Humor als Ressource für Resilienz

Humor ist, wenn man trotzdem lacht (Otto Julius Bierbaum)


Immer wieder – schon im Kindesalter – sehen wir uns im alltäglichen Leben konfrontiert mit Krisen, dem eigenen Versagen oder Scheitern. Das Wichtige dabei ist nicht in erster Linie, was oder ob etwas schief geht, denn darauf haben wir in der Regel ohnehin wenig Einfluss, sondern wie wir damit umgehen. Als Gestalter unseres eigenen Lebens haben wir die Wahl – wir können den Kopf in den Sand stecken und uns selbst bemitleiden, oder aber versuchen, auch dann das Bestmögliche aus der Situation zu machen, wenn das Leben es gerade nicht besonders gut mit uns meint.

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Ein Schlüssel zu mehr Gelassenheit in schwierigen oder problematischen Situationen ist Humor. Wer eine humorvolle Grundhaltung einnimmt, vermag den Niederlagen des Lebens mit geringerer innerlicher Anspannung zu begegnen. Humor hilft dabei, die eigene Fehlertoleranz zu steigern. Wir lernen, die Dinge aus einer inneren Distanz heraus und somit aus einem neuen Blickwinkel zu sehen und schaffen dadurch die Möglichkeit, neue, uns bislang unbekannte Lösungswege zu gehen. Humor ist demzufolge eine Bewältigungsstrategie. Wer seinen Humor trainiert – so meine These – fördert damit auch die ResilienzResilienz|||||Resilienz kann als "seelische Widerstandsfähigkeit" verstanden werden mit der Fähigkeit Krisen zu meistern und diese als Anlass für Selbstentwicklungen zu nutzen. In der Resilienzförderung geht es speziell darum die Widerstandsfähigkeit von Kindern und Erwachsenen in belasteten und risikobehafteten Lebenssituationen durch schützende Faktoren zu entwicklen, zu ermutigen und zu stärken. Ein verwandter Begriff ist der der Salutogenese. , also die psychische Widerstandskraft.

In diesem Beitrag werde ich zunächst den Humor als Begrifflichkeit definieren sowie einen kurzen Einblick in die Themenbereiche Humor als Ressource und Humor als soziale Kompetenz geben. Auch auf die Frage nach der Erlenbarkeit von Humor soll eingegangen werden. Im Anschluss daran wird Resilienz definiert, wobei ich das Modell der sieben Säulen der Resilienz dieser Arbeit zugrunde lege. Nach einem Einblick in die Möglichkeit der Resilienzförderung werde ich den Humor und die Resilienz miteinander in Verbindung bringen und dabei auf die sieben Säulen der Resilienz eingehen.

Humor – eine Definition

Eine einheitliche Definition zu der Begrifflichkeit „Humor“ ist in der Literatur nicht existent. Auch der Blick in ein Wörterbuch bietet verschiedene Definitionsansätze. So heißt es:

(1) Humor = „heiteres Wesen“ (thefreedictionary.com)
  • Hier wird Bezug genommen auf die Wesenszüge eines Menschen. Humor ist demnach eine Charaktereigenschaft. Laut der Persönlichkeitstheorie nach Sigmund Freud wird „der Charakter (die Persönlichkeit) eines Menschen [...] entscheidend durch die individuelle Verarbeitung der frühkindlichen Entwicklungsphasen bestimmt“ (Asendorpf 2007, S. 19). Die frühkindliche Entwicklung und das soziale Umfeld, in dem ein Kind aufwächst, sind demnach entscheidend dafür, wie sich der Charakter entwickelt. Dieser, so Freud, sei ab dem dritten Lebensjahr weitgehend konstant. Andere Persönlichkeitstheorien besagen allerdings, dass die Persönlichkeit zeitlebens Entwicklungen und Veränderungen durchlaufe (vgl. Asendorpf 2007, S. 318).


(2) Humor = „die Fähigkeit, Unangenehmes und alltägliche Schwierigkeiten gelassen und heiter zu betrachten“ (thefreedictionary.com)
  • Durch diese Definition wird Humor als eine Haltung der Gelassenheit und Heiterkeit bezeichnet. Gefühle der Ernüchterung oder aber der situativ bedingten Traurigkeit können wir nicht gänzlich vermeiden, aber wir sind frei darin, uns von derartigen Gefühlen zu lösen und optimistisch und hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen. Wenn wir unsere Fehler annehmen, können wir eine wertschätzende Atmosphäre schaffen, um den nächsten Herausforderungen gelassener aber auch mutiger zu begegnen.


