Bewegungsbaustelle

als elementardidaktisches Prinzip einer bewegten Kitakultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Bewegungsbaustelle
  2. Die Idee der Bewegungsbaustelle
  3. Begründungszusammenhänge
  4. Bewegung als Schutzfaktor
  5. Bedeutung für pädagogische Handlungsfelder
  6. Bewegte KiTa-Kultur
  7. Fazit
  8. Literatur

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Veränderte Kindheit – Veränderte Kinder?


Die physische und sozial-emotionale Entwicklung von Kindern steht seit einigen Jahren auch im öffentlichen Blickpunkt. Wiederholt wird dabei auf die Auswirkungen einer sich verändernden Kindheit verwiesen, die sich in erhöhtem Medienkonsum und mangelnden Bewegungserfahrungen aufgrund veränderter Spielräume und –möglichkeiten äußere und mit erheblichen gesundheitlichen Folgen einhergehe (vgl. Eggert 1997). Mit bekannt werden der Ergebnisse der bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitsstudie des Robert-Koch-Instituts in Berlin (2007) erhält diese Darstellung eine empirischempirisch|||||Empirie bezeichnet wissenschaftlich durchgeführte Untersuchungen und Erhebung, die gezielt und systematisch im Forschungsfeld oder im Labor durchgeführt werden. Empirische Forschungen können durch verschiedene Methoden praktisch angewendet werden.e Basis. Demnach bestimmt die Herkunft eines Kindes nicht nur über seinen Bildungserfolg, sondern in hohem Maße auch über seine gesundheitlichen, sozialen und emotionalen Entwicklungschancen. Die bundesweit repräsentative, umfassende Untersuchung zur gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen in Deutschland identifizierte insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status als Risikogruppen: Sie sind stärker betroffen von psychischen und physischen Entwicklungsgefährdungen als Kinder aus Elternhäusern mit einem hohen sozioökonomischen Status. Da der Grundstein für Bildungsprozesse im frühen Kindesalter gelegt wird, erhalten Kindertageseinrichtungen die anspruchsvolle Aufgabe der Herstellung positiver Entwicklungsbedingungen, wenn dies in der Familie aufgrund der Überlagerung mit vielfältigen Problemlagen (wie zum Beispiel Armut) nicht ausreichend erfüllt werden kann. Untersuchungen von Tietze (1998) weisen in diesem Zusammenhang auf die kompensatorischen Möglichkeiten von Kindertageseinrichtungen hin, mit denen Risikofaktoren für eine gesunde Entwicklung minimiert und die Ressourcen eines Kindes identifiziert und unterstützt werden können. 

Bezogen auf eine alltagsintegrierte Präventionsarbeit und Unterstützung von Bildungsprozessen bietet das Konzept der  Bewegungsbaustelle in diesem Zusammenhang Möglichkeiten einer präventiv ausgerichteten Erziehung und Bildung, welche die Bewegungs- und Raumgestaltung als integralen Bestandteil des Alltags von Kindertageseinrichtungen und konstruktives Element von Lernen und Leben verortet. Das Potenzial der eigenständigen Erschließung von Bewegungsräumen durch Kinder im Sinne von Selbstbildungsprozessen (vgl. Schäfer 2005) soll im vorliegenden Beitrag anhand der Darstellung des Konzepts der Bewegungsbaustelle illustriert werden.