„Eine gute Bildung ist eine inklusive Bildung, die keinen Menschen ausschließt und bemüht ist, allen Kindern die Möglichkeit der vollen sozialen Teilhabe am gemeinsamen Leben zu geben. Inklusive Bildungseinrichtungen sind durch eine Kultur gekennzeichnet, die durch Anerkennung und Wertschätzung von Unterschiedlichkeit und durch die Bereitstellung von Angeboten für alle Kinder auf ihren jeweiligen Entwicklungsständen geprägt ist.“

Mit einer Resolution für eine gute inklusive Bildung ist der 8. Kongress „Bewegte Kindheit“ in Osnabrück zu Ende gegangen. Verlesen von Kongressausschuss-Mitglied Dr. Heinz Hundeloh von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen stieß diese auf große Zustimmung der rund 3.000 KongressteilnehmerInnen.

Die insgesamt fünf Punkte der Resolution umfassen ebenso pädagogische Grundpositionen zu einer inklusiven, gesundheitsfördernden und bewegten Bildung wie auch bildungspolitische Forderungen zu einer Verbesserung der Rahmenbedingungen:

 „Eine zeitgemäße und qualitativ gute Bildung gibt es nicht zum Nulltarif. Sie benötigt ausreichende Ressourcen, d.h. Geld und gut qualifiziertes Personal.  Diese Ressourcen muss die Politik auf der Bundes-, Landes- und Kommunalebene so schnell wie möglich im erforderlichen Umfang zur Verfügung stellen, wenn man die einzige Ressource, die Deutschland hat, nämlich Bildung nicht Preis geben will.“


Standing Ovations für Inklusives Musical
Neben der Resolution und einem Film mit Impressionen der drei Tage sorgte auf der Abschlussveranstaltung des Kongresses insbesondere auch ein Ausschnitt aus dem inklusiven Musical „Magic Journey“ der „Patsy- & Michael-Hull-Foundation“ für Begeisterung und Standing Ovations des Publikums. Unter dem frisch-fröhlichen Motto „Gemeinsam werden wir das Schiff schon schaukeln“  sangen, tanzten und stepten Mädchen und Jungen, Frauen und Männer, Große und Kleine, Menschen mit und ohne Handycaps gemeinsam auf der Bühne und versinnbildlichten ein ganz selbstverständliches und unverkrampftes Miteinander.

Zusammen mit zahlreichen Vorträgen, Seminaren und Workshops zum Thema InklusionInklusion|||||Inklusion beinhaltet eine wertschätzende Haltung in Bezug auf Diversität und Vielfalt in der Bildung und Erziehung. Heterogenität wird als normale Gegebenheit der Gesellschaft gesehen, und es geht darum den Rahmen und das Umfeld, dieser Heterogenität anzupassen und zu gestalten. Inklusion bezieht sich auf alle heterogenen Eigenschaften in einer Gesellschaft und wird nicht vorranging auf das Thema Migration oder Behinderung bezogen. trug das Musical zu einer Haltung bei, die Unterschiedlichkeit und Vielfalt tatsächlich als Chance und Ressource in Bildungsprozessen ansieht. Eine solche Haltung wurde neben den notwendigen Rahmenbedingungen wie verbesserte Personalschlüssel und multiprofessionelle Teams als entscheidende Grundvoraussetzung für eine gelingende Inklusion deutlich. Deutlich wurde aber auch, dass auf dem Weg zu einer wirklich inklusiven Pädagogik erst die ersten Schritte getan sind und dass auch Grenzen realistisch ins Auge gefasst werden müssen (s.a. unseren Beitrag "Bewegte Kindheit" gibt Schwung für Inklusion").

Zum Abschluss wurden auch Kongressleiterin Prof. Dr. Renate Zimmer und ihr Team einmal mehr mit Standing Ovations für ein inhaltlich hochkarätiges Programm und einen organisatorisch reibungslosen Ablauf gefeiert. In zwei Jahren wird voraussichtlich Anfang März der 9. Kongress „Bewegte Kindheit“ stattfinden - und viele der diesjährigen KongressteilnehmerInnen werden sich dann wiedersehen und die von Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Dr. Gabriele Heinen-Kljajic so benannte „Erfolgsgeschichte“ des Kongresses fortschreiben.

abschluss-3Mit Standing Ovations wurde das Kongress-Team rund um Prof. Dr. Renate Zimmer (ganz links) gefeiert



Resolution im Wortlaut

Die vom 8. Kongress "Bewegte Kindheit" verabschiedete Resolution hat folgenden Wortlaut:
 

1.    Eine gute Bildung ist eine gesundheitsförderliche Bildung. Wer eine gute Qualität der Kindertageseinrichtungen und Schulen fordert, muss die Gesundheit in den Bildungseinrichtungen fördern. Mit ausgebrannten und überlasteten Erzieherinnen , Erziehern und Lehrkräften und mit Kindern, die sich in ihrer Haut immer häufiger nicht wohlfühlen, kann eine hohe Qualität der Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen vielleicht kurzfristig, aber sicherlich  nicht dauerhaft  erreicht werden. Erforderlich sind Rahmenbedingungen,  ist  eine Lern- und Arbeitswelt, sind Strukturen und Prozesse, die nicht belasten, sondern die pädagogische Arbeit unterstützen.

 

2.    Eine gute Bildung ist eine bewegte Bildung, die der physischen Dimension, also Bewegung, Sport und Spiel, aber auch Tanz, Theater und Musik einen hervorgehobenen Stellenwert einräumt. Bewegung ist die Basis kindlicher Bildungsprozesse. Sie muss deswegen als Prinzip des Lernens den Alltag der Kindertageseinrichtungen und Schulen durchdringen. Sie darf nicht nur Gegenstand spezieller Bewegungsangebote, wie zum Beispiel des Sportunterrichts, sein, sondern muss Bestandteil aller Lernprozesse in den Kindertageseinrichtungen und Grundschulen sein.

 

3.    Eine gute Bildung ist eine inklusive Bildung, die keinen Menschen ausschließt und bemüht ist, allen Kindern die Möglichkeit der vollen sozialen Teilhabe am gemeinsamen Leben zu geben. Inklusive Bildungseinrichtungen sind durch eine Kultur gekennzeichnet, die durch Anerkennung und Wertschätzung von Unterschiedlichkeit und durch die Bereitstellung von Angeboten für alle Kinder auf ihren jeweiligen Entwicklungsständen geprägt ist. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass Kinder mit Beeinträchtigungen die gleichen Bedürfnisse nach Liebe, Geborgenheit, Anerkennung, Autonomie und Wertschätzung wie Kinder ohne Beeinträchtigungen haben. Sie haben aber einen höheren und vielleicht auch anderen Bedarf an Unterstützung, um diese Bedürfnisse befriedigen zu können. Inklusive Bildung ist in enger Verbindung mit übergreifenden Werten wie Gleichheit, Partizipation und gesellschaftlicher Teilhabe sowie Respekt vor Vielfalt und Nachhaltigkeit zu sehen. Inklusion bedeutet aus dieser Perspektive, aktiv gegen Diskriminierung, Benachteiligung und Exklusion einzutreten und beschreibt damit einen dauerhaften Entwicklungsauftrag für eine inklusive Bildungseinrichtung.

Aber:  Inklusion darf aber nicht um der Inklusion willen sein – sie würde sonst auf dem Rücken der Kinder und des pädagogischen Personals umgesetzt werden. Notwendig sind gute Konzepte und eine entsprechende personelle, räumliche und sächliche Ausstattung.

 

4.    Eine zeitgemäße und qualitativ gute Bildung gibt es nicht zum Nulltarif. Sie benötigt ausreichende Ressourcen, d.h. Geld und gut qualifiziertes Personal.  Diese Ressourcen muss die Politik auf der Bundes-, Landes- und Kommunalebene so schnell wie möglich im erforderlichen Umfang zur Verfügung stellen, wenn man die einzige Ressource, die Deutschland hat, nämlich Bildung nicht Preis geben will. Diese Erfordernisse für eine gelungene Bildung  sind jedoch noch nicht in den Köpfen aller Verantwortlichen – Dienstherren wie Politiker – angekommen. Bisher wird eher versucht, die notwendigen Ressourcen klein zu reden. Diese Ressourcen von der Politik einzufordern, muss deshalb eine vorrangige Aufgabe aller Institutionen und Organisationen, aber auch Personen sein, die sich der Bildung und dem Allgemeinwohl verpflichtet fühlen oder Verantwortung dafür tragen.

 

5.       Eine gute Bildung gibt es nicht ohne das Engagement des pädagogischen Personals in den Kindertageseinrichtungen und Schulen, denn sie sind die Gestalter des pädagogischen Alltags und die Organisationsentwickler ihrer Einrichtungen.  Dieses Engagement ist nicht zuletzt auch deshalb wichtig, weil wir nicht davon ausgehen können,  dass  sich die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so schnell und grundlegend ändern, wie es nötig wäre.   Es ist unwahrscheinlich, dass  z.B. von politischer Seite die personalen und finanziellen Ressourcen im erforderlichen Umfang kurzfristig aufgestockt werden und dass Eltern aller sozialer Gruppen realisieren, wie notwendig eine drastische Reduktion des Fernsehkonsums oder eine Reduzierung ihres Ehrgeizes im Hinblick auf den Bildungserfolg ihrer Kinder ist.