Partizipation in der Krippe

Inhaltsverzeichnis

  1. Partizipation in der Krippe
  2. Mögliche Mit- und Selbstbestimmungsrechte
  3. Wertschätzende Kommunikation
  4. Bedeutung der Partizipation in der Krippe
  5. Literatur

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Partizipation in Kindertagesstätten ist als Thema der Frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung nicht mehr wegzudenken. Hierbei stützt man sich nicht nur auf das Recht der Kinder zur Mitbestimmung, wie z.B in den UN-Kinderrechtskonvention oder im  SGB VIII festgehalten, sondern auch die Bewegungen der InklusionInklusion|||||Inklusion beinhaltet eine wertschätzende Haltung in Bezug auf Diversität und Vielfalt in der Bildung und Erziehung. Heterogenität wird als normale Gegebenheit der Gesellschaft gesehen, und es geht darum den Rahmen und das Umfeld, dieser Heterogenität anzupassen und zu gestalten. Inklusion bezieht sich auf alle heterogenen Eigenschaften in einer Gesellschaft und wird nicht vorranging auf das Thema Migration oder Behinderung bezogen., einer Pädagogik der Vielfalt, DiversityDiversity|||||Im Deutschen wird der Begriff auch auch als Vielfalt benutzt und meint besonders, dass soziale Vielfalt konstruktiv genutzt wird. Im Diversity Management wird besonders auf eine positive Wertschätzung der individuellen Verschiedenheit eingegangen, um eine produktive Gesamtatmosphäre zu erreichen., Demokratiebildung in der KiTa, spielen eine wichtige Rolle. Partizipation und Beteiligung wird hierbei als Schlüssel zu Bildungschancen und Teilhabe verstanden.

Seit dem bundesweiten Ausbau an Krippenplätzen, ausgelöst durch das Gesetz zur Förderung von Kindern unter drei Jahren in Tageseinrichtungen und in KