Die Studie "Keine Kita für alle!" weist am Beispiel von drei Ruhrgebietsstädten nach, dass arme und sozial privilegierte Kinder schon in der Kita geringe Chancen haben, miteinander zu spielen und zu lernen.

Studie hat Berufseinsteigende fünf Jahre lang begleitet


Nachwuchskräfte für die Kindertagesbetreuung sind gefragt wie nie. Laut einer Prognose des Deutschen Jugendinstituts benötigen Krippen, Kindergärten und Grundschulbetreuung bis zum Jahr 2025 bis zu 329.000 zusätzliche pädagogische Fachkräfte. Das Ausbildungssystem der Frühen Bildung ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. 2014/15 begannen deutschlandweit 43% mehr Personen eine Ausbildung in dem Bereich als noch 2007/08. Bei den Erzieherinnen und Erziehern waren es sogar 71%. Doch was kommt nach dem Berufsabschluss? Das hat das Forschungsprojekt „Übergang von fachschul- und hochschulausgebildeten Fachkräften in den Arbeitsmarkt“ (ÜFA) untersucht. Befragt wurden dafür Erzieherinnen und Erzieher sowie Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen der Kindheitspädagogik in den ersten fünf Jahren des Berufseinstiegs. Die Ergebnisse zeigen: Die Tätigkeit in Kitas muss attraktiver werden, insbesondere wenn hochqualifizierte Kräfte dort langfristig gehalten werden sollen. Dieser und weitere Befunde liegen nun als Publikation der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte vor.

Eine zeitgemäße Kindertagesbetreuung stellt sich auf wandelnde gesellschaftliche Bedarfe ein und entwickelt Lösungsansätze für alle Beteiligten. Daraus resultiert der Anspruch, Angebote zu etablieren, die dem Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag gerecht werden und sich zugleich an den Bedarfslagen der Kinder und Familien orientieren. Dies gilt für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege gleichermaßen.

Der Deutsche Verein will mit seinen Empfehlungen (Download untern) dazu beitragen, die Kindertagespflege als gleichrangiges Angebot neben den Kindertageseinrichtungen zu stärken und sie qualitätsorientiert weiter zu entwickeln. Neben der Frage einer qualitätsorientierten, formenspezifischen Weiterentwicklung der öffentlich geförderten Kindertagespflege und zugleich der Beibehaltung ihrer Alleinstellungsmerkmale befassen sich die Empfehlungen mit Fragen der Verberuflichung und Implementierung der Qualifizierung in die pädagogischen Ausbildungen.

Darüber hinaus wird die Ausgestaltung der laufenden Geldleistungen aufgegriffen und Vorschläge für verschiedene rechtliche Klarstellungen sowie konzeptionelle, strukturelle und finanzielle Änderungsbedarfe unterbreitet.


Empfehlungen Deutscher Verein

Am 25. Mai ist die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) in Kraft getreten. Auch für Schulen, Hochschulen und Kitas gelten neue Regeln beim Datenschutz. Die GEW hat auf Ihrer Seite zusammengestellt, was die DSGVO für KiTas, Schulen und Hochschulen zum Beispiel im Hinblick auf die Erhebung personenbezogener Daten bedeutet.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat am heutigen Montag das „Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung" (nifbe) in Osnabrück besucht und sich mit Vorstand und Geschäftsführung ausgetauscht. Gesprächsschwerpunkte waren die Beitragsfreiheit im Kindergarten, die alltagsintegrierte Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen und die Reform der Erzieherausbildung. „Das Augenmerk der Landesregierung liegt auf der Stärkung der frühkindlichen Bildung und Betreuung in Niedersachsen. Deshalb haben wir bereits viele Schritte unternommen, die notwendig sind, um Niedersachsen zum Kita-Land Nummer 1 zu machen. Das nifbe ist dabei ein wichtiger eigenständiger Baustein zur weiteren Qualitätsentwicklung in der frühkindlichen Bildung in Niedersachsen", sagte Tonne. Nifbe-Direktorin Prof. Dr. Renate Zimmer und nifbe-Geschäftsführer Reinhard Sliwka erläuterten dem Minister die aktuellen Ziele und Aktivitäten des nifbe. Grundsätzliches Ziel des nifbe sei der Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Konzepten in die Kita-Praxis und die landesweite interdisziplinäre Vernetzung der Akteure im Feld. „Das nifbe hat sich als leistungsstarkes Bindeglied zwischen Forschung und Praxis aufgestellt", resümierten sie.

Studienergebnisse zur Mehrheitsorientierung bei Kindern erschienen


Kinder lernen, indem sie ihre Umwelt beobachten. Sie stehen vor der enormen Aufgabe, sich in die spezifischen sozialen und ökologischen Gegebenheiten vor Ort einzufügen. Was kann ich Essen? Wie muss ich sprechen? Wie muss ich mich verhalten? Eine von mehreren parallelen Lern-Strategien ist es, sich an der Mehrheit zu orientieren. Wissenschaftler der Universität Leipzig haben untersucht, inwieweit sich Kinder verschiedener Kulturen im Laufe ihrer Entwicklung ihre Welt durch diese Art des Lernens, also durch das Abschauen bei der Mehrheit, erschließen. Ihre Erkenntnisse haben sie jetzt in dem renommierten Online-Fachjournal "Nature Communications" veröffentlicht.

Ein Praxis-Schatz wird sichtbar

In Kooperation mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) präsentiert das nifbe auf einer neuen Wissenslandkarte die 20 Finalisten des Deutschen KiTa-Preises mit Text- und Video-Kurzporträts. So wird hier ein Praxis-Schatz sichtbar und es zeigen sich überzeugende Good Practice-Ansätze zum Beispiel im Umgang mit Kindern mit Fluchterfahrung in der KiTa, bei der individuellen Förderung der Kinder, der Elternarbeit oder der sozialräumlichen Vernetzung. Es sind Beispiele, die zur Nachahmung anregen und in der Wissenslandkarte sind daher auch die Kontakte der Finalisten hinterlegt, um mit Ihnen ins Gespräch und in den Austausch über ihre pädagogischen Konzepte kommen zu können.

Zertifikatsweiterbildung für (angehende) Leitungskräfte in Kindertageseinrichtungen


Kindertageseinrichtungen sind seit jeher Orte, die in vielfältiger Form Begegnungen ermöglichen und fördern: Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts sowie mit heterogenen Biografien und Lernerfahrungen, soziokulturellen Hintergründen und körperlichen Voraussetzungen lernen und arbeiten täglich gemeinsam in diesen Einrichtungen. Cloos und Becker-Stoll konstatieren eben dies und heben zugleich die Notwendigkeit hervor, die entsprechenden Prozesse stärker unter den Vorzeichen von Inklusion in den Blick zu nehmen: „Gegenstand von Konzeptionen, Planung und Reflexion [kann und sollte] sein, wie Diversität auf den unterschiedlichen Ebenen hergestellt, ihr begegnet und darüber gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und ihren Familien ermöglicht sowie sozialer Ungleichheit entgegengewirkt wird“ (ebd., 2015, S. 15f., Herv. i. O.).

Zum heute publizierten ElternZOOM, einer Befragung von Kita-Eltern im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung (Für Eltern steht Qualität vor Beitragsfreiheit), sagt der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne:

„Es ist gut und richtig, dass die neue Studie der Bertelsmann-Stiftung den Fokus auf die Qualität in den Kindertagesstätten legt. Die Schlussfolgerung - erst eine Verbesserung der Qualität, dann die Beitragsfreiheit im Kindergarten - halte ich hingegen für falsch.

Kita-Beiträge belasten laut einer neuen Elternbefragung vor allem arme Haushalte überproportional. Dennoch wäre eine Mehrheit aller Eltern bereit, noch höhere Kosten für Kitas in Kauf zu nehmen, sofern die Qualität besser wird. Eine politisch gewünschte Beitragsfreiheit würde nach neusten Schätzungen pro Jahr 7,3 Mrd. Euro benötigen und den Qualitätsausbau ausbremsen.