Das Niedersächsische Kultusministerium und das Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Universität Hannover haben eine gemeinsame Forschungsstudie gestartet. Durch eine Befragung niedersächsischer Grundschulen und Förderzentren sollen Gelingensbedingungen, bestehende Herausforderungen und Perspektiven für die Weiterentwicklung der inklusiven Schule ermittelt werden. Seit Beginn des Schuljahres 2013/2014 wird die inklusive Schule schrittweise in Niedersachsen eingeführt und umfasst gegenwärtig die Jahrgänge 1, 2, 5 und 6. Um die bislang gewonnenen Erfahrungen zu erfassen, hat das Niedersächsische Kultusministerium einen Kooperationsvertrag zur wissenschaftlichen Begleitung der inklusiven Schule in Niedersachsen mit der Leibniz Universität Hannover geschlossen.


Komplexe Herausforderungen der inklusiven Schule


„Die Aufgabe, allen Schülerinnen und Schülern den Zugang zu einer inklusiven Grundschule zu ermöglichen und sie bestmöglich schulisch und sozial zu fördern, wird von den niedersächsischen Schulen täglich mit großer Kompetenz und Engagement wahrgenommen", sagte die Niedersächsische Kultusministerin bei der Vorstellung der Befragung. „Sie wissen um Erfolge, aber auch um die komplexen Herausforderungen der inklusiven Schule. Für die Planung und Durchführung weiterer Schritte und Maßnahmen zur Entwicklung der inklusiven Schule sind ihre Erfahrungen daher von großer Bedeutung. Wir erhoffen uns konstruktive Rückmeldungen und Impulse, die wir in die weitere Gestaltung einfließen lassen können."


Schwerpunkt des Forschungs- und Entwicklungsprojektes „Inklusive schulische Bildung in Niedersachsen" ist die Untersuchung der Wirksamkeit der sonderpädagogischen Grundversorgung. Alle Klassen an Grundschulen und im Primarbereich der Gesamtschulen erhalten im Zuge der inklusiven Schule zwei Stunden sonderpädagogische Unterstützung je Klasse. Das bedeutet, dass die Zuweisung von Lehrerstunden für diese Schülerinnen und Schüler nicht mehr personen- sondern systembezogen erfolgt. Diese präventiv und unterstützend angelegte Maßnahme in den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung soll einer Stigmatisierung entgegen wirken.
Das bis Ende 2017 angelegte Projekt wird von Herrn Prof. Dr. Rolf Werning und Frau Prof. Dr. Katja Mackowiak vom Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Universität Hannover geleitet und ist in drei Teilstudien gegliedert: Teilstudie 1 umfasst eine Online-Befragung zur aktuellen Umsetzung der inklusiven Bildung, an der alle niedersächsischen Grundschulen teilnehmen können. Nach den Sommerferien wird in der Teilstudie 2 eine Längsschnittuntersuchung an ca. 100 Grundschulen zur Wahrnehmung der inklusiven Bildung und deren Wirksamkeit in den verschiedenen regionalen Integrations-/ InklusionInklusion|||||Inklusion beinhaltet eine wertschätzende Haltung in Bezug auf Diversität und Vielfalt in der Bildung und Erziehung. Heterogenität wird als normale Gegebenheit der Gesellschaft gesehen, und es geht darum den Rahmen und das Umfeld, dieser Heterogenität anzupassen und zu gestalten. Inklusion bezieht sich auf alle heterogenen Eigenschaften in einer Gesellschaft und wird nicht vorranging auf das Thema Migration oder Behinderung bezogen.skonzepten gestartet. In der Teilstudie 3 finden ab Sommer 2015 an ausgewählten Schulen und sonderpädagogischen Förderzentren Interviews und Gruppendiskussionen mit Schulleitungen, Grundschullehrkräften, Sonderpädagoginnen und -pädagogen, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern statt, um vertiefte Einblicke in bestehende Herausforderungen und Gelingensbedingungen für die Weiterentwicklung der inklusiven Bildung zu ermöglichen. Die Teilnahme an der Untersuchung ist freiwillig. Vollständige Anonymität und Datenschutz werden zugesichert.

 

Inklusive Schule „besonnen und verantwortungsvoll" vornehmen


„Die niedersächsische Landesregierung legt großen Wert darauf, die Einführung der inklusiven Schule besonnen und verantwortungsvoll vorzunehmen. Die wissenschaftliche Begleitung unterstreicht unseren professionellen Anspruch an dieses Verfahren", so die Ministerin. Dazu gehöre unter anderem, Entwicklungen genau zu beobachten, Rückmeldungen ernst zu nehmen und für den weiteren Entwicklungsprozess zu berücksichtigen. „Die Einschätzung der Lehrkräfte und Schulleitungen, aber auch die Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern und deren Eltern sind uns dabei sehr wichtig."

 

Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium