Kindern Partizipation ermöglichen

Expertise von Annedore Prengel zu einer inklusiven Pädagogik in der Kita

Fast alle Kinder im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt besuchen in Deutschland eine Kita. Als Bildungsorte gewinnen die Einrichtungen daher an Bedeutung, auch bei der Aufgabe, Chancengerechtigkeit in einer heterogenen Gesellschaft zu gestalten. Doch was bedeutet Bildungsteilhabe in der Kita und wie können junge Kinder dort Einfluss nehmen? Die Erziehungswissenschaftlerin und InklusionInklusion|||||Inklusion beinhaltet eine wertschätzende Haltung in Bezug auf Diversität und Vielfalt in der Bildung und Erziehung. Heterogenität wird als normale Gegebenheit der Gesellschaft gesehen, und es geht darum den Rahmen und das Umfeld, dieser Heterogenität anzupassen und zu gestalten. Inklusion bezieht sich auf alle heterogenen Eigenschaften in einer Gesellschaft und wird nicht vorranging auf das Thema Migration oder Behinderung bezogen.s-Expertin Annedore Prengel ist im Auftrag der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFFWiFF|||||WiFF ist ein Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Robert Bosch Stiftung und des Deutschen Jugendinstituts e.V. Die drei Partner setzen sich dafür ein, im frühpädagogischen Weiterbildungssystem in Deutschland mehr Transparenz herzustellen, die Qualität der Angebote zu sichern und anschlussfähige Bildungswege zu fördern.) diesen Fragen nachgegangen. In ihrer soeben veröffentlichten Publikation „Bildungsteilhabe und Partizipation in der Kita“ (Download unten) zeigt sie die Ergebnisse ihrer Analysen sowie Bausteine für eine inklusive Pädagogik und Partizipation im Elementarbereich auf.

Politikbezogenes Partizipationskonzept kritisch beleuchtet

Oft wird Partizipation in Kindertageseinrichtungen mit dem frühen Einüben demokratischer Entscheidungsprozesse in Verbindung gebracht: Verfahrensweisen aus der Politik erscheinen auf den ersten Blick geradezu prädestiniert dafür. Doch inwiefern eignen sich Gremienstrukturen tatsächlich, Partizipation in Kindertageseinrichtungen anzuregen? Diese Frage beleuchtet die emeritierte Professorin Annedore Prengel in ihrer Expertise kritisch. Ihr zufolge sind solche Partizipationsmodelle zwar originell, bergen aber unter anderem das Risiko, das Thema „Macht“ dauerhaft in den Fokus zu rücken.

Elementare Partizipationsformen stärker berücksichtigen

Gerade die elementaren Partizipationsformen würden hingegen oft unterschätzt, betont Prengel, sei es das Freispiel, die Freiarbeit, das Liedspiel oder auch das Kreisgespräch. Zentral ist bei diesen partizipativen, oft reformpädagogisch geprägten Praktiken die Entscheidungsfreiheit: über Spiele, die Auswahl des Materials, die gewählte Rolle sowie den Gesprächsbeitrag. Diese sind „in ihrer teilweise bestechenden Einfachheit klassisch zu nennen“, wie Prengel schreibt. Sie zu vernachlässigen, wäre ein großer „Verlust im pädagogisch-kulturellen Gedächtnis“.

Die Expertise beschränkt sich nicht auf ein bestimmtes Partizipationskonzept, sondern stellt verschiedene Formen der Partizipation in Kindertageseinrichtungen vor. Bei aller Vielfalt ist ihnen eines gemeinsam: Damit sie Früchte tragen, müssen drei kinderrechtliche Voraussetzungen erfüllt sein – Schutz vor allen Formen der Gewalt, Zugang zu einem Bildungsangebot und Teilhabe.


Bausteine für inklusive Pädagogik und Partizipation

Davon ausgehend benennt Prengel in ihrer Expertise fünf Bausteine für inklusive Pädagogik und Partizipation im Elementarbereich, die miteinander verwoben sind:

  • die institutionelle Ebene, die beispielsweise externe Kooperationen sowie interne Gestaltung, etwa in Form einer demokratischen Kita-Ordnung, umfasst
  • die professionelle Ebene, auf der multiprofessionelle Teams kontinuierlich den partizipativen Ansatz der Einrichtung pflegen
  • die Beziehungsebene, auf der jedes Kind die Chance hat, Beziehungen zu einer Kita-Fachkraft und zu anderen Kindern einzugehen und zu pflegen
  • die didaktische Ebene, die obligatorisches und fakultatives Lernen sowie eine alltagsnah beobachtende Diagnostik umfasst
  • die finanzielle und bildungspolitische Ebene, die vor allem die personelle Versorgung und Ausstattung sowie die Förderung partizipativer Strukturen und professioneller Kompetenzen betrifft

Über Publikation und Autorin


Prengel, Annedore (2016): Bildungsteilhabe und Partizipation in Kindertageseinrichtungen, Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, WiFF Expertisen, Band 47. München. kostenlos bestellen und herunterladen

In einem Video erklärt die Autorin, was Teilhabe und Partizipation in der Kita bedeuten und welche unterschiedlichen Formen Partizipation annehmen kann.