Mit dem Dialogforum „Strukturqualität in Tageseinrichtungen für Kinder" hat Kultusministerin Frauke Heiligenstadt am (heutigen) Montag den Startschuss für den Novellierungsprozess des Niedersächsischen Kindertagesstättengesetzes (KiTaG) gegeben. Auf Einladung der Ministerin hatten sich in Hannover rund 60 Akteurinnen und Akteure aus allen Bereichen der frühkindlichen Bildung zu einem fachlichen Austausch getroffen. Der Teilnahmekreis bestand neben den kommunalen Spitzenverbänden, kirchlichen und privaten Einrichtungsträgern und Bildungsgewerkschaften, auch aus Elterninitiativen sowie den im Niedersächsischen Landtag vertretenen Fraktionen.

Bis zu 700 Erzieherinnen und Erzieher können sich im Rahmen der Qualifizierungsinitiative „Integrative Erziehung und Bildung in Kindertageseinrichtungen" in diesem Jahr zu sozialpädagogischen Fachkräften mit heilpädagogischer Zusatzqualifikation ausbilden lassen. Das Land Niedersachsen hat hierzu sein Fort- und Weiterbildungsangebot ausgebaut und investiert zusätzliche Mittel: Das Niedersächsische Kultusministerium stellt im Jahr 2014 rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, um in Kooperation mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur über die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB) Erzieherinnen und Erzieher zu Fachkräften für die inklusive Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen auszubilden.

Über Erziehungspartnerschaft und die richtige Kommunikation zwischen Eltern und Kita


Eltern und Erzieherinnen wollen eigentlich dasselbe: das Beste für das Kind. Dennoch kommt es in dieser Erziehungspartnerschaft immer wieder zu Missverständnissen und Problemen, die dieses gemeinsame Ziel gefährden. Wie die richtige Kommunikation eine solche Erziehungspartnerschaft stärkt und damit für alle Beteiligten hilfreich ist, erklärt die Kommunikationsexpertin Ulrike Lindner.

Einblicke in neue Forschungsergebnisse und Praxisansätze für die Arbeit mit Kindern unter drei bot der restlose ausgebuchte nifbe-Kongress „Die Chancen der ersten Jahre“ im Osnabrücker Schloss. Im Fokus stand dabei auch die Frage, wie das neue Wissen aus der Forschung denn tatsächlich in die Praxis von Aus- und Weiterbildung, Fachberatung und KiTa gelangen und dort in Handeln umgesetzt werden kann.
Die Ergebnisse und Perspektiven des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) standen im Mittelpunkt eines Hintergrundgesprächs des GRÜNEN-Landtagsabgeordneten Volker Bajus mit nifbe-Direktorin Prof. Dr. Renate Zimmer und Geschäftsführer Reinhard Sliwka.

Diesjährige Preisträger kommen aus Hamburg, Nordrhein-Westfalen (NRW), Rheinland-Pfalz (RLP) und Schleswig-Holstein


Inklusion ist aktuell eine der größten schulpolitischen Aufgaben. Seit im Jahr 2009 in Deutschland die UN-Behindertenrechts-Konvention in Kraft getreten ist, nach der alle Kinder das Recht auf den Besuch einer Regelschule haben, setzen die Bundesländer den gemeinsamen Unterricht in immer größerem Maße um. Die Herausforderungen, die das gemeinsame Lernen an die Schulen stellt, sind dabei groß. Denn jeder Schüler – ob mit oder ohne Behinderung – soll individuell bestmöglich gefördert werden. Dass etliche Schulen dies bereits schaffen, zeigt der Jakob Muth-Preis, mit dem seit 2009 Schulen ausgezeichnet werden, die vorbildlichen inklusiven Unterricht anbieten. Dieses Jahr erhalten drei Einzelschulen – aus Hamburg, Ingelheim (RLP) und Neunkirchen-Seelscheid (NRW) – und ein Schulverbund aus Schleswig-Holstein den Preis. Er ist verbunden mit einem Preisgeld von jeweils 3.000 Euro für die Einzelschulen und 5.000 Euro für den Verbund.
In einem Interview der aktuellen ZEIT  (4-2014) kritisiert der Münchener Kinderpsychiater und Psychoanalytiker  Karl Heinz Brisch einen Ausbau der deutschen Krippenplätze „auf niedrigstem Niveau“. Während internationale Studien einen Betreuungsschlüssel von 1:3 empfehlen, seien in deutschen Krippen Betreuungsschlüssel zwischen  1:6 und 1:8 die Realität. Zusätzlich verschärft werde die Situation durch viele Teilzeitstellen und Schichtdienste, so dass Kinder in der Krippe „wirklich auf hoher See [sind] was emotionale Bindungen, Beziehungen und Sicherheit angeht“. Eine „24-Stunde-Krippe“ wertete er in dieser Hinsicht als „eine Katastrophe“.

Neben einem deutlich besseren Personalschlüssel fordert der Bindungs- und Erziehungs-Experte auch eine „gezielte Ausbildung von ErzieherInnen für den Frühkindbereich“, der ganz besondere Anforderungen gerade im Hinblick auf emotionale Entwicklung und Sicherheit  verlange. Grundsätzlich bescheinigte Brisch den ErzieherInnen in der Krippe eine hohe Motivation, doch sie bräuchten für ihre anspruchsvolle Aufgabe „Begleitung, Supervision, bessere Arbeitsbedingungen […] sowie ein würdiges Gehalt.“

Qualitativ hochwertige Krippe als Schutzfaktor

Unter der Voraussetzung eines sehr guten Personalschlüssels  und einer sehr guten ErzieherInnen-Ausbildung könne die Krippe auch unsichere Bindungserfahrungen von Kindern aus belasteten Familien kompensieren: Wenn Kinder in der Krippe „drei Jahre lang eine sichere Bindung erleben, nehmen sie das als Schutzfaktor für den Rest des Lebens mit“.

