können? Welche Lernumgebungen wirken anregend und unterstützend und welche Rolle sollen pädagogische Fachkräfte einnehmen? Diesen und vielen weiteren Fragen zur Bildung der Zukunft widmet sich das Projekt „Bildung 2040“ im Niedersächsischen Kultusministerium. Ziel ist es, gemeinsam mit möglichst Vielen einen roten Faden für die Bildungspolitik in Niedersachsen zu entwickeln.
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Dequalifizierung statt mehr Qualität in Niedersachsens Kitas?


logo2In einem offenen Brief an die Mitglieder des niedersächsischen Landtags warnt das „Bündnis für Kinder und Familien in Niedersachsen e.V. /Kita-Volksinitiative“ im Hinblick auf aktuelle Planungen des Kultusministeriums zur Ausbildung oder zur Öffnung des Fachkräftegebots vor „einschneidenden Maßnahmen der Dequalifizierung im Kita-Bereich“. Zudem gebe es bisher keine Planungen, die zu erwartenden Gelder aus dem Gute KiTa-Gesetz „für Qualitätsverbesserungen einzusetzen, sondern ausschließlich für die Gegenfinanzierung der Beitragsfreiheit“. So zeigen sich die AutorInnen „entrüstet und enttäuscht von diesen Entwicklungen im Land“ und appellieren an die Politik „diese Entwicklung zu stoppen und andere Wege zur Stärkung der frühkindlichen Bildung zu gehen.“

Download Offener Brief
Als „deprimierendes Trauerspiel“ bezeichnet der Paritätische Wohlfahrtsverband den aktuellen Verhandlungsstand zwischen Bund und Ländern zum geplanten Gute-Kita-Gesetz, das eigentlich zum 1.1.2019 in Kraft treten sollte. Entgegen der hoch gesteckten Erwartungen, die mit der Ankündigung des Gesetzes zur Qualitätsverbesserung in Kindertagesstätten geschürt wurden, drohe das Vorhaben nun in der Praxis zu scheitern. Nach Recherchen des Paritätischen Gesamtverbandes ist zu befürchten, dass die Mehrzahl der Bundesländer die zusätzlichen Mittel vorrangig zur Refinanzierung der Gebührenfreiheit oder anderer ohnehin geplanter Vorhaben nutzen werde. Nennenswerte Effekte zur Qualitätsverbesserung in Kindertagesstätten seien dagegen kaum zu erwarten.

Aktuelle Entwicklungen praxisintegrierter und berufsbegleitender Erzieher/innenausbildungen


Die Diskussionen um vergütete Ausbildungsmodelle nehmen in den Ländern und auch auf Bundesebene weiter zu. Dies zeigt sich u.a. in der zunehmenden Anzahl an Fachveranstaltungen, den politischen Debatten und Initiativen von Trägern, Fachschulen sowie weiterer Akteur/innen.

Dabei stellt sich die Frage: Wie sehen die Entwicklungen derzeit konkret aus? Welche Daten gibt es, aus denen Rückschlüsse über die Bedeutung praxisintegrierter und berufsbegleitender Erzieher/innenausbildungen gezogen werden können? Welche ggf. bedeutsamen Weichenstellungen wurden getroffen?
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Die Universität Hildesheim (Institut für Erziehungswissenschaften) bietet ab dem kommenden Jahr ein berufsbegleitendes Weiterbildungsprogramm Inklusive Bildung an. Durchgeführt wird es in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule in Zürich. Lehrende sind international bekannte Expert_innen aus Deutschland und der Schweiz.
Über die von der Amadeu Antonio-Stiftung herausgegebene und vom Bundesfamilienministerium geförderte Broschüre „Ene, mene, muh - und raus bist du! Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik“ ist eine öffentliche Debatte entbrannt und die Stiftung sieht sich massiven Bedrohungen ausgesetzt. Die Broschüre sollte dazu dienen, ErzieherInnen im Umgang mit radikalen oder rechtsextremen Aussagen und Verhaltensweisen in der KiTa zu unterstützen. Erläutert werden Gegenstrategien, die für alle Kinder in der Kita Vielfalt erlebbar machen: Demokratiepädagogik, vorurteilsbewusste und anti-rassistische Erziehung

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"Schnüffel-Fibel"?

Die Kritik der von der BILD-Zeitung schon als „Schnüffel-Fibel“ diskreditierten Broschüre bezieht sich unter anderem auf einen angeblichen Generalverdacht gegen Mädchen mit blonden Zöpfen und Kleidern als aus einem „völkischen“ Elternhaus stammend. Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) sagte der Präsident des Deutschen Lehreverbandes Heinz-Peter Meidinger: „Hier wird zu einer Gesinnungsschnüffelei aufgerufen, wie sie zuvor der AfD wegen ihres 'Lehrerprangers‘ vorgeworfen wird.“

"Vorwürfe lächerlich"

Die Amadeu Antonio-Stiftung nennt die Vorwürfe „lächerlich“ und hat dazu eine ausführliche Stellungnahme verfasst, in der sie auch die Versuche rechter Blogs darstellt die Broschüre zu diskreditieren: „Es geht um das Kindeswohl und nicht um blonde Zöpfe“.

Aber auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey stellt klar, dass die kritisierte Stelle lediglich aus einem Fallbeispiel stamme und keine Allgemeingültigkeit beanspruche.

Trotz aller Kritik steht auch der Bundesvorsitzende der Evangelischen Tageseinrichtungen, Carsten Schlepper, zu der Broschüre und hält sie für die Demokratieerziehung in der KiTa geeignet- Im Gespräch mit der NOZ führt er aus: „Dazu gehört in unseren Kindertageseinrichtungen, dass Kinder in teilnehmenden Prozessen lernen, sich mit Bedürfnissen und Wünschen der anderen auseinanderzusetzen, die eigene Meinung zu vertreten und zu begründen und die Meinungsbildung der Gruppe zu realisieren."

Zur eigenen Meinungsbildung können Sie die umstrittene Broschüre hier downloaden:

Download Broschüre
Karsten Herrmann
Unter der Koordination des Projektes „Chance Quereinstieg“ soll am 5. Juni 2019 ein bundesweiter Aktionstag zur „Klischeefreien Vielfalt in KiTas“ stattfinden. Dafür sollen ein starkes Bündnis geschmiedet (das nifbe ist auch dabei!) und viele Praxiseinrichtungen zum Mitmachen gewonnen werden.
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Die Kindertagesbetreuung hat auch die Aufgabe, Kinder von Anfang an auf das Zusammenleben in einer demokratischen Gemeinschaft vorzubereiten und ihnen Werte wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Respekt zu vermitteln. Doch wie kann das von Anfang an und schon mit den Kleinsten in der Krippe gelingen? Diese Frage beleuchtete eine Fachtagung des von den Wohlfahrtsverbänden, der AGJ und dem Bundesfamilienministerium getragenen Kooperationsprojektes „Demokratie und Vielfalt in der Kindertagesbetreuung“ in Berlin.
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Handreichung der Amadeu Antonio Stiftung zum Umgang mit Rechtspopulismus und Rassismus in der KiTa

Die Handreichung "Ene, mene, muh – und raus bist du! Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik" für das Handlungsfeld Kindertagesbetreuung
reagiert auf neue Herausforderungen im Umgang mit Abwertungen, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus.
Im Rahmen der Fachtagung „Demokratie und Vielfalt in der Kindertagesbetreuung“ (Bericht folgt) nahm Bundesfamilienministerin Franziska Giffey am Dienstag in Berlin auch Stellung zur Frühkindlichen Bildung allgemein und zum „Gute KiTa Gesetz“. Zunächst zollte sie den pädagogischen Fachkräften ein dickes Lob, da sie unter „oftmals schwierigen Rahmenbedingungen einen tollen Job“ machen würden. Sie unterstrich, dass KiTa und Kindertagespflege „pädagogische Bildungseinrichtungen“ sind und dass die Frühkindliche Bildung eine „nationale Bildungsaufgabe ist“.

Entsprechend werde mit dem Gute-KiTa-Gesetz unter dem Motto „Mehr Qualität und weniger Gebühren“ auch in die Zukunft investiert. Sie sprach sich dagegen aus, diese beiden Aspekte des Gesetzes gegeneinander auszuspielen, denn: „Wenn wir über Qualität reden, müssen wir auch über Zugänge reden“ und die seien in der jetzigen Situation nicht für alle Familien gegeben. Deswegen sollen mit dem Gesetz auch soziale gestaffelte Beiträge bzw. die Beitragsfreiheit für die finanziell Schwächsten mitfinanziert werden. In zehn Handlungsfeldern solle aber insbesondere auch die Qualität verbessert werden und hier, so Giffey, „muss eine bessere Fachkraft-Kind-Relation Priorität haben“. Aufgrund der sehr verschiedenen Ausgangslagen werde der Bund zu diesem Punkt individuelle Vereinbarungen mit jedem Bundesland treffen und perspektivisch sollten aber auch „bundesweite Standards“ ins Auge gefasst werden.

Fachkräfteoffensive angekündigt

Als zentrale aktuelle Herausforderung benannte Franziska Giffey aber auch den Fachkräftemangel und kündigte ab dem nächsten Jahr eine mit 40 Millionen Euro hinterlegte Fachkräfte-Offensive des Bundes an. Im Fokus stünden hierbei die vergütete praxisintegrierte Ausbildung, die Praxisanleitung und eine entsprechende Entlastung der Fachkräfte sowie die Durchlässigkeit und Aufstiegsmöglichkeiten im KiTa-Feld.

In „Zeiten von Hetze, Hass und Populismus“ kündigte sie an sich mit Nachdruck für ein „Demokratiefördergesetz“ einzusetzen und versprach mit ihrem Berliner Charme: „Penetranz schafft Akzeptanz.“
Karsten Herrmann