Spiel und kognitive Entwicklung bei Kindern unter drei

„Was hast du in der Kita gemacht?“, fragen viele Eltern, wenn sie ihre Kinder abholen. „Gespielt“, ist oft die Antwort. Was sich für Erwachsene vielleicht nicht sehr anspruchsvoll anhört, ist für Kinder aber die Basis für vielfältigste Lernprozesse und Kompetenzentwicklung. Dies zeigt die Erziehungswissenschaftlerin Julia Höke in der Reihe KiTa FachtexteKiTa Fachtexte|||||Das Portal “KiTa Fachtexte” (www.kita-fachtexte.de) ist eine Kooperation der Alice Salomon Hochschule, der FRÖBEL-Gruppe und der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). KiTa Fachtexte unterstützt Lehrende und Studierende an Hochschulen, Fachschulen und in der Weiterbildung und Fachkräfte in Krippen und Kitas in ihrer Arbeit. Hier finden Sie wissenschaftliche Fachtexte zur Arbeit mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren, die in frühpädagogischen Studiengängen eingesetzt werden können und einen Praxistransfer ermöglichen. unter dem Titel „Die Bedeutung des Spiels für die kognitive Entwicklung des Kindes“.

Lernen gelingt Höke zufolge „wenn das Erleben von Autonomie, Kompetenz und Angenommensein gewährleistet ist. Gerade in diesen drei Bereichen bietet das Spiel eine gute Ausgangsbasis für Lernprozesse.“ Höke unterstreicht aber auch den Wert des Spiels an sich und beschreibt die Herausforderungen für ErzieherInnen, diesen zu erkennen und für die Entwicklung und Bildung der Kinder zu nutzen.


Wie sich Kinder beim Spielen entwickeln

Die Neurowissenschaften haben in den letzten Jahren gezeigt, wie plastisch das Gehirn der Kinder ist und mit welch rasanter Geschwindigkeit es in Interaktion mit der Umwelt zahlreiche neuronale Verbindungen aufbaut, die gestärkt und entwickelt werden müssen. Das geschieht unter dem Einsatz aller zur Verfügung stehender Sinne durch Ausprobieren, Nachahmen, Wiederholen oder Nachfragen.
Für die Erwachsenen besteht Höke zufolge die zentrale Aufgabe nun darin, “Kindern angemessene und anspruchsvolle Umgebungen zu schaffen, in denen sie sich frei beschäftigen können. In gezielten Beobachtungen des freien Spiels lässt sich erkennen, welche Themen das Kind gerade beschäftigen und wie man es auf seinem Lernweg weiter unterstützen kann.”


Frei, kompetent und geborgen – so lernen Kinder am besten

Als zentralen Momente für erfolgreiches Lernen zählt Höke drei Kriterien auf:

  • Autonomie: Spielt ein Kind selbständig und frei, erfährt es dabei, wie es Dinge verändern und etwas bewirken kann. Dieser Bereich wird auch funktionelles Spiel genannt und beinhaltet das Auseinandernehmen, Zusammenfügen, Befüllen, Leeren mit vielen Wiederholungen. Reglementierung, Ungeduld und Unverständnis der Erwachsenen behindern diesen Schritt.
  • Kompetenz: Im Spiel erfahren Kinder, dass und wie sie etwas schaffen und verstehen können. Ihr Bedürfnis nach dem Verstehen der Umwelt stillen sie mit Fragen, Nachforschen und angemessenen (selbst gewählten) Herausforderungen. Meistern sie diese, erleben sie sich als kompetent und sind bereit für die nächste Aufgabe.
  • Akzeptanz: Der Aspekt des Wohlfühlens in einem Raum und mit einer Person ist ein weiterer Erfolgsfaktor für Lernprozesse: als Rückzugsort oder –person bei Misserfolgen, motivierend und lobend bei Erfolgen. Kinder, die sich geborgen und sicher fühlen, sind offen für Neues und konzentrieren sich besser darauf, neue Umgebungen und Mitspieler zu beobachten und davon zu lernen.

Spielen und Lernen gehen also Hand in Hand, wenngleich Kinder im Spiel nicht explizite Lernziele (Wissen, Anwendung), sondern prozessuale Ziele verfolgen: Informationen sammeln, verarbeiten und darauf aufbauen. Beim Objektspiel beschäftigen sich Kinder mit Gegenständen oder Naturmaterialien. Vor allem im Zusammenspiel und der Führung von Erwachsenen aktivieren sie neue Bewegungsabläufe, z. B. beim Ansetzen einer Tasse oder Ablecken eines Löffels. Beim Als-ob-Spiel oder Symbolspiel geben Kinder Gegenständen ihrer Umgebung und später sich selbst eine eigene Bedeutung. Die Vorstellungskraft und Konstruktion steht über der Realität, die Bedeutung von Handlungen über realen Handlungen.

 

Die ErzieherIn als AnleiterIn und Mit-ForscherIn

Als Anregung für pädagogische Fachkräfte weist die Autorin sowohl auf Raumgestaltung als auch auf die ErzieherIn-Rolle hin: Die Einrichtung sollte sich – für die Kinder erkennbar – in verschiedene Ecken für bestimmte Zwecke aufteilen (laute vs. leise Aktivitäten, Gegenstände, Bedingungen). Aufgabe der ErzieherInnen ist es, in die Anleiter- wie Beobachterrolle zu schlüpfen, sich zurückzuhalten, aber auch eigene Ideen einzubringen, die Interessen der Kinder zu entdecken und das Spiel und individuelle Lernen der einzelnen Kinder anzuregen.



Zum Weiterlesen:

Exploration mit Alltagsgegenständen und Naturmaterialien für Kinder unter drei

Freispiel