Die für eine bessere Betreuung notwendigen Investitionen bewertet Brisch als „Klacks, wenn man vorausschauend denkt […]. Wir haben sonst die Kinder später in der Therapie, aber da muss man viel mehr investieren, um neue emotionale Erfahrungen im Gehirn zu verankern. […] Wenn wir vorbeugend früh das Geld ausgeben würden, dann hätten wir Renditen wie sonst nirgendwo.“

Fachbeitrag zum Personalschlüssel

Homepage Karl Heinz Brisch

Neue Studie der Katholischen Hochschule NRW


Eine umfangreiche Studie zu den Berufsbelastungen von Erzieherinnen hat Professor Johannes Jungbauer von der Katholischen Hochschule NRW Aachen durchgeführt und fast 850 Erzieherinnen zu den speziellen Belastungen ihres Berufes befragt.


Das Ergebnis der Untersuchung ist alarmierend, denn viele Erzieherinnen und Erzieher sind extrem Burnout-gefährdet. Stressquelle Nummer eins der Berufsbelastungen für Erzieherinnen ist die mangelhafte Personalausstattung in den Einrichtungen. Das hat zur Folge: Zu große Gruppen, ein unzureichender Betreuungsschlüssel, Zeitdruck und Mehrarbeit wegen erkrankter Kolleginnen.

Weitere Stressoren im Kita-Alltag sind der Geräuschpegel in den Gruppenräumen und die umfangreichen Dokumentationspflichten. Kinder mit deutlichen Disziplinproblemen, einem zusätzlichen Betreuungs- und Förderbedarf und Verhaltensauffälligkeiten stellen ebenfalls starke Berufsbelastungen der Erzieherinnen dar. Viele der befragten Erzieherinnen beklagten auch die überhöhten Ansprüche mancher Eltern oder deren Neigung, Erziehungs- und Bildungsaufgaben an die Kita zu delegieren.

Die Studie zeigt aber auch, dass trotz aller Berufsbelastungen Erzieherinnen ihren Job lieben. Schwierige Kinder bewerten sie zwar als anstrengende Herausforderung, viel größeren Stress aber bereiten ihnen zu große Gruppen und gleichzeitig zu wenig Mitarbeiterinnen.

Trotz aller Belastungen lieben ErzieherInnen ihren Job

Je größer die Berufsbelastungen der Erzieherinnen und Erzieher sind, desto stärker sind ihre gesundheitlichen Beschwerden. Bei ihnen liegen die Werte für die Verdachtsdiagnose Burnout deutlich über dem Normwert. Fast ein Fünftel der befragten Personen (18,9 Prozent) leidet sogar unter sehr starken beruflichen Stressbelastungen und gilt damit als Hochrisiko-Gruppe für Burnout. Und fast 15 Prozent der Befragten gaben an, unter deutlichen bis starken psychosomatischen und psychischen Beschwerden zu leiden. „Die von uns analysierten Daten zeigen, dass bei hoher Stressbelastung auch die Betreuungsqualität leidet“, mahnt Prof. Jungbauer. „Strukturell mangelhafte Arbeitsbedingungen, z.B. im U3-Bereich, gehen damit letztlich auf Kosten der Kinder.“

Ein gesundheitsförderlicher Kita-Arbeitsplatz zeichnet sich aus durch ein realistisches, zu bewältigendes Arbeitspensum; ausreichend Zeit für die Kinder; eine angemessene Gruppengröße in Abhängigkeit vom Alter der betreuten Kinder; angemessene Möglichkeiten für Pausen und Erholung sowie tragfähige Lösungen bei Personalausfall. Prof. Jungbauer sieht die Politik hier in der Pflicht: „Schließlich geht es um die Zukunft unserer Kinder.“

Quelle: Pressemitteilung der Katholischen Fachhochschule NRW
Psychomotorische Förderung stärkt das Selbstvertrauen von Kindern. Mit diesem Ergebnis schließt die Forschungsstelle Bewegung und Psychomotorik des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) an der Universität Osnabrück seine Studie zur Wirkung psychomotorischer Förderung ab. Die Studie legt offen, dass bestimmte Bereiche des kindlichen Selbstkonzepts durch die Förderung positiv beeinflusst werden. Hierzu zählen beispielweise die Bereiche Selbstsicherheit, körperliche Effizienz und der Umgang mit Ängsten.
Mit dem Schulbeginn kommt es besonders darauf an, richtig sprechen zu können. Doch immer mehr Kinder haben damit Probleme. Vor allem Jungen brauchen vor dem Schulbeginn Unterstützung: 2012 war jeder vierte Sechsjährige in sprachtherapeutischer Behandlung. 2007 lag der Anteil erst bei etwa 20 Prozent. Das berichtet der aktuelle Heilmittelbericht 2013 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). "Wir beobachten, dass Jahr für Jahr mehr Kinder für eine gesunde, altersgerechte Entwicklung vorübergehend therapeutische Unterstützung brauchen", sagte Helmut Schröder, stellvertretender WIdO-Geschäftsführer.