Wir leben in einer Gesellschaft der kulturellen Vielfalt und die KiTa ist ein zentraler Ort, wo sich Kinder in ihrer ganzen Verschiedenheit von Anfang an begegnen und kennen lernen.  Erst langsam beginnt sich diese Vielfalt ohne die noch weit verbreiteten Klischees auch in Bilder- und Kinderbüchern widerzuspiegeln. Diese bieten für KiTas und Familien eine große Chance, zum interkulturellen Verständnis füreinander und zum selbstverständlichen Miteinander beizutragen.

Neu erschienen sind jetzt die Jahresberichte der nifbe-Forschungsstellen Begabungsförderung, Bewegung und Psychomotorik, Entwicklung und Kultur sowie Elementar- und Primarpädagogik. Sie geben detailliert Auskunft über Forschungsansätze, -ergebnisse und insbesondere auch über die zahlreichen Transferaktivitäten der nifbe-Forschungsstellen.

Die gemeinsame Strategie der Forschungsstellen besteht darin Indikatoren und Merkmale zu identifizieren und zu analysieren, wie frühkindliche Bildungs-und Entwicklungsprozesse  begleitet und unterstützt werden können und wie auf der Grundlage welcher Gelingensbedingungen sich die Erkenntnisse in die pädagogische Praxis umsetzen lassen - und zwar qualitativ hochwertig und u.a. auf anstehende (bildungspolitische) Herausforderungen bezogen. Hierbei wird auch versucht, bisher zu wenig strukturell verankerte  Basiskompetenzen zu identifizieren, die Kinder und PädagogInnen haben müssen, um z.B. Bildungsbiografien erfolgreich durchlaufen zu können (wie z.B. Selbstkompetenzen oder interkulturelle Sensitivität).

Die Auswirkungen früher Erfahrungen auf die Entwicklung und Bildung von Kindern stand im Fokus eines in Kooperation von Universität Osnabrück und der nifbe-Forschungsstelle Entwicklung, Lernen und Kultur durchgeführten internationalen Symposiums. Die ForscherInnen aus Deutschland, Großbritannien, Niederlande und USA stellten dabei Ansätze und Ergebnisse aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln vor – von der Evolution (Werner Grewe) und Neurophysiologie (C. Sue Carter, Steve Porges) bis hin zu (inter-) kulturellen (Heidi Keller) , makro-soziologischen (Rainer K. Silbereisen) oder soziodemographischen (Vera Schölmerich) Aspekten.

Die Leiterin der nifbe-Forschungsstelle Entwicklung, Lernen und Kultur, Prof. Dr. Heidi Keller, ist von der „Fachgruppe Entwicklungspsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie“ (DGPs) mit dem „Mentoring-Preis“ für besonderes Engagement bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses geehrt worden.

Vom 22.-24. November 2010 fand in der der Forschungsstelle „Entwicklung, Lernen und Kultur“ des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) an der Universität Osnabrück ein dreitätiger Workshop statt, der sich mit kulturellen Einflüssen auf  die Kinderzeichnung und dem Beitrag der Kinderzeichnung zum Verständnis unterschiedlicher kultureller Milieus befasste.

Die systematische Analyse kultureller Einflüsse auf frühkindliche Entwicklungs- und Bildungsprozesse steht im Fokus der von Prof. Dr. Heidi Keller geleiteten nifbe-Forschungsstelle Entwicklung, Lernen und Kultur. Grundsätzlich werden dazu Entwicklungsverläufe innerhalb verschiedener Kulturen verglichen und Entwicklungsverläufe von Familien nach Migration in einen neuen kulturellen Kontext untersucht.

Im Rahmen eines Projektes zur „Entwicklung des frühen Selbstkonzepts im 2. Lebensjahr“ unternahm Prof. Dr. Heidi Keller im Dezember eine Forschungsreise in das indische Rajasthan. Sie leitete dort sogenannte „Spiegel-Tests“ an Familien aus ländlichen, subsistenzwirtschaftlich organisierten Regionen, die Aufschluss über die Entwicklung des Selbsterkennens in unterschiedlichen Kulturkreisen liefern sollen. „Erste Ergebnisse zeigen“, so Heidi Keller, „dass die Selbstkonzeptentwicklung in unterschiedlichen kulturellen Kontexten tatsächlich auch unterschiedlich verläuft.“
 

Zum Projekt

Die Forschungsstelle Entwicklung, Lernen und Kultur hat es sich zur Aufgabe gemacht, soziale, emotionale und kognitive Entwicklungsmuster und Lernprozesse in verschiedenen kulturellen Gruppen zu analysieren. Kultur bedeutet dabei nicht Land oder Gesellschaft, sondern wird durch soziodemographische Kontexte definiert, die durch die ökonomische Situation, das Ausmaß formaler Bildung und dem Familienmuster (Alter bei Geburt des ersten Kindes; Anzahl der Kinder) gebildet werden. In einem zweiten Schritt entwickelt sie auf der Grundlage ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse Module für die Arbeit mit Familien und Institutionen, die dem Paradigma der differentiellen Entwicklungsforschung verpflichtet sind.

 

Das Institut für Psychologie, Entwicklung und Kultur der Universität Osnabrück bietet im Sommersemester eine Ringvorlesung mit internationalen Referenten an.