Als Weiterbildnerin in einem Flächenland

Welche Herausforderungen in einem Flächenland wie Niedersachsen mit allen regionalen Besonderheiten auf WeiterbildnerInnen und MultiplikatorInnen warten, stellt exemplarisch die Projektleitung eines 2 Jährigen InklusionInklusion|||||Inklusion beinhaltet eine wertschätzende Haltung in Bezug auf Diversität und Vielfalt in der Bildung und Erziehung. Heterogenität wird als normale Gegebenheit der Gesellschaft gesehen, und es geht darum den Rahmen und das Umfeld, dieser Heterogenität anzupassen und zu gestalten. Inklusion bezieht sich auf alle heterogenen Eigenschaften in einer Gesellschaft und wird nicht vorranging auf das Thema Migration oder Behinderung bezogen.sprojektes in einem Interview dar, geführt am 20.09.2011

Nifbe:

"Frau Bussmann, Sie sind Projektleitung des Inklusionsprojektes, gefördert durch die Maßnahme "Inklusion durch EnkulturationEnkulturation|||||Unter Enkulturation versteht man  das automatische Verinnerlichen und Hereinwachsen in die eigene Kultur. Dies beginnt als Sozialisationsprozess vom neugeborenen Säugling zum kulturell integrierten Erwachsenen.". Mit ihrer Langzeitweiterbildung und Studientagen sind sie häufig auch in eher ländlichen Gebieten und ländlichen KiTas anzutreffen. Wie würden Sie Ihre Arbeit  und ihre Besonderheiten beschreiben?"

Frau Bussmann:

"Da gibt es so gravierende Unterschiede, verbunden mit vielfältigen Herausforderungen, die sind einem manchmal gar nicht so präsent. Ich habe mich und mein Projekt bei sehr ländlichen KiTas vorgestellt und die Herausforderung ist nicht nur, dass dieses KiTas so weit weg von städtischen Strukturen sind, sondern gerade dort gibt es dann oftmals auch keinen PC. Oder wenn es einen gibt, ist nicht immer gewährleistet, dass die AkteurInnen ihn auch bedienen können.

Den Frauen ist daraus kein Vorwurf zu machen, es kommt einfach wenig dort an. Man könnte fast sagen, einige KiTas  leben wie auf einer Insel, einer Pädagogischen Insel. Denn die Frage ist, wie kommen Informationen zu Themen, z.B zum Thema Inklusion dort überhaupt an? Wie kommen neue Ideen dort an? Wie kann das funktionieren, wenn nur wenig Chance besteht sich am DiskursDiskurs|||||Der Begriff Diskurs kann verschiedene Bedeutungen haben, wurde ursprünglich jedoch als  „hin und her gehendes Gespräch“ verwendet. Weitere Bedeutungen sind: theoretische Erörterung, systematische, methodische Abhandlung, gesellschaftliche Auseinandersetzung, Erörterung. Sinnverwandt sind auch Debatte, Diskussion, Disput.  zu beteiligen? Und Inklusion ist nicht eine Methode oder ein Konzept, das hat vor allem was mit der Haltung zu tun, und um sich die erschließen zu können, muss man sich einfach auch am Diskurs beteiligen und sich austauschen können.

Man kann so ein Land wie Niedersachsen, und eine ländliche KiTa, auch nicht einfach mit einer in Berlin vergleichen. Da war ich vor kurzem und die Unterschiede sind deutlich.

Es gibt nicht nur an jeder Ecke Kindertagesstätten, sondern auch ständig Fachtagungen, Konferenzen und andere Möglichkeiten an Informationen zu kommen.

Natürlich gibt es auf dem Land auch viele Vorteile, das will ich gar nicht abstreiten, dort gibt es teilweise traumhafte Bedingungen, z.B. haben die dort wirklich viel Platz, sind manchmal noch in einer alten Dorfschule untergebracht, dann gibt es viele Optionen der Zusammenarbeit, weil man z.B. den Träger persönlich kennt, es kommen mal die Mütter oder Väter mit dem Traktor und mähen den Rasen oder kommen mit einem Pony vorbei.

Aber Neuerungen in der Pädagogik mitzubekommen ist relativ schwierig, sogar eine Teilnahme an Weiterbildung ist mit einem großem Aufwand verbunden, da muss man teilweise 2 Stunden in die nächste Stadt für fahren. Das gleiche gilt für LeiterInnenkonferenzen und auch die Fachberatung, die hat dort tatsächlich bis zu 40 Einrichtungen in einem Gebiet, wo man vielleicht nur alle 3 Jahre überall vorbeikommt.

Und hier stellt sich die Frage, welche Unterstützungssysteme greifen da? Was muss man machen, damit man diese ErzieherInnen und KiTas nicht vergisst? Eben gerade weil diese Fachkräfte sich oftmals nicht am Diskurs beteiligen können, ist die Wahrscheinlichkeit umso größer, dass man sie übersieht und auch vergisst. Das eine bedingt hier das andere.

Für das Nifbe-Portal sehe ich eine Chance in diesem Bereich, aber das geht nicht ohne die Fachkräfte darin zu schulen, und ohne die Ausstattung in den KiTas geht das natürlich auch nicht. Die ErzieherInnen müssen erstmal das Medium PC kennenlernen, um dann zu erarbeiten wie sie das nutzen können, um sich aktiv am Diskurs beteiligen zu können. Grundsätzlich kann man das aber auch nicht verallgemeinern. Ich weiß, dass es auch sehr viele sehr gut arbeitende KiTas in ländlichen Regionen gibt, aber auch diese müssen die Möglichkeit haben ihre gute Arbeit irgendwo transparent zu machen und zu präsentieren.

 

Unter Wissenslandkarten / Fachberatung wird auf  einer Niedersachsenkarte die Verteilung der Fachberatung angezeigt. Hier können Sie sich selbt einen Eindruck davon verschaffen wo und in welcher Konzentration FachberaterInnen in Niedersachsen tätig sind.



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