Fachkräftemangel und Qualifikationsfrage

Der Personalmangel in der Kindertagesbetreuung als Chance, die Qualifikationsfrage radikaler zu stellen

Inhaltsverzeichnis

  1. Fachkräftemangel und Qualifikationsfrage
  2. Ausbildungsmodell muss verändert werden
  3. Seiteneinsteiger sind mehr als ein Notbehelf
  4. Die Frage nach der Sicherung der erforderlichen Qualität
  5. Literatur
  6. Fußnoten
  7. Veröffentlichungsnachweis

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Über das Ausmaß des absehbaren Personalmangels in der Kindertagesbetreuung gibt es im Detail diskussionswürdige, im Gesamtblick klare Prognosen. Schon der Fachkräftebedarf zur Realisierung des Rechtsanspruchs für u3-Kinder wird von Schilling auf knapp 54.600 Personen geschätzt. Unter Berücksichtigung altersbedingter Personalabgänge und Rückgänge im Betreuungsbereich der 3-6jährigen prognostiziert er bis 2013 deutschlandweit einen Gesamtbedarf von knapp 77.000 Personen. (Schilling, S.2).

Die gegenwärtigen Ausbildungskapazitäten können diesen Bedarf nicht annähernd decken. Selbst unter Einbeziehung der angenommenen Ausbildungs-Überkapazitäten in den östlichen Bundesländern wird ein Fehlbedarf von 25.000 Personen geschätzt. (Ebd. S. 6)

Wie man auch einzelne Prognoseannahmen bewertet, über ein paar tausend benötigte Erzieherinnen und Erzieher mehr oder weniger lohnt es sich kaum zu streiten. Der absehbare Fehlbedarf ist in jedem Fall massiv.[1] Dabei ist noch nicht einmal der in den Bundesländern mehr oder weniger starke Personalbedarf durch Personalschlüsselverbesserungen, durch die erforderliche Ausweitung von Betreuungszeiten und durch die Entwicklung angemessener Angebote für Kinder im Schulalter berücksichtigt.

Selbst wenn die in den vergangenen Jahren auf dem Niveau von jährlich 15.000 Absolventinnen und Absolventen stagnierenden Ausbildungskapazitäten an Fachschulen in den westlichen Bundesländern[2] deutlich erhöht würden und die Ausbildungskapazitäten an Fachhochschulen ausgeweitet würden, könnte der Bedarf nicht annähernd gedeckt werden.[3] Das allein ist wohl ein hinreichender Grund nicht allein „mehr-desselben“ zu fordern, sondern über weitere Lösungen nachzudenken.

Daneben gibt es allerdings eine Reihe weiterer Gründe; Gründe, die schon in der Vergangenheit aus der Fachdiskussion hätten entwickelt werden können und müssen: