Die KiTa 2020 stand im Fokus des zweiten Treffens der AG-Praxis des vom Bund geförderten nifbe-Modellprojektes zu „ProfessionalisierungProfessionalisierung|||||Eine Professionalisierung findet im weiteren Sinne statt wenn die Entwicklung einer privat oder ehrenamtlich ausgeübten Tätigkeit zu einem  Beruf wird. Im Rahmen der Professionalisierung werden häufig Qualitätsverbesserungen und Standardisierungen erreicht. Professionalisierung bedeutet auch die Entwicklung eines Berufs zu einer Profession, darunter wird meist ein akademischer Beruf mit hohem Prestige und Anerkennung verstanden.  , Transfer und Transparenz im elementarpädagogischen Praxis- und Ausbildungsfeld“. In ihrer Begrüßung der KiTa-LeiterInnen und FachberaterInnen hob Projektleiterin Maria Thünemann-Albers heraus, dass es ihr Ziel in den anstehenden Reformprozessen sei „der Praxis eine stärke Stimme zu geben“. Es gelte die hier vorhandenen „ungeheuren Erfahrungs- und Wissensschätze zu heben und für die Zukunftsgestaltung nutzbar zu machen.“

Die erste Annäherung an die Vision einer KiTa 2020 erfolgte in der AG Praxis dann anhand von drei Leitfragen, die Prof. Dr. Julia Schneewind von der Hochschule Osnabrück vorstellte und erläuterte:

  • „Welches Berufsbild der Erzieherin kommt für Sie in der Zukunftsvision in zum Ausdruck? Was bedeutet das für die Praxisausbildung sowie für sie als Fachberaterin oder Leitung?“
  • „Wie sähe ein exemplarisches Beispiel für die Kita 2020 aus? Wie würde ich sie mir als Leiterin wünschen, dass sie aussieht?“
  • „Was muss ich in der Ausbildung verändern? Welche Angebote/Unterstützung benötigt eine Leitung im Jahre 2020 für ihre Arbeit?“

Für die Gegenwart stellten die ExpertInnen der AG Praxis zunächst einmal eine deutliche Diskrepanz zwischen den geltenden Rahmenbedingungen und einer stetigen Zunahme der Zielsetzungen, Aufgaben und neuen Herausforderungen in der KiTa heraus – Beispiele waren hier neben den breit gefächerten Bildungsansprüchen an die KiTas das Thema der Integration und InklusionInklusion|||||Inklusion beinhaltet eine wertschätzende Haltung in Bezug auf Diversität und Vielfalt in der Bildung und Erziehung. Heterogenität wird als normale Gegebenheit der Gesellschaft gesehen, und es geht darum den Rahmen und das Umfeld, dieser Heterogenität anzupassen und zu gestalten. Inklusion bezieht sich auf alle heterogenen Eigenschaften in einer Gesellschaft und wird nicht vorranging auf das Thema Migration oder Behinderung bezogen., eine stetig steigende Anzahl von Kindern mit Problemen und Handicaps sowie eine auch dadurch immer stärker erforderliche Elternarbeit. Für die Zukunft äußerten die ErzieherInnen und FachberaterInnen die Befürchtung, dass eine noch größere Flexibilität im Hinblick auf die Betreuungszeiten eingefordert würde und dass die Bildungsansprüche mit immer mehr Reformexperimenten, Programmen und umfangreichen Zertifizierungen und Qualitätsnachweisen oder Plaketten neben der KiTa-Tür verbunden sein würden.

Besserer Personalschlüssel als Herzstück der KiTa 2020

Als Herzstück einer KiTa der Zukunft markierten die AG-TeilnehmerInnen einen besseren Personalschlüssel, so dass genügend Zeit für jedes einzelne Kind und dessen situative Spielideen vorhanden sei. Im Mittelpunkt der täglichen Arbeit müsse die individuelle Begleitung und Förderung der Kinder und ihrer vielfältigen Begabungen stehen. An ihren Bedürfnissen und Wünschen gelte es sich konsequent zu orientieren.

Für die KiTa 2020 wünschte sich die AG Praxis auch  „ErzieherInnen aus Berufung“. Entscheidend für diesen Beruf sei die Haltung und die Bereitschaft lebenslang zu lernen. In diesem Sinne wurde vor Ausbildungsbeginn ein Jahr Praxis und ein differenzierter Aufnahmetest an den Fachschulen für sinnvoll erachtet. Die Fachschulausbildung selber müsste deutlich verbessert und praxistauglicher werden – insbesondere im Hinblick auf methodisch-didaktisches Wissen oder Projektentwicklung und Selbstmanagement. Für die zukünftige KiTa seien auch eine spezialisierte Ausbildung für die Bereiche Krippe, Kindergarten und Hort sowie passgenaue Qualifizierungsmaßnahmen für Leitungen erforderlich. Im Hinblick auf die AbsolventInnen von elementarpädagogischen Studiengängen forderten die TeilnehmerInnen bessere Kenntnisse des Praxisfeldes und die verstärkte Vermittlung grundlegender Fähigkeiten und Fertigkeiten auch für den Gruppendienst.

Nach dieser ersten gemeinsamen Annäherung an das Thema bekamen die TeilnehmerInnen der AG Praxis noch 30 Thesen zur KiTa 2020 vorgelegt, die innerhalb einer vorgegeben Skala zu bewerten waren. Die Ergebnisse der AG Praxis fließen nun ein in die Entwicklung des Bausteins KiTa 2020 für das Modellprojekts Professionalisierung. Die KiTa 2020 stelle, so Prof. Dr. Julia Schneewind, „sozusagen die ‚Ziellinie‘ aller Bemühungen innerhalb der Professionalisierung des Feldes dar.“ Im Hinblick darauf unterstrich Maria Thünemann-Albers noch einmal abschließend „die gestaltende Kraft von Visionen und die Durchsetzungskraft neuer Ideen“.