Große Ehre für Prof. Dr. Julius Kuhl: Auf der diesjährigen 48. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Bielefeld wurde der Wissenschaftler der Universität Osnabrück und nifbe-Forschungsstellen-Leiter für sein Lebenswerk geehrt. »Es ist für mich eine große Freude, diese Anerkennung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie zu erhalten, die ich auch stellvertretend für meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen annehme, die mit hoher wissenschaftlicher Kompetenz und enthusiastischem Engagement unsere gemeinsame Arbeit voran gebracht haben«, so Prof. Kuhl.

 
Prof. Kuhl begann seine beeindruckende akademische Laufbahn in Bochum unter Prof. Dr. Heinz Heckhausen. Eine weitere wichtige Station auf seinem Weg war der Post-Doc-Aufenthalt an der University of Michigan, gefolgt von einem Jahr am renommierten »Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences« an der Stanford University, wo er einer der jüngsten Wissenschaftler war. Zurückgekehrt nach Deutschland, arbeitete er am Max-Planck Institut für psychologische Forschung in München. 1986 wechselte er auf seine heutige Stelle als Lehrstuhlinhaber der Differentiellen Psychologie und Persönlichkeitsforschung an der Universität Osnabrück.

 

Bereits in seiner Habilitationsschrift hat Prof. Kuhl sich mit dem Zusammenspiel von Kognition und Motivation befasst, zu einer Zeit, als dieses noch weitgehend als antagonistisch betrachtet und in unterschiedlichen Fächern behandelt wurde. Sein Konstrukt der Lage- und Handlungsorientierung spannt einen weiten Bogen über zahlreiche Methoden, Phänomene und Paradigmen hinweg. 2001 erschien das Buch »Motivation und Persönlichkeit: Interaktionen psychischer Systeme«. Darin stellt Prof. Kuhl ein integratives Rahmenmodell der Persönlichkeit vor, das die Interaktion von Kognition, Affekt, Wahrnehmung, Motivation und Verhaltenssystemen prozessanalytisch betrachtet. »In der Psychologie gibt es kaum vergleichbare Rahmentheorien, ebenso wenig auch kaum dynamische Theorien«, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Schneider von der Universität Würzburg, der die Laudatio hielt: »Die von Prof. Kuhl entwickelte Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen vereint beides auf kongeniale und elegante Weise.«

 

Als Leiter der Forschungsstelle Begabungsförderung des Niedersächsischen Instituts für Frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) arbeitet Prof. Kuhl derzeit sehr intensiv daran, individuelle Begabungen und die für ihre Entfaltung wichtigen Selbstkompetenzen frühzeitig breit zu messen und zu fördern. Seine ersten diagnostischen Ansätze für das Kindergartenalter sind sehr innovativ und weisen bereits in eine vielversprechende Richtung. Sie zeigen, dass sich die Beziehung zwischen Erzieherin und Kind nicht nur auf das Wohlbefinden des Kindes, sondern auch auf seine Leistungen auswirken.

 

Prof. Kuhls Publikationsliste umfasst eine große Zahl von Zeitschriften- und Buchbeiträgen, 12 Monographien und fünf herausgegebene Bücher. Diese behandeln neben Persönlichkeitspsychologie, Leistungsmotivation und Handlungskontrolle auch Anwendungen der Osnabrücker Persönlichkeitstheorie (PSI-Theorie), z. B. in der persönlichkeitsorientierten Psychotherapie, der Mitarbeiterförderung, der Begabungsförderung und der Selbstentwicklung im Coaching von Führungskräften. Mit dem Thema der Willensfreiheit ist Prof. Kuhl in den Diskurs mit der Philosophie eingestiegen (z.B. mit Andreas Luckner: »Freies Selbstsein«). In seinem Buch von 2005 »Der kalte Krieg im Kopf« hat er schließlich mit Hilfe der Psychologie die Brücke zwischen Naturwissenschaften und Religion geschlagen.

 

DGPs Kongress 2012 – Foto: S. Freitag, Bielefeld