Projektarbeit für Kinder unter drei

Im Beitrag „Projektarbeit in der Krippe – Grenzen und Möglichkeiten“ aus der Reihe KiTa FachtexteKiTa Fachtexte|||||Das Portal “KiTa Fachtexte” (www.kita-fachtexte.de) ist eine Kooperation der Alice Salomon Hochschule, der FRÖBEL-Gruppe und der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). KiTa Fachtexte unterstützt Lehrende und Studierende an Hochschulen, Fachschulen und in der Weiterbildung und Fachkräfte in Krippen und Kitas in ihrer Arbeit. Hier finden Sie wissenschaftliche Fachtexte zur Arbeit mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren, die in frühpädagogischen Studiengängen eingesetzt werden können und einen Praxistransfer ermöglichen. beschäftigen sich Petra Ahrens und Monika Klages, Pädagoginnen aus Bad Harzburg, mit Themen und Gestaltung von Projekten für ein- bis dreijährige Kinder. Sie zeigen Unterschiede zur Projektarbeit im Elementarbereich auf.

 

Handwerken, Matschen, Gipsen

Machen zweijährige Kinder sowieso nur, was sie wollen oder können Krippen-ErzieherInnen sie in Projektarbeit einbinden? Inwieweit profitieren Krippenkinder davon? Diesen Fragen gehen die Autorinnen nach und berichten von ihren langjährigen Erfahrungen, unter anderem im Kita-Atelier: Petra Ahrens ist seit 17 Jahren im Kindergarten tätig. Seit zehn Jahren leitet sie die dazugehörige Krippe. Die Fachautorin Monika Klages arbeitet als Kunstpädagogin in der Kita und leitete 1988 eine Ausstellung zu Reggio-PädagogikReggio-Pädagogik|||||Die Reggio-Pädagogik ist ein reformpädagogisches  Gesamtkonzept von Ideen und Praxisstrukturen, die seit den 1960 er Jahren in der Norditalienischen Stadt Reggionell`Emilia in Krippen und Kindergärten entwickelt wurde. Dem Konzept liegt ein humanistisches Menschenbild und eine demokratische Gesellschaftsvorstellung inne. in Hamburg.

 

Als Knackpunkt und Voraussetzung für Projektarbeit mit Krippenkindern im zweiten und dritten Lebensjahr sehen die Pädagoginnen die offene Einstellung der Kita-Fachkräfte. Gehen sie von einem  Bild vom Kind aus, das bereits ab Geburt aus eigenen Stücken neugierig und wissbegierig ist, steht der Projektarbeit mit den Kleinsten nichts im Wege. Als Grundlage nutzen die Autorinnen die Reggio-Pädagogik, die darauf basiert, dass Aktion und Reflexion eng miteinander verknüpft sind und durch „emotionale Beteiligung“ geweckt und gestärkt werden (vgl. Knauf).

 

Als Schlüssel für gelungene Projektarbeit gilt, den Kindern Freiheit in Raum, Zeit, Werkzeug und Material sowie in ihrer Vorgehensweise zu geben. Das setzt eine Bandbreite an Material und Ausstattung in der Kita voraus: Als hervorragend geeignete Gegebenheiten für Projekte mit Krippenkindern nennen die Autorinnen den freien Zugang zu Fenstern und Türen, flexibel von Kindern gestaltbare Räumlichkeiten, Werk- und Rollenspielbereiche sowie eine für die Kinder sichtbare Projekt-Dokumentation.

 

Die Fachkraft als Beobachter und Anbieter

Als Anregung für Krippenprojekte halten Ahrens und Klages Ideen und Beispiele aus ihrer Kita-Geschichte bereit: Zig Phänomene oder Objekte aus Natur (Jahreszeiten, Ei, Wasser/Eis), Technik (Papier, Malern, Bauarbeiten) oder vom Menschen (Füße, Hände) stellen für Ein- bis Dreijährige Anlässe und Anreize dar, sich dem zu widmen und damit zu befassen. Wichtig dabei: Die Kinder sind forschende Subjekte und wählen die für sie interessanten Themen und Objekte spielend und selbständig aus. Der Fachkraft fällt die Aufgabe zu, die Kinder zu beobachten, auf das Interesse zu reagieren, die Neugierde zu befriedigen und Möglichkeiten zum Experimentieren mit verschiedensten Materialien anzubieten. So entwickelt sich ein Projekt.

 

Egal, ob es sich um Formen, Aggregatzustände, Texturen, Temperatur, Farben oder Licht dreht: Vor allem Veränderungsprozesse begeistern Kinder. Sie lieben es, mit allen Sinnen – visuell, auditiv, olfaktorischolfaktorisch|||||Der olfaktorische Sinn bescheibt den Geruchssinn oder Riechwahrnehmung., taktil – wahrzunehmen, mit Werkzeugen zu hantieren, aktiv und frei zu handeln und damit Spuren zu hinterlassen. Ein Atelier zum Matschen, Werken, Kleben ist hierzu optimal.

 

Das Ergebnis sehen und wiedererkennen

Zum Abschluss eines jeden Projekts empfehlen die Autorinnen, die Ergebnisse vor den Kindern zu präsentieren, für sie wiedererkennbar zu machen (Gipshände oder Fußabdrücke aufhängen) und das Erlebte zu dokumentieren (ein Papierbuch gestalten, Fotos vom Projektverlauf auf dem Computer anschauen). Damit verinnerlichen die Ein- bis Dreijährigen ihre Aktionen, lernen Verbindlichkeit und Partizipation.

 

Grenzen der Projektarbeit im Krippenalter bestehen nach Ahrens und Klages in der Dauer und Beständigkeit eines Themas: Im Gegensatz zum Elementarbereich sollten Krippenprojekte nur einige Monate in Anspruch nehmen. Die ErzieherInnen sollten flexibel auf die Wünsche der Kinder reagieren, wenn sie das Thema unterbrechen oder sich stattdessen lieber einem spannenderem Thema zuwenden. Zudem fehlt Krippenkindern noch die Selbständigkeit, den Projektprozess zu beeinflussen.
 



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