KiTa Fachtext: Vorurteilssbewusste Lernumgebung gestalten

In der Reihe KiTa FachtexteKiTa Fachtexte|||||Das Portal “KiTa Fachtexte” (www.kita-fachtexte.de) ist eine Kooperation der Alice Salomon Hochschule, der FRÖBEL-Gruppe und der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). KiTa Fachtexte unterstützt Lehrende und Studierende an Hochschulen, Fachschulen und in der Weiterbildung und Fachkräfte in Krippen und Kitas in ihrer Arbeit. Hier finden Sie wissenschaftliche Fachtexte zur Arbeit mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren, die in frühpädagogischen Studiengängen eingesetzt werden können und einen Praxistransfer ermöglichen. stellt Sandra Richter dar, wie auf Grundlage der vorurteilsbewussten Erziehung eine vorurteilsbewusste Lernumgebung im Hinblick auf Räume und Materialien  gestaltet werden kann.

Einleitung

Wenn Kinder lernen sollen, Vielfalt zu respektieren und nicht lediglich zu tolerieren, benötigen sie vielfältige Chancen um damit vertraut zu werden. Dabei gilt es zu bedenken, dass auch Kindertageseinrichtungen sich im Kontext gesellschaftlicher Strukturen bewegen und darauf achten müssen, Vorurteile nicht zu reproduzieren und weiterzugeben.

In DiskursDiskurs|||||Der Begriff Diskurs kann verschiedene Bedeutungen haben, wurde ursprünglich jedoch als  „hin und her gehendes Gespräch“ verwendet. Weitere Bedeutungen sind: theoretische Erörterung, systematische, methodische Abhandlung, gesellschaftliche Auseinandersetzung, Erörterung. Sinnverwandt sind auch Debatte, Diskussion, Disput. en zur vorurteilsbewussten Arbeit wird häufig behauptet, dass junge Kinder ja noch gar keine Vorurteile haben könnten und Kindertageseinrichtungen ein Ort des vorurteilslosen Miteinanders seien, ergänzt durch die Idee, dass sich vorurteilsfreie Verständigung automatisch ergebe, wenn „unterschiedliche Kinder“ zusammenkommen. Dem ist jedoch nicht so, was sowohl Erfahrungen als auch Untersuchungen bestätigen: „Beim Eintritt in eine Kindertageseinrichtung sind Kinder offener für Freundschaften mit Kindern des anderen Geschlechts und offener für nicht-stereotype Spielerfahrungen als beim Verlassen derselben. Natürlich ist die Kindertageseinrichtung nicht alleine für diese einseitige Entwicklung verantwortlich zu machen, aber sie ist daran auch nicht gänzlich schuldlos.“ (Greenberg zitiert nach Derman-Sparks 1989, 5) „Es ist davon auszugehen, dass es gezielter und aktiver Interventionen der pädagogischen Fachkräfte bedarf, damit kleine Kinder positive Haltungen gegenüber Unterschieden entwickeln können. Alleine der Kontakt mit Kindern unterschiedlicher Herkunft genügt dafür nicht“ (Wagner 2001, 5)

Zumeist sind es dabei nicht explizit geäußerte Vorurteile, die auf die Kinder einwirken, sondern subtile Botschaften, die Kindern Orientierungen über richtig und falsch, Anerkennung oder Ablehnung, „normal“ und „unnormal“, wichtig und unwichtig vermitteln. „Sie entnehmen dies der Zusammensetzung des Personals, den Bildern an den Wänden, den Hauptpersonen in Geschichten, den Routinen im Alltag. Sie entnehmen es auch dem, was fehlt: Gibt es im Kindergarten keine Hinweise auf sie selbst, auf ihre Familien, auf ihre Sprachen, auf ihre besonderen Erfahrungen und Fähigkeiten, so kann das heißen: ‚Diese Einrichtung kommt auch ohne mich und meine Familie aus. Ich gehöre nicht dazu.’“ (Wagner et al. 2006, 18).

Um ein Aufwachsen von Kindern zu sichern, das sie als Persönlichkeiten mit all ihren individuellen Merkmalen akzeptiert, wertschätzt und respektiert, gilt es auch eine Lernumgebung zu gestalten, die dies ermöglicht. Unabdingbar ist es dabei Bedingungen zu schaffen, die es allen Kindern erlaubt, ein Gefühl der Zugehörigkeit zu entwickeln. Sie sollten sich in einer Umgebung entwickeln können, in der es nicht notwendig ist, ihren eigenen sozio-kulturellen Hintergrund zu leugnen. Das sollte eine Umgebung sein, die es ihnen ermöglicht, Selbstvertrauen zu entwickeln und in der ihre Gruppenzugehörigkeit zur eigenen Bezugsgruppe gestärkt wird. Dann wird es den Kindern nicht nur in der eigenen Herkunftsfamilie, sondern auch in der Mehrheitsgesellschaft möglich sein, erfolgreich handeln und für sich und ihre Rechte eintreten zu können (vgl. Hahn o.J., 1).

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