nifbe-Tagung "Experimentieren, Entdecken und Gestalten"


Welche Potenziale bieten Lernwerkstätten für die selbsttätige Bildung und Entwicklung von Kindern und insbesondere auch für einen gelingenden Übergang von der KiTa in die Grundschule? Diese Frage stand im Zentrum einer frühzeitig ausgebuchten nifbe-Fachtagung unter dem Titel „Experimentieren, entdecken und gestalten in Lernwerkstätten“ in der Osnabrücker Lagerhalle. Seine Premiere feierte hier auch der neue nifbe-Film „Das Prinzip Lernwerkstatt“.
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Fachtag Fachberatung auf der didacta


Die aktuelle Situation sowie die Perspektiven der Fachberatung in Deutschland standen im Fokus einer gemeinsam von der Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Entwicklung in der Kindheit (BAG BEK), der GEW Baden-Württemberg und dem nifbe durchgeführten Fachtagung auf der didacta in Stuttgart.

Zur Begrüßung umriss Maria Korte-Rüther vom nifbe die zentrale Bedeutung der FachberaterInnen für die qualitative Weiterentwicklung von KiTa und Kindertagespflege. Gleichzeitig sei sie durch eine ungeheure Heterogenität in Struktur, Aufgabenspektrum und Selbstverständnis gekennzeichnet. In Niedersachsen begleite das nifbe daher den Prozess zur Entwicklung eines gemeinsamen Professionsverständnissen mit Arbeitsgruppen und landesweiten Tagungen. Im Ergebnis sei ein Positionspapier entstanden, das jetzt in einem nächsten Schritt mit Trägern und dem Kultusministerium diskutiert werden solle.

Daran anknüpfend erläuterte Elke Alsago, wie die BAG-BEK mit der AG Fachberatung den Professionalisierungsprozess der Fachberatung auf Bundesebene begleite und eine Plattform für Austausch und Vernetzung biete. Gemeinsam würden hier auch Bestandsaufnahmen beispielsweise zur rechtlichen Verankerung der Fachberatung auf Bundes- und Landesebenen oder auch zu Aus- und Weiterbildung von FachberaterInnen durchgeführt. Ziel sei es in der AG Fachberatung die Bundesländer und Träger von Fachberatung repräsentativ zu spiegeln.

Fachberatung als Schlüssel für Qualitätsentwicklung und -sicherung

Im Auftaktvortrag beschrieb Gabriele Berry die Ausgangslagen und Perspektiven von Fachberatung. Grundlage dafür bot dabei ihre gemeinsam mit Christa Preissing für das Familienministerium im Rahmen des geplanten Bundesqualitätsgesetzes verfasste Expertise zur „Fachberatung im System der Kindertagesbetreuung“.

Fachberatung, so Berry, bilde eine Schnittstelle zwischen den verschiedenen Ebenen des Feldes der frühkindlichen Bildung. Zentral sei sie sowohl für die Qualitätsentwicklung von Trägern wie von KiTas zuständig, sorge für den Transfer von neuen Erkenntnissen aus der Forschung in die Praxis, entwickle fachpolitische Empfehlungen und fördere die Vernetzung. Sie unterstrich, dass Fachberatung der „Reformmotor und Schlüssel für die Qualitätsentwicklung und –sicherung in den KiTas und der Kindertagespflege ist“.

Allerdings, so konstatierte sie die Sichtung von Forschungsergebnissen im Rahmen der Expertise, fehle es an gesicherten Erkenntnissen zur Realität von Fachberatung, über ihre tatsächliche Wirkung und einzelne Wirkfaktoren. Insgesamt zeige sich das Feld als „äußerst heterogen und ungeregelt“ und die konkrete Ausgestaltung der Fachberatung liege in der alleinigen Verantwortung der Träger. Deutlich sei auch, dass die die strukturellen Rahmenbedingungen für die Fachberatung „zumeist nicht ausreichend und zwischen den Bundesländern höchst unterschiedlich sind“. So schwanke beispielsweise die Betreuungsquote von FachberaterInnen geradezu dramatisch zwischen 1:1 und 1:600 KiTas. So könne das Ziel, allen Kindern die gleichen Chancen zu bieten, nicht verwirklicht werden. Daher brauche es einer rahmengebenden Bundesgesetzgebung unter dem Grundsatz „Anerkennung von Verschiedenheit auf der Basis relevanter Gemeinsamkeiten“.

In diesem Sinne sprach Gabriele Berry folgende acht Empfehlungen aus:

  • Rechtsanspruch der Fachpraxis und der Träger auf Fachberatung im SGB VIII verankern und die Finanzierung von Fachberatung auf Länderebene verbindlich regeln
  • Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung als Kernaufgabe von Fachberatung
  • Angemessene personelle Ausstattung für die unmittelbaren Fachberatungsaufgaben und eine Relation von 1 Fachberaterin auf 20 Kitas oder auf max. 40 Kindertagespflegeverhältnisse
  • Sicherstellung von Fachberatung für alle Kitas und Träger
  • Die Wahrnehmung von Fachberatung als Verpflichtung bundesweit regeln
  • Mittelfristig: Einschlägiges praxisorientiertes Hochschulstudium und mehrjährige Berufspraxis im Arbeitsfeld Kindertagesbetreuung
  • Fort- und Weiterbildung der Fachberatung auf Länder- und Verbandsebene als Verpflichtung
  • Qualitätsentwicklung in der Fachberatung als verbindliche Regelung auf Bundes- oder Länderebene
  • Daten und Fakten zur Fachberatung über die Kinder- und Jugendhilfestatistik erfassen


Fachberatung "auf dünnem Eis"

In ihrem Vortrag „FachberaterInnen zwischen Wünschen und Wirklichkeit“ skizzierte Elke Alsago zunächst die gesetzlichen Grundlagen für FachberaterInnen auf Bundesebene (SGB VIII) und in den Landesgesetzen. Bis auf wenige Ausnahmen wie in Thüringen unterstrichen die Gesetzgebungen zwar, dass Praxisberatung sicherzustellen ist, ließen aber die Finanzierung und die Inhalte der Fachberatung weitestgehend ungeklärt. „In diesem Sinne bewegt sich Fachberatung rechtlich auf dünnem Eis“ resümierte sie.

Gleichzeitig sehe sich Fachberatung aber hohen und vielfältigen Ansprüchen von verschiedenen Seiten ausgesetzt – insbesondere über die Bildungs- und Orientierungspläne der Länder, über die Träger und über die KiTa-Leitungen. Letztere sähen Fachberatung beispielsweise ganz ausgeprägt als ihre Interessenvertretung, wollten Kontrolle vermeiden und erwarteten eine Haltung der Responsivität und Kooperation sowie den Transfer von Inhalten und das Setzen von Reflexionsimpulsen. In diesem Spannungsfeld positioniere sich Fachberatung dann noch mit ihrem Selbstanspruch, der Wert auf eine neutrale Position zwischen KiTa und Träger lege und sich ganz zentral am Wohl des Kindes orientiere. FachberaterInnen gehe es im Verhältnis zur KiTa insbesondere um „Ermöglichen, umsorgen, vermitteln und Kriseninterventionen“.

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Aktuelle politische Entwicklungen

Die aktuellen Entwicklungen zur gesetzlich-strukturellen Stärkung der Fachberatung auf Bundes- und Länderebenen stellte André Dupuis anhand des Zwischenberichts „Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern“ der Bund-Länder-Kommission vor. Hier wird „Fachberatung als strukturelle Voraussetzung für eine hochwertige Qualität“ benannt und angesichts ihrer derzeitigen heterogenen Ausgestaltung bedürfe es „eines Profils der Fachberatung, angemessener Rahmenbedingungen sowie kontinuierlicher Qualifizierung.“ Als Kernaufgaben der Fachberatung werden die unmittelbare fachliche Beratung von Trägern, LeiterInnen und Fachkräften, die Begleitung von Qualitätsentwicklungsprozessen und der Transfer zwischen Wissenschaft und Fachpraxis sowie Politik und Fachpraxis benannt.

Jede Kindertageseinrichtung hat dem Zwischenbericht zufolge „ein Recht auf Fachberatung“ und Ziel sei es daher „die Fachberatungssysteme der Länder aufbauend auf den bestehenden Strukturen bedarfsorientiert auszubauen und weiterzuentwickeln zu kompetenzorientierten Fachberatungssystemen....“. Der Wille zum Ausbau der Fachberatung wird dabei schon mit Zahlen hinterlegt: So würden für 500 bis 1.000 zusätzliche Stellen jährlich zwischen 33 und 66 Millionen Euro zusätzlich benötigt. André Dupuis wertete den Zwischenbericht in diesem Sinne als „wichtigen Schritt auf dem Weg zur weiteren Steuerung, Finanzierung und Qualitätsentwicklung des System der Fachberatung“.

Auf dem Weg zum Professionsverständnis

Im Zentrum einer Plenums- und Podiumsdiskussion stand auf dem Fachtag unter anderem die Frage, ob sich Beratung und das dazu notwendige Vertrauensverhältnis mit einer Dienst- und / oder Fachaufsicht vereinbaren lasse. Waltraud Names, Fachberaterin der AWO in Mecklenburg-Vorpommern forderte eine größtmögliche und möglicherweise sogar trägerunabhängige Neutralität der Fachberatung als „Anwalt des Kindes“ ein und konstatierte: „Ohne Fach- und Dienstaufsicht kommen wir näher an die Menschen ran!“ Soweit wollte Heidrun Janssen von der Evangelischen Kirche in Freiburg nicht gehen, mahnte aber an „transparent die Erwartungen zu klären – und zwar gegenüber sich selbst, gegenüber der KiTa und gegenüber dem Träger.“

Hieran schloss sich die Diskussion um das Professionsverständnis und die Entwicklung einer Profession Fachberatung an. Maria Korte-Rüther vom nifbe hob heraus, dass „für die Professionsentwicklung eine grundständige Berufsausbildung bzw. ein Studium unabdingbar seien“. Elke Alsago machte darauf aufmerksam, dass es „noch keine Theoriebildung für das Feld gebe“ und das für die Entwicklung einer Profession „nicht nur das ‚was‘, sondern auch das ‚wie‘ zu diskutieren und zu definieren“ sei.

Einig waren sich die Diskutanten, dass keine Ausbildung und kein Studium die für die Fachberatung notwendigen vielfältigen Kompetenzen und Wissensbestände vermitteln könnten. Neben der Praxiserfahrung blieben das „lebenslange Lernen“ und ein „forschender Habitus“ unabdingbar – und hierfür müssten die entsprechenden mittelbaren Arbeitszeiten zur Verfügung gestellt werden.

Aufbruchstimmung kam zum Abschluss der Fachtagung durch das von Maria Korte-Rüther vorgestellte Beispiel der vom nifbe begleiteten Vernetzung und Entwicklung eines gemeinsamen Professionsverständnisses von Fachberatung in Niedersachsen auf: „Diesen Weg müssen wir in unseren Bundesländern auch beschreiten“ hieß es dazu aus dem Plenum.

Karsten Herrmann


Präsentatioonen

Gabriele Berry

Elke Alsago

André Dupuis



Zum Weiterlesen:

Fachberatung gestaltet ihre Zukunft

Fachberatung im Aufbruch

Fachberatung auf dem Weg zum Professionsverständnis

Quo vadis Fachberatung?


Zweisprachig aufwachsende Kinder sind eher in der Lage, sprachliche Missverständnisse richtig zu stellen als einsprachig aufwachsende Kinder. Sie profitieren dabei von ihren Erfahrungen mit schwierigen Kommunikationssituationen. Das zeigen Psychologen in einer Studie mit 111 Kindern im Alter von zwei bis drei Jahren. Die Ergebnisse sind aktuell in der Fachzeitschrift „Journal of Experimental Child Psychology“ veröffentlicht worden.

„Kinder, die zweisprachig aufwachsen, sind hinsichtlich ihrer kommunikativen Fähigkeiten gegenüber einsprachigen Kindern im Vorteil. Dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass zweisprachige Kinder im Alltag häufiger mit kommunikativen Missverständnissen konfrontiert sind, die einsprachige Kinder in dieser Form nicht erfahren. Dadurch können sie ihre kommunikativen Fähigkeiten vermutlich stärker üben“, erklärt Stephanie Wermelinger, Entwicklungspsychologin von der Universität Zürich.

Ministerin Rundt: Niedersachsen ist bundesweit führend bei Hilfsangeboten für Familien

Etwa 200 Expertinnen und Experten aus ganz Niedersachsen haben heute auf ihrem jährlichen „Fachtag Frühe Hilfen" in Hannover über die aktuelle Entwicklung vorbeugender Hilfen für Familien diskutiert. „Frühe Hilfen unterstützen Familien sowohl bei Gesundheits- als auch bei Erziehungsfragen. Ihr großer Vorteil liegt in dem niedrigschwelligen Zugang", sagte die Niedersächsische Familienministerin Cornelia Rundt bei der Eröffnung der dritten Veranstaltung dieser Art. „Ich freue mich, dass wir in Niedersachsen immer wieder Motor bei der fachlichen Weiterentwicklung dieser Angebote sind. So sind zum Beispiel die Familienhebammen eine Hilfeform, die von Niedersachsen ausgehend inzwischen bundesweit etabliert ist."

In Niedersachsen wurden am 01. März 2016 insgesamt 58 176 Kinder unter 3 Jahren in einer Tageseinrichtung oder in Tagespflege betreut. Wie das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) mitteilte, lag die Betreuungsquote bei 28,4 %. Die Betreuungsquote gibt an, wie viele Kinder je 100 Kinder der gleichen Altersgruppe betreut werden. Gegenüber dem Berichtsjahr 2015 ist die Betreuungsquote fast unverändert geblieben (+0,1 Prozentpunkte). Gleichzeitig ist in dem Zeitraum jedoch die Anzahl der betreuten Kleinkinder um 5 % gestiegen. Die weitgehend gleichbleibende Betreuungsquote ergibt sich aus dem Anstieg der Gesamtzahl der Kleinkinder durch die gestiegene Geburtenrate und Zuzug.

Der 15. Kinder- und Jugendbericht zeichnet ein aktuelles Bild der Lebenslagen und des Alltagshandelns Jugendlicher und junger Erwachsener und untersucht die Rahmenbedingungen für ihr Aufwachsen.

Am 1. Februar hat das Bundeskabinett die Stellungnahme zum 15. Kinder- und Jugendbericht beschlossen. Eine unabhängige Sachverständigenkommission hatte den Bericht mit dem Titel "Zwischen Freiräumen, Familie, Ganztagsschule und virtuellen Welten - Persönlichkeitsentwicklung und Bildungsanspruch im Jugendalter" im Auftrag der Bundesregierung erarbeitet.

BMFSFJ veröffentlicht erstmals Daten zu Betreuungsbedarfen von Kindern von 3 – 11 Jahren


Die aktuellen Zahlen zeigen: Der Ausbau in der Kindertagesbetreuung muss weitergehen. In der Publikation „Kindertagesbetreuung Kompakt“ hat das BMFSFJ die aktuellen Zahlen zusammengetragen. Erstmals auch für Grundschulkinder bis 11 Jahre.

Der Betreuungsbedarf für Kinder unter drei Jahren ist weiter gestiegen, von 43,6 % in 2015 auf 46% in 2016. Doch nur 32,7% der Kinder dieser Altersgruppe – das entspricht einer Zahl von knapp 720.000 Kindern – wurden auch tatsächlich in 2016 betreut.

Zahl der betreuten Kinder nimmt zu


Knapp 43.500 Personen haben im Jahr 2016 Kinder in Tagespflege betreut. Nach einer längeren Wachstumsperiode von 2006 bis 2014 ist die Anzahl der Tagesmütter und -väter das zweite Jahr in Folge rückläufig. Prozentual fällt die Abnahme der Tagespflegepersonen allerdings mit 1% im Jahr 2016 und 2% im Vorjahr moderat aus. Der Rückgang ist bundesweit zu beobachten: Seit 2014 ist die Anzahl der Tagespflegepersonen in allen Ländern außer Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt zurückgegangen. Das zeigen aktuelle Auswertungen des Fachkräftebarometers Frühe Bildung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF).

Digitale Medien sind ein ständiger Begleiter in unserem Kulturkreis und aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zeigen auf, dass die Ausstattung der Familien mit einem PC flächendeckend ist und dass 95% aller 12-19 Jährigen ein Smartphone besitzen. Auf Grundlage der Omnipräsenz von digitalen Medien und dem damit verbundenen frühen Kontakt mit Medien durch das Elternhaus, insbesondere des Smartphones und Tablets, sind die Überlegungen von Pädagogen und Politkern (Tablet-) PCs schon im Elementarbereich einzuführen, nachvollziehbar. Hierbei wird das Potential gesehen, dass den Kindern schon frühzeitig der richtige und gewinnbringende Umgang mit digitalen Medien, insbesondere mit dem PC / Tablet, nähergebracht werden kann. Die frühzeitige Auseinandersetzung mit digitalen Inhalten wird mit der im späteren Bildungsverlauf stärker werdenden Wettbewerbsfähigkeit begründet. Zugleich werden die Oberflächen der bekanntesten Betriebssysteme (Android, iOS) als intuitiv und kinderleicht erlernbar beworben und somit für Kindergartenkinder als geeignet eingestuft. Somit stellt sich die Frage, ob und wann ein Tablet in der Kita eingesetzt werden sollte, sowie welchen Zweck der Einsatz verfolgen sollte.

Potenziale erkennen - Ressourcen nutzen!


mehrsprache 175Sprache ist der Schlüssel zur Welt und die Voraussetzung für soziale Teilhabe von Anfang an. Gerade in unserer von starken Migrations- und Fluchtbewegungen geprägten Gesellschaft müssen daher wirksame Konzepte für die sprachliche Bildung und Förderung in KiTa und Kindertagespflege entwickelt und in die Praxis transferiert werden. Dabei geht es nicht nur die Vermittlung der deutschen Sprache, sondern auch um die bewusste Wertschätzung der Erstsprache von Kindern aus der ganzen Welt.