ErzieherInnen und Internet - Auszüge einer Bachelor Arbeit

Inhaltsverzeichnis

  1. ErzieherInnen und Internet - Auszüge einer Bachelor Arbeit
  2. „ErzieherInnen und Internet“ – passt das eigentlich zusammen?
  3. Umgang mit Unsicherheiten beim Wissensaustausch
  4. Gender-Aspekt bei der Gestaltung von Internet-Foren
  5. Aufteilung der gesamten Bachelor-Arbeit
  6. Literaturangaben

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Vom Internet halten sich die meisten ErzieherInnen noch immer fern. Zum einen fehlen Internet-Anschlüsse am Arbeitsplatz, zum anderen verunsichert die ungewohnte Art der Interaktion die mehrheitlich weiblichen Nutzer in Bildungseinrichtungen. Doch Politik wie Gesellschaft stellen ErzieherInnen vor große Herausforderungen, die nur mit professionellem Wissensaustausch zu bewältigen sind: Professionelle Lerngemeinschaften, die online in Communities und in Foren über den herkömmlichen Austausch hinaus gehen, gelten als Schlüssel. Sabine Reiher, Studentin im Lehramt Berufsbildende Schulen Sozialpädagogik an der Leuphana Universität Lüneburg, beschreibt in den folgenden Auszügen ihrer Bachelor-Arbeit (2008) die Chancen des Themas „Wissensaustausch im Berufsfeld von ErzieherInnen durch die anforderungsgerechte Gestaltung eines berufsspezifischen Internet-Forums“.


Wissensanforderungen an ErzieherInnen

Zum Berufswissen von ErzieherInnen gehören Wissensbestände unterschiedlichster Art. Für die erfolgreiche berufliche Tätigkeit sind Informationswissen, Regelwissen und Handlungswissen sowie Wissen über Nichtwissen notwendig. In der pädagogischen Tätigkeit mit Mädchen und Jungen müssen ErzieherInnen zudem neues Wissen kommunizieren und vermitteln sowie erwerben und anwenden. In diesem Interaktionsprozess ist auch immer das Selbst der Handelnden involviert. Zudem läuft dieses Handeln in Institutionen/ Organisationen ab, in denen sich Wissen gebildet hat und Strukturen verfestigt sind. Auch die Gesellschaft formuliert in Bezug zu aktuellen Problemlagen und politischen Entwicklungszielen entsprechende Anforderungen an die Tätigkeiten im Berufsfeld von ErzieherInnen. Diese werden nach einer Beschreibung des Berufsfeldes anhand der Aussagen des 12. Kinder- und JugendberichteKinder- und Jugendberichte||||| Der Kinder- und Jugendbericht, der alle 4 Jahre erscheint wurde erstmals 1965 veröffentlicht, seitdem gibt es 13 der Berichte. Der Kinder- und Jugendbericht wird von einer beauftragten ExpertInnenkommission verfasst und von der Bundesregierung schriftlich herausgegeben. Ziel ist es auf der Basis des Wissens- und Erkenntnisstandes zukunftsweisende und realistische Handlungsoptionen für Politik und Gesellschaft zu erarbeiten, die in den politischen Gestaltung miteinbezogen werden kann. Der 13. Kinder- und Jugendbericht trug als Titel: Bericht über gesundheitsbezogene Prävention und Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe.  s des Bundesministeriums kurz dargestellt. Da für das geforderte Handeln auch neues Wissen benötigt wird, um neues bewusstes zielgerichtetes Handeln zu ermöglichen, entsteht die Frage, wer die Wissensträger sind und wie das benötigte Wissen durch Wissensaustausch sinnvoll verteilt und weiterentwickelt werden kann.


Aktuelle Herausforderungen im Berufsfeld von ErzieherInnen


Laut der Bundesagentur für Arbeit wird der ErzieherIn-Beruf den Berufsfeldern „Berufe in Erziehung, Schule und Ausbildung“ sowie „Berufe mit Kindern und Jugendlichen“ zugeordnet. Die Mehrzahl der Beschäftigten im Berufsfeld sind Frauen (2007= 96,3 Prozent) (Bundesagentur für Arbeit 2008: BERUFENET, ErzieherIn). ErzieherInnen sind die mit Abstand größte Einzelberufsgruppe im Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe. Sie stellen damit nach quantitativen Aspekten den substanziellen Kern sozialpädagogischer Fachlichkeit in der Kinder- und Jugendhilfe dar. Von Wissensaustausch im Berufsfeld von ErzieherInnen durch die anforderungsgerechte Gestaltung eines  berufsspezifischen Internet-Forums Am 31. Dezember 2002 zählte die Bundesrepublik knapp 280.000 ErzieherInnen, deren  Tätigkeitsbereich sich so verteilen:


• 86 Prozent in Kindertageseinrichtungen
• 9,1 Prozent im Bereich der erzieherischen Hilfen
• 2,3 Prozent in der Kinder- und Jugendarbeit

Das berufliche Handeln von ErzieherInnen ist hauptsächlich durch die pädagogische Arbeit mit Kindergartenkindern geprägt (vgl. Behr 2006: 83f). Hier wäre zudem noch das recht junge und sich entwickelnde Tätigkeitsfeld der Ganztagsschulen beziehungsweise der offenen Ganztagsschulen zu ergänzen. Das Berufsfeld von ErzieherInnen ist demnach von verschiedenen Anforderungen geprägt. Der Schwerpunkt liegt insbesondere im Bereich der Arbeit in Kindertagesstätten. Unbedingt ist dabei zu berücksichtigen, dass das Berufsfeld direkt im Bezug zu aktuellen Problemlagen und zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklungen steht und dementsprechend viele Hoffnungen und Erwartungshaltungen damit verbunden sind. 

Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung greift mit den Empfehlungen des Arbeitsstabes Forum Bildung (2001) aktuelle Herausforderungen auf. Im Blick auf den Vergleich mit anderen Ländern, den anhaltenden Strukturwandel in allen Lebens- und Arbeitsbereichen, der rasanten Vermehrung von Wissen und den damit verbunden Chancen und Risiken wird zu tiefgreifenden Reformen aufgerufen, an deren Realisierung ErzieherInnen wesentlich beteiligt sind Im 12. Kinder- und Jugendbericht werden die Anforderungen an ErzieherInnen folgendermaßen formuliert:

„Zudem werden durch die aktuelle Bildungsdebatte weitgehende Forderungen an den Beruf der Erzieherin beziehungsweise des Erziehers formuliert; unter anderem sollen Erzieherinnen und Erzieher die Sprachentwicklung der Kinder effektiver begleiten, die lernmethodische Kompetenz fördern, naturwissenschaftliche Kenntnisse vermitteln, individuelle Bildungs- und Lernprozesse vor dem Hintergrund einer wachsenden Vielfalt von Entwicklungsbedingungen und Familienstrukturen anregen und begleiten, zielgruppenorientierte Familienangebote organisieren und Eltern-Netzwerke unterstützen, partnerschaftliche Beziehungen zu Eltern aufbauen, an der Entwicklung einer Einrichtungskonzeption mitwirken, Verbindungen zu den Grundschulen herstellen und entsprechende Formen der Zusammenarbeit entwickeln, sich mit verschiedenen Ansätzen der Qualitätsentwicklung und Evaluation auseinandersetzen und diese für die eigene ProfessionalisierungProfessionalisierung|||||Eine Professionalisierung findet im weiteren Sinne statt wenn die Entwicklung einer privat oder ehrenamtlich ausgeübten Tätigkeit zu einem  Beruf wird. Im Rahmen der Professionalisierung werden häufig Qualitätsverbesserungen und Standardisierungen erreicht. Professionalisierung bedeutet auch die Entwicklung eines Berufs zu einer Profession, darunter wird meist ein akademischer Beruf mit hohem Prestige und Anerkennung verstanden.   und die Weiterentwicklung der Einrichtung nutzen.“

Das Anforderungsprofil an ErzieherInnen ist komplex, mehrdimensional sowie diffus und unstrukturiert. Im 12. Kinder- und Jugendbericht wird selbst angemerkt, dass die notwendigen Kompetenzen dafür nicht nur in einer zwei- bis dreijährigen Grundausbildung erworben werden können. Für die Bewältigung und Ausgestaltung der oben genannten umfangreichen Aufgaben ist umfassendes Wissen der PraktikerInnen notwendig, welches nicht nur theoretisch verfügbar sein kann, sondern auch – in Form von internalisierten handlungsleitenden Konzepten – situationsbezogen im Handeln realisiert werden muss. Dabei ist zu fragen, wie vorhandene Wissensressourcen genutzt und den Anforderungen entsprechend weiterentwickelt werden können. Welche Möglichkeiten zur Unterstützung bietet der Wissensaustausch in einem berufsbezogenen Internet-Forum für ErzieherInnen im Kontext dieser Anforderungen?

 



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