(3) Humor = „die Fähigkeit, Witze zu machen und zu verstehen“ (thefreedictionary.com)
  • Hiermit ist der sogenannte Sinn für Humor gemeint. Der individuelle Sinn für Humor, das heißt, worüber wir lachen, wird geprägt durch die Kultur, in der wir leben beziehungsweise aufwachsen und die Familie. Die Sozialisation ist hier von großer Bedeutung (vgl. Gilmore 2007, S. 21).


Zu unterscheiden sind ganz klar verschiedene Ausdrucksformen von Humor. Humor als eine Form der Lebensbejahung und Wertschätzung anderer Perspektiven basiert immer auf Respekt und Empathie. Ziel kann und darf es nicht sein, über jemanden, sondern mit jemandem zu lachen.

Humor als Ressource

Humor ist eine wertvolle Ressource – eine Grundhaltung, die es ermöglicht, festgefahrene Denk- und Handlungsmuster aufzubrechen und neue Lösungsansätze zu durchdenken (vgl. Holtbernd 2002, S. 63). Wo Dinge „aus dem Ruder laufen“, Situationen anders ausgehen als erwartet, etwas misslingt, entsteht oft ein Gefühl der Hilflosigkeit. Schnell sieht sich der Betroffene in der Opferrolle, engt sich dadurch ein und erzeugt die eigene Handlungsunfähigkeit. Der Humor hilft dabei, den Blickwinkel zu ändern, denn er ermöglicht eine Wahrnehmung der Situation aus einer inneren Distanz heraus. Diese Distanz ist Voraussetzung dafür, die Opferrolle zu verlassen und das Geschehen selbst zu lenken.

Wichtig sind dabei die innere Einstellung und der eigene Anspruch an sich selbst. Humor respektiert den Menschen mit all seinen Ecken und Kanten. Er hilft dabei, den Perfektionismus beiseite zu schieben und unsere Fehlertoleranz uns selbst und anderen gegenüber zu erhöhen. Humor als Haltung der Gelassenheit ist also nicht nur eine äußerst wirksame Coping-Strategie (Bewältigungsstrategie, to cope with something = etwas bewältigen) sondern auch eine Lebenshaltung, die durch Freude und Lebendigkeit geprägt ist. Humor akzeptiert das Kind in uns und ermöglicht uns eine liebevolle Selbstrelativierung. Dadurch erlangen wir die Freiheit, so sein zu dürfen, wie wir sind (vgl. Gilmore 2007, S. 19).

Humor als Lebenshaltung ist nicht nur eine Ressource in der Lebensbewältigung, sondern auch eine soziale Kompetenz, die es uns erleichtert, auf andere Menschen zuzugehen und auf schwierige Situationen beziehungsweise Gespräche reagieren zu können.

Humor als soziale Kompetenz

Laut Effinger ist Humor besonders geeignet, um ,,[...] verkrampfte Situationen auf[zu]lösen und zu mehr Verständnis und Verständigung bei[zu]tragen“ (Effinger 2008, S. 33). Humor ist immer auch verbunden mit Empathie und einem liebevollen Anerkennen von Schwächen. Wenn es möglich ist, über Missgeschicke zu lachen, nimmt dies der Situation die Ernsthaftigkeit und die Spannung. So gesehen ist Humor eine Möglichkeit, anderen Menschen mit weniger hohen Ansprüchen zu begegnen. Er hilft dabei, sich einander zu öffnen und anzunehmen. So lassen sich auch Konflikte auf spielerische Weise lösen, festgefahrene Strukturen aufbrechen und neue Perspektiven finden.

Ebenso für das eigene Selbstwertgefühl ist eine humorvolle Gelassenheit förderlich. Wer seine Grenzen wohlwollend anerkennt und lernt, sich selbst so zu nehmen, wie er ist, kann die eigene Fehlertoleranz erhöhen und wird somit Enttäuschungen weniger häufig und weniger intensiv erleben. Doch wie verhält es sich mit dem Humor? Ist es möglich, eine humorvolle Haltung anzunehmen, obwohl man nicht „von Haus aus“ humorvoll ist?

Humor – genetisch bedingt oder erlernbar?

Einleitend muss zu dieser Frage gesagt werden, dass sie bislang noch nicht ausreichend erforscht wurde. Daher ist hier die Beantwortung nur ansatzweise möglich. Der Sinn für Humor ist eine Charaktereigenschaft. Und der Charakter eines Menschen sei, so heißt es oft, ein Zusammenspiel von biologischer Anlage und biographischer Erfahrung. Allerdings besagt die Persönlichkeitspsychologie, dass für die Entwicklung von Persönlichkeit kein Schema von Ursache und Wirkung existiert, sondern eine gewissen Ursache lediglich als Risikofaktor für eine bestimmte Wirkung verstanden werden dürfe (vgl. Asendorpf 2007, S. 333).

Persönlichkeitseigenschaften beruhen immer auf mehreren Bedingungen und sind immer auch abhängig von persönlichen DispositionDisposition|||||Wörtlich gemeint ist damit sowohl eine Anordnung von Material, als auch die  physische und psychische Verfassung, Anlage, Empfänglichkeit zum Beispiel zum Lernen. en. Das schließt auf eine Veränderbarkeit der Persönlichkeit und lässt den Schluss zu, dass Eigenschaften, wie zum Beispiel der Sinn für Humor, während des Lebens veränderbar beziehungsweise erlernbar sind. Verschiedene Humorforscher und -trainer untermauern diese These. So spricht zum Beispiel Gilmore in seinen Werken über die Entwicklung von Humor. Er geht davon aus, dass man eine humorvolle Haltung trainieren und somit direkt die eigene Lebensqualität beeinflussen kann.

Resilienz – eine Definition

„Der Begriff Resilienz leitet sich von dem englischen Wort ,,resilience“ (Spannkraft, Elastizität, Strapazierfähigkeit; lat. „resilere“ = abprallen) ab und bezeichnet allgemein die psychische Widerstandsfähigkeit [...]“ (BZgA 2009, S. 19).

Die Resilienzforschung bezieht sich meist auf die psychische Widerstandskraft von Kindern und Jugendlichen. Studien konnten belegen, dass selbst Kinder, die unter gefährdenden Lebensumständen aufwachsen, einen positiven Entwicklungsverlauf aufweisen können. Daraus ergeben sich gänzlich neue Sichtweisen für die Präventionsforschung. Resilienz beschreibt eine positive Bewältigung von Belastungen und Krisensituationen durch Zurückgreifen auf vorhandene personale, familiäre und soziale Ressourcen (vgl. Richter-Kornweitz 2011, S. 246).

Diesen Ressourcen oder auch Schutzfaktoren, welche die Resilienz stärken, stehen Risikofaktoren gegenüber, welche die Resilienz schwächen. Dies können umgebungsbezogene oder aber kindbezogene Faktoren sein (vgl. BZgA 2009, S. 22). Ein Risikofaktor hat immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine negative Entwicklung zur Folge. Ob er die Entwicklung beeinträchtigt, hängt von vielen weiteren Aspekten ab. Eine Rolle spielen hierbei die Anhäufung und die Dauer von Belastungen, die genaue Abfolge der Ereignisse sowie Alter, Entwicklungsstand und Geschlecht des Kindes und das jeweils persönliche Erleben der Situation (vgl. BZgA 2009, S. 50).

Das Vertrauen in die eigene Bewältigungskompetenz wird gestärkt durch die sieben Säulen der Resilienz (vgl. Rampe 2010, S. 14 ff). Sie bestehen nebeneinander, bedingen und ergänzen sich gegenseitig. Alle sind Bestandteil erfolgreicher Coping-Strategien und für die Herausbildung und Stärkung der Resilienz bedeutend und daher von nahezu gleicher Wichtigkeit.

Grafik Humor
Abbildung 1: Die sieben Säulen der Resilienz


Resilienzförderung

Die Förderung von Resilienz hängt zusammen mit der Stärkung von Selbstwirksamkeit. Zur Stärkung der Resilienz ist es wichtig, sich der eigenen Ressourcen bewusst zu werden und in Krisen darauf zurückgreifen zu können (vgl. Rampe 2010, S. 13). Dies sind zwei wichtige Bestandteile der Resilienzförderung. Eine große Rolle spielen hierbei die Erwartungen, die man daran setzt, eine schwierige Situation aus eigener Kraft meistern zu können. Erwartungen hängen wiederum stark von Erfahrungen ab. Insofern hat die Kindheit und die soziale Umwelt, in der wir aufwachsen, großen Einfluss auf die Resilienz. Deshalb ist es besonders wichtig, schon im Kindesalter, genauer gesagt, so früh wie möglich, die Resilienz zu fördern.

Neben der Selbstwirksamkeit, also der Erfahrung, dass eigenes Handeln zum Erfolg führen kann, sind die Selbstwahrnehmung und die Selbstkontrolle entscheidend. Empfindungen und Gefühle sowie Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen, aber auch Unsicherheit und Kritik ertragen können, Misserfolge realistisch einzuschätzen und Verantwortung zu tragen, erfordern ein hohes Maß an Selbstreflexion (vgl. Jaede 2007, S. 36 ff). Damit ein Kind dies lernen und Bewältigungsstrategien erproben und entwickeln kann, braucht es eine gute Balance zwischen Unterstützung und Freiraum, zwischen einer gesicherten Vertrauensgrundlage und der Ermutigung zur eigenen Initiative (vgl. Werner 2011, S. 45).

Aber nicht nur im Kindesalter, sondern auch noch in späteren Lebensphasen ist es möglich, die eigene psychische Widerstandsfähigkeit zu stärken. Dazu ist es wichtig, seine Ressourcen zu kennen und auf diese in Krisenzeiten zurückzugreifen. Auch ist es möglich, Ressourcen weiter auszubilden und verschiedene Haltungen, wie zum Beispiel die sieben Säulen der Resilienz, zu schulen.


Der Zusammenhang von Humor und Resilienz

Resilienz, die innere Widerstandskraft, zeigt sich dort, wo Krisen auftauchen. Je resilienter jemand ist, desto leichter fällt es ihm, schwierige Lebensphasen zu bewältigen. Auch Humor ist eine Ressource, die es ermöglicht, Krisen zu bewältigen. Laut Gilmore ist „das Lachen [...] eine Kraft, die uns hilft, mit den Herausforderungen des Lebens und mit den Hindernissen des Alltags besser fertig zu werden“ (Gilmore 2007, S. 8). Humor ist eine Haltung der Gelassenheit. Lachen befreit und verhilft uns, eine weniger festgelegte Haltung einzunehmen. Fehler können so besser akzeptiert und auch reflektiert werden. Wir lernen dadurch, anders mit Enttäuschungen umzugehen. Auch für die Resilienz ist es wichtig, nicht starren Bewältigungsstrategien zu folgen, sondern immer auch bereit zu sein, Neues zu versuchen, um den Widrigkeiten des Lebens zu begegnen.

Humor verhilft zu einem wohlwollenden Anerkennen eigener Grenzen. Wer lernt, sein eigenes Scheitern nicht mehr ganz so ernst zu nehmen, fördert die eigene Fehlertoleranz und damit die innere Gelassenheit. Ein positives Selbstkonzept, so heißt es bei Holtbernd weiter, hilft uns dabei, Belastungen besser ertragen zu können. Humor kommt „im Umgang mit bedrohlichen Situationen eine protektive Funktion zu“ (Holtbernd 2002, S. 69 f). Holtbernd spricht sogar von „Humor-Coping“ als „Bewältigungshumor“, der sich positiv auf die Bewältigung von Stresssituationen auswirkt (vgl. Holtbernd 2002, S. 70).

Humor und die sieben Säulen der Resilienz

Die sieben Säulen der Resilienz stehen allesamt in direktem Zusammenhang mit der Grundhaltung Humor.

Optimismus, als erste Säule, setzt sich bewusst mit dem Erlebten auseinander. Optimistische Menschen nehmen die Gegebenheiten an, geben aber die Hoffnung an eine positive Wendung des Geschehens nicht auf (vgl. Rampe 2010, S. 34). Somit wird ein Verharren in Niedergeschlagenheit und Selbstmitleid verhindert. Effinger sagt: „Humorvolle Menschen sind gutmütige Optimisten mit einer positiven Einstellung zu sich und zum Leben“ (Effinger 2008, S. 33). Humor fördert also den Optimismus nicht nur, Humor bedeutet gar optimistisch zu sein. Mit Humor lassen sich die Gegebenheiten positiv „umbewerten“. Eine humorvolle Haltung hilft dabei, die Misserfolgstoleranz zu erhöhen.

Lösungsorientierung als weitere Säule der Resilienz ist zukunftsorientiert und lenkt den Blick auf mögliche Lösungen. Dazu ist es besonders wichtig, Ziele zu formulieren, denn „wer seine Ziele nicht kennt, kommt nirgends an“ (Rampe 2010, S. 105). Die gesteckten Ziele müssen realistisch sein. Außerdem ist es oft hilfreich, sich leichter erreichbare Teilziele zu stecken. Zu hoch gesteckte Ziele nehmen uns den Mut und das Vertrauen in die Realisierbarkeit. Dabei ist es von besonderer Wichtigkeit, selbst an sich zu glauben. Nur so ist es möglich, den ersten Schritt zu wagen und irgendwann ans Ziel zu kommen. Eine Bewältigungsstrategie, die uns dabei hilft, den Widrigkeiten des Lebens zu begegnen, ist der Humor. Humor hilft uns dabei, festgefahrene Strukturen und Denkmuster in Frage zu stellen und fördert Eigeninitiative und Kreativität beim Entdecken und Erproben neuer Lösungsmodelle.

Handlungsfähig ist nur, wer sich selbst als Handelnder sieht. Das Verlassen der Opferrolle also ist für die Bewältigung von Schwierigkeiten und die Stärkung der Resilienz unabdingbar. In der Opferrolle liegen wir – bildlich gesprochen – auf dem Boden und die Sorgen und Probleme ragen in den Himmel hinauf, gerade wie unbesiegbare Riesen (vgl. Rampe 2010, S. 142). Deshalb ist ein Perspektivwechsel nötig, um die Situation vollständig zu überblicken. Humor kann uns hierbei unterstützen, die Situation neu zu bewerten. „Eine Humorvolle Bewertung einer negativen Erfahrung“, so Effinger, „gibt einem das Gefühl, [...] mit einer gewissen Autonomie den Widrigkeiten des Lebens als Selbsthandelnder [...] zu begegnen“ (Effinger 2008, S. 20).

Sich bewusst mit Schwierigkeiten und möglichen Bewältigungsstrategien auseinander zu setzen, bringt die Notwendigkeit der Akzeptanz des Geschehenen mit sich. Auch wenn Niederlagen oft zuerst ein Gefühl der Rat- und Hilflosigkeit auslösen, so ist es wichtig, sich der Realität zu stellen, Gefühle zuzulassen und zu akzeptieren, dass jedes Hoch sowie auch jedes Tief Teil unseres Lebens sind. Humor ist eine Grundhaltung, die uns dabei hilft, dem Scheitern den Beigeschmack der Katastrophe zu nehmen sowie uns und andere mit all unseren beziehungsweise ihren Fehlern zu akzeptieren. So hat Humor immer auch etwas zu tun mit Empathie und einer wohlwollenden Haltung (vgl. Gilmore 2007, S. 132). Akzeptanz allerdings heißt nicht, etwas wehrlos hinzunehmen, sondern sich der Realität zu öffnen (vgl. Rampe 2010, S. 75). Dazu muss auch eine Bewertung der Realität stattfinden. Eine innere Distanz, welche der Humor uns hilft einzunehmen, ermöglicht es uns, trotz eigener Involviertheit, die Lage aus einer Außenperspektive zu betrachten und so zu reflektieren.

Eine weitere Säule ist die Verantwortung. Verantwortung übernehmen meint, sich des eigenen Handelns und Zutuns in einer Situation bewusst zu werden und die Konsequenzen für das zu tragen, was man getan oder eben nicht getan hat. Mit Humor fällt dies leichter, da er uns hilft, gelassener zu werden, und fortan unser Scheitern nicht mehr aus einem allzu ernsten Blickwinkel heraus zu betrachten. Eine Haltung, die von Humor geprägt ist, vermag es, die Grenzen, die unser Denken, Fühlen und Handeln einengen, zu durchbrechen (vgl. Gilmore 2007, S. 140). Verantwortung tragen heißt auch, aktiv zu werden und zu handeln. Dafür dass unsere Bedürfnisse erfüllt werden, dass unsere gesteckten Ziele sich verwirklichen lassen und dass Lebenskrisen sich zum Guten wenden, tragen wir die Verantwortung. Wir sind die Gestalter unseres eigenen Lebens.

Ein in die Zukunft gerichteter Blick beinhaltet die aktive Zukunftsplanung, eine weitere Säule der Resilienz. Zukunftsplanung meint hier sowohl Zielorientierung als auch ein Auseinandersetzen mit möglicherweise auftretenden Schwierigkeiten. Flexibilität im Denken und Handeln ist eine Ressource, die uns dabei hilft, Alternativen zu durchdenken und umzusetzen. Wer in zu starren Handlungsmustern verharrt, gerät ins Wanken, sobald gewohnte Lösungsstrategien nicht funktionieren oder Unvorhergesehenes die Situation verändert. Humor hilft uns, flexibler mit den Anforderungen des Lebens umzugehen, uns von starren Bewältigungsstrategien zu lösen und dem „Ver-rückten“ einen Platz einzuräumen.

Die siebte und gleichermaßen bedeutende Säule ist die Netzwerkorientierung. Soziale Netzwerke, ob Familie, Freunde, oder gar professionelle Helfer, die in der Krisenbewältigung ausgesprochen hilfreich sein können, da sie oftmals den Bewältigungs- und Lösungsprozess unterstützend vorantreiben, zählen zu den sozialen Ressourcen. Humor als soziale Kompetenz ist besonders geeignet, um Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Humor oder auch allein ein Lächeln wirken auflockernd und sympathisch, ein aufrichtiges Lachen konfliktbegrenzend und besänftigend. Außerdem ist Lachen ansteckend. Es wird reflektorisch ausgelöst und unterliegt deshalb nicht der Kontrolle unseres Verstandes. Deshalb springt es so schnell von einem auf den anderen Menschen über. „Sozial bewirkt das Lachen eine Verbindung mit Gleichgesinnten, den Abbau von Aggressionen untereinander, es fallen Barrieren und Kontakte sind leichter möglich“ (Holtbernd 2002, S. 31).


Resilienzförderung durch Humor

Ob ein Mensch resilient ist oder nicht, zeigt sich vor allem in Krisensituationen und daran, wie er mit Krisen umgeht. Charakteristisch für eine Krise ist die Problematik, dass mit den bisher verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten keine Lösungen gefunden werden können. Eine Krise erfordert also immer auch ein Umdenken und die Bereitschaft, neue Lösungsstrategien zu erarbeiten und umzusetzen. Dieses Umdenken wird durch eine humorvolle Grundhaltung erleichtert, denn Humor regt die Kreativität an, aktiviert Entscheidungsprozesse und provoziert einen Perspektivwechsel (vgl. Holtbernd 2002, S. 18).

Sind wir fähig, ein Geschehen von verschiedenen Standpunkten aus zu sehen, gewinnen wir an Vielfältigkeit im Denken. Dort, wo wir es schaffen, über eigene Grenzen hinaus zu gehen, entsteht Resilienz. Das Konzept der Resilienz besagt, dass kein Schicksal durch bestimmte Ereignisse, Risiken oder auch Krisen festgeschrieben ist, sondern wir als Gestalter unseres eigenen Lebens immer auch die Wahl haben, welchen Weg wir gehen, wie wir das Leben bewerten und was wir somit aus unserem Leben machen. Resilienz zeigt sich vor allem dort, wo Menschen gewissen Risikofaktoren ausgesetzt sind und trotzdem eine positive Entwicklung vollziehen. Von ganz elementarer Bedeutung ist dabei das „Trotzdem“. Auch Humor zeichnet sich nicht dadurch aus, dass das Leben „glatt läuft“ und es immer und überall Grund zur Fröhlichkeit und zum Lachen gibt, sondern eben und gerade dadurch, dass man sich auch von negativen Geschehnissen, Fehlern oder Missgeschicken die Laune nicht gänzlich verderben lässt. „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“

Das Lachen an sich scheint Kindern erheblich leichter zu fallen als uns Erwachsenen. Die Welt der Erwachsenen ist oft geprägt von Vernunft und Rationalität, wird stark reglementiert und unterliegt klaren und oft hohen Anforderungen, während Kinder noch viel freier, ungezwungener und oft auch spielerischer agieren. Sie haben eine große Neugierde in sich und sind interessiert daran, die Welt zu entdecken. Auch die Freude am Leben ist bei ihnen oft größer als bei den Erwachsenen, die vieles schon kennen, die Dinge schon festgelegt haben und die eigenen Grenzen bereits spüren konnten. Humor entsteht an den Grenzen unserer Erfahrung, so Gilmore. Er vermutet, dass Kinder deshalb so häufig lachen, weil sie immer wieder an ihre Grenzen stoßen (vgl. Gilmore 2007, S. 138). Doch ein Kind geht anders mit diesen Grenzen um als die meisten Erwachsenen. Es verspürt die Lust darauf, über Grenzen hinweg zu gehen und stellt diese immer wieder in Frage, testet sie auch gegenüber den Erwachsenen immer wieder aus. Humor verlangt also auch nach Mut, festgefahrene Denkstrukturen aufzubrechen, einseitige Denkweisen aufzulockern und neue Perspektiven zu finden.


Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Humor eine Ressource ist, die uns dabei unterstützt, den Herausforderungen des Lebens und den Hindernissen des Alltags gelassener zu begegnen. Lachen befreit, führt zu einer inneren Distanz und einer höheren Misserfolgstoleranz und hilft somit bei der Bewältigung schwieriger und krisenhafter Lebensereignisse.

Die Frage, ob der Humor unsere Resilienz fördere, lässt sich meines Erachtens mit einem klaren Ja beantworten. Sicherlich ist es nicht der Humor allein, der Einfluss auf die Entwicklung der Resilienz hat. Doch wird deutlich, wie der Humor die sieben Säulen der Resilienz, die für deren Ausprägung als voraussetzend anzusehen sind, fördern kann und damit direkten Einfluss auf den Aufbau unserer Resilienz nimmt. Dabei ist es besonders bedeutend, Humor als Haltung der inneren Gelassenheit zu verstehen. „Humor ist kein isoliertes Tun, sondern in die Lebenskunst eingebunden und insofern Ausdruck einer Lebenseinstellung“ (Holtbernd 2002, S. 96).


Literatur

  • Asendorpf, J. B. (2007): Psychologie der Persönlichkeit (4. Auflage), Heidelberg.
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) (2009): Schutzfaktoren bei Kindern und Jugendlichen – Stand der Forschung zu psychosozialen Schutzfaktoren für Gesundheit, Köln.
  • Effinger, H. (2008): Gleichgewicht halten – Er(n)ste Gedanken zwischen den Ambivalenzen und Paradoxien Sozialer Arbeit. In: Effinger, H. (Hrsg.): Die Wahrheit zum Lachen bringen – Humor als Medium der Sozialen Arbeit. Weinheim und München.
  • Gilmore, D. (2007): Der Clown in uns – Humor und die Kraft des Lachens. München.
  • Holtbernd, T. (2002): Der Humor-Faktor – Mit Lachen und Humor das Leben erfolgreich meistern. Paderborn.
  • Jaede, W. (2007): Kinder für die Krise stärken – Selbstvertrauen und Resilienz fördern. Freiburg im Breisgau.
  • Rampe, M. (2010): Der R-Faktor – Das Geheimnis unserer inneren Stärke. Frankfurt am Main.
  • Richter-Kornweitz, A. (2011): Gleichheit und Differenz – die Relation zwischen Resilienz, Geschlecht und Gesundheit. In: Zander, M. (Hrsg.): Handbuch Resilienzförderung. Wiesbaden.
  • thefreedictionary.com (http://de.thefreedictionary.com/Humor (Zugriff am 29.09.2016).
  • Werner, E. E. (2011): Risiko und Resilienz im Leben von Kindern aus multiethnischen Familien. In: Zander, M. (Hrsg.): Handbuch Resilienzförderung. Wiesbaden.


Übernahme des Beitrag mit freundlicher Genehmigung aus frühe kindheit 5-2016, S. 37 -41


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