Mit einem enthusiastischen und inspirierenden Vortrag über die „Philosophie der Learning Stories“ zog Wendy Lee, Direktorin des neuseeländischen „Educational Leadership Project“, die Zuhörerinnen und Zuhörer an der Hochschule Koblenz in ihren Bann. Rund 300 Personen waren der Einladung des Fachbereichs Sozialwissenschaften und des Instituts für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit|Rheinlad-Pfalz (IBEB) gefolgt, um an diesem Abend von Neuseeland lernen zu können.

Mit einem enthusiastischen und inspirierenden Vortrag über die „Philosophie der Learning Stories“ zog Wendy Lee, Direktorin des neuseeländischen „Educational Leadership Project“, die Zuhörerinnen und Zuhörer an der Hochschule Koblenz in ihren Bann. Rund 300 Personen waren der Einladung des Fachbereichs Sozialwissenschaften und des Instituts für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit|Rheinlad-Pfalz (IBEB) gefolgt, um an diesem Abend von Neuseeland lernen zu können.

Der Präsident der Hochschule, Prof. Dr. Kristian Bosselmann-Cyran, begrüßte die international renommierte Referentin, die gemeinsam mit vier weiteren Mitarbeiterinnen des „Educational Leadership Project“ angereist war, um am Folgetag gemeinsam mit Studierenden der Hochschule in fünf Workshops arbeiten zu können. „Lerngeschichten sind ein ganz zentrales Element der Qualitätsentwicklung und Evaluation“, betonte Prof. Dr. Armin Schneider, Direktor des IBEB und Prodekan des Fachbereichs Sozialwissenschaften, in seinem Grußwort, „es ist wichtig, dass wir wesentliche Merkmale der Lerngeschichten wie Haltung, Diskurs, Familien- und Sozialraumorientierung in eigenen Ansätzen der Qualitätsentwicklung aufgreifen und weiter denken.“

Respektvolle und ressourcenorientierte Haltung

Wie bedeutsam eine respektvolle, ressourcenorientierte und auf Austausch fokussierte Haltung für den Erfolg von Lerngeschichten ist, stellte Wendy Lee in ihrem Vortrag eindrücklich dar. Zahlreiche Foto- und Videoaufnahmen zeigten anschaulich, wie sehr Kinder und ihre Familien davon profitieren, wenn häufig und vor allem auf wertschätzende Art und Weise Geschichten über besondere Momente und wichtige Lernerlebnisse von Kindern aufgeschrieben werden. Für Kinder und Eltern ist es ein besonderer Gewinn, diese Geschichten immer wieder anschauen und lesen zu können. Durch die Dokumentation von Lerngeschichten erfahren Kinder und Eltern eine hohe Wertschätzung und sie können gemeinsam mit den Fachkräften über das Lernen von Kindern sprechen. Dass es hierfür hilfreich sein kann, die Familien der Kinder auch zuhause zu besuchen, wurde von Wendy Lee besonders betont. Notwendig sei es, die kulturelle Vielfalt von Familien zu berücksichtigen und die Teilhabe von Familien zu gewährleisten. Hierfür braucht es in den Augen der neuseeländischen Referentin nicht nur die Öffnung der Kindertageseinrichtungen, sondern durchaus auch neue Wege der Kommunikation mit Familien. Manchmal könne es hilfreich sein, bedeutsame Lernerlebnisse der Kinder telefonisch oder sogar per Email zu übermitteln. „Das Schreiben von Lerngeschichten ist eine besondere Verantwortung, um Kinder und deren Familien mit offenem Herzen und Verstand zu begleiten, um neugierig und engagiert als Gemeinschaft von Lernenden zu wachsen und schließlich auch, um die eigene Professionalität beständig weiter entwickeln zu können“, so Wendy Lee.

Dass es in deutschen Kindertageseinrichtungen jedoch gar nicht so leicht ist, regelmäßig Lerngeschichten von Kindern zu dokumentieren, die auch die Lernschritte eines Kindes transparent machen, zeigte die rege Diskussion am Ende des Vortrags. Pädagogische Fachkräfte kämpfen hierzulande mit unzureichenden strukturellen Rahmenbedingungen, die es fast unmöglich machen, mehr als eine Lerngeschichte im Jahr zu verfassen. „Hier muss einfach investiert werden“, so Prof. Dr. Schneider. Dem stimmte Prof. Dr. Regina Remsperger-Kehm zu, die selbst Mitarbeiterin im Projekt „Bildungs- und Lerngeschichten“ des Deutschen Jugendinstituts war und die als Professorin des Fachbereichs Sozialwissenschaften die Vortragsveranstaltung geplant und konzipiert hat: „Wenn wir es ermöglichen wollen, dass Kinder ihren Interessen vertieft nachgehen können und wenn wir für Kinder eine Lernumgebung schaffen wollen, in der sich Kinder wohlfühlen und sich voll Vertrauen auf das einlassen können, was sie interessiert, dann müssen wir auch für pädagogische Fachkräfte Rahmenbedingungen schaffen, in denen sie die Lernprozesse von Kindern achtsam begleiten können“. Im Gespräch zu bleiben und den Dialog mit Fachkräften, Eltern, Kindern und Verantwortlichen aus Politik und Wissenschaft fortführen, um von Neuseeland lernen zu können, lautet der deutliche Appell der Wissenschaftlerin.
Quelle: Presseinfo Hochschule Koblenz