Entwicklung von Qualitätsstandards am Beispiel integrativer KiTas

Einblick in das Münchener Projekt QUINK

Obwohl das Angebot integrativer Krippen in Deutschland erst seit Kurzem auf Basis der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention Schwerpunkt-Thema geworden ist, bestehen integrative Einrichtungen beispielsweise in München seit zehn Jahren. Unter dem Titel „Qualitätsstandards in integrativen Kinderkrippen (QUINK)„ aus der Reihe KiTa FachtexteKiTa Fachtexte|||||Das Portal “KiTa Fachtexte” (www.kita-fachtexte.de) ist eine Kooperation der Alice Salomon Hochschule, der FRÖBEL-Gruppe und der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). KiTa Fachtexte unterstützt Lehrende und Studierende an Hochschulen, Fachschulen und in der Weiterbildung und Fachkräfte in Krippen und Kitas in ihrer Arbeit. Hier finden Sie wissenschaftliche Fachtexte zur Arbeit mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren, die in frühpädagogischen Studiengängen eingesetzt werden können und einen Praxistransfer ermöglichen. fasst Dr. Ulrich Heimlich, Professor für Lernbehinderten-Pädagogik an der Universität München, das Projekt QUINK und die daraus resultierenden Standards zusammen.

Heimlich geht davon aus, dass behinderte und nicht behinderte Kinder von Anfang an in einer Gruppe spielen und lernen sollen. Gerade im gemeinsamen Spiel treffen Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Interessen und Fähigkeiten sowie individuellem Förderbedarf aufeinander: „Alle Kinder sind beteiligt, bringen ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten mit ein, begegnen einander und machen gemeinsam neue Erfahrungen, an denen alle teilhaben und zu denen alle etwas beitragen können. Das ist der Kern inklusiver Bildung: Teilhaben und Beitragen müssen dazu für alle Kinder erfahrbar sein (vgl. Heimlich 2003).“ Damit werden sie in frühester Kindheit vorbereitet, sich in eine Gemeinschaft (später die Gesellschaft) zu integrieren und als Person in ihr selbständig zu werden.

Vier integrative Krippen vor Ort beteiligten sich 2006 und 2007 im Projekt QUINK an der alltagsnahen Formulierung und Evaluierung von Qualitätsstandards in integrativen Krippen. Ziel war es, aus der Bewertung Rückschlüsse zur Standardisierung in integrativen Einrichtungen zu gewinnen und sie zu unterstützen. Heimlich zeigt das Mehr-Ebenen-Modell für Qualitätsstandards inklusiver Krippen auf:


● "Ebene der Kinder mit individuellen Bedürfnissen und ihre Eltern
● Ebene der integrativen Spielsituation bzw. integrativen Gruppe
● Ebene der multiprofessionellen Teams
● Ebene der inklusiven Kindertageseinrichtung und
● Ebene der externen Kooperation (vgl. Heimlich 2003)“

Laut Heimlich nutzte QUINK unterschiedliche Forschungsmethoden für jede Ebene. Zum einen wurden die vier Einrichtungen mit der Kinderkrippen-Skala (KRIPS-R) evaluiert, teilweise extern (Fremd-Evaluation) oder aber intern durch geschulte MitarbeiterInnen (Selbst-Evaluation). Auf der Skala von 1 (unzureichend) bis 7 (sehr gut) wurden 41 Punkte, unterteilt in sieben Bereiche bewertet: „I. Platz und Ausstattung, II. Betreuung und Pflege der Kinder, III. Zuhören und Sprechen, IV. Aktivitäten, V. Interaktionen, VI. Strukturierung der pädagogischen Arbeit, VII. Eltern und ErzieherInnen. Zusätzliche Merkmale beziehen sich auf die Eingewöhnungsphase und die Einbeziehung der Familie in die pädagogische Arbeit.“ Zum anderen wurden die pädagogischen Fachkräfte (53 Rückläufe) zu 41 Aspekten befragt, Eltern (129 Rückmeldungen) erhielten einen 39-Punkte-Fragebogen.

Gesteigerte Qualität im Vergleich zu Regelgruppen

Die Auswertung der KRIPS-R-Kriterien konstatierte allen vier integrativen Krippen eine gute Qualität, die über der von nicht-integrativen KiTas lag (im Vergleich zu Befragung 2003-2004 in Brandenburg). Auch die Eltern bewerteten die pädagogische Qualität durchweg positiv. Ebenfalls die Auswertung der ErzieherInnen-Befragung zeigte laut Heimlich, dass sie mit den „Ebenen Kinder mit individuellen Bedürfnissen, die integrative Gruppe, die inklusive Kindertageseinrichtung und die externe Unterstützung“ zufrieden waren. Optimierung wünschten sie sich für die Team-Entwicklung und Weiterbildung sowie in der individuellen Ausstattung und Förderung für die Kinder.

Konzeption eines zukunftsweisenden Standards

Auf Grundlage der KRIPS-R-Bewertungen und der Diskussion mit den interdisziplinärinterdisziplinär|||||Unter Interdisziplinarität versteht man das Zusammenwirken von verschiedenen Fachdisziplinen. Dies kann auch als „fächerübergreifende Arbeitsweise“ verstanden werden, z.B wenn Psychologen, KinderärztInnen, ErzieherInnen und Lehrende zusammen an einer Fragestellung arbeiten.en Projekt-Beteiligten aus der Praxis wurde sowohl ein einheitliches Leitbild als auch eine 32-teilige Systematik zur Qualität entwickelt (Mehr-Ebenen-Modell): Eine nach oben hin offene Skala bewertet die Bereiche „Kinder mit individuellen Bedürfnissen, Integrative Gruppe, Multiprofessionelles Team, Rahmenbedingungen der inklusiven Kinderkrippe und Externe Unterstützungssysteme“. Auf „Stufe 1“ der Skala erreichen Einrichtungen eine Mindest-Qualität und sind auf gutem Weg, eine integrative KiTa zu werden. Die QUINK-Standards liegen seither bei allen Neu-Gründungen oder Umstellungen auf integrative Einrichtungen in München zu Grunde.

Mit Heimlich sind sich die beteiligten Einrichtungen einig, „... dass InklusionInklusion|||||Inklusion beinhaltet eine wertschätzende Haltung in Bezug auf Diversität und Vielfalt in der Bildung und Erziehung. Heterogenität wird als normale Gegebenheit der Gesellschaft gesehen, und es geht darum den Rahmen und das Umfeld, dieser Heterogenität anzupassen und zu gestalten. Inklusion bezieht sich auf alle heterogenen Eigenschaften in einer Gesellschaft und wird nicht vorranging auf das Thema Migration oder Behinderung bezogen. als neues Leitbild die pädagogische Arbeit in Kinderkrippen in der Zukunft bestimmen wird (vgl. Booth; Ainscow & Kingston 2006). ... Ein inklusives Bildungssystem, wie es die Behindertenrechtskonvention ... verbindlich fordert, beginnt in jedem Fall bei der inklusiven Kinderkrippe... Allerdings müssen für diese Entwicklungsaufgabe geeig¬nete Rahmenbedingungen zur Verfügung stehen ... Zum „Nulltarif“ ist Inklusion nicht zu haben und als „Sparmodell“ völlig ungeeignet.“

 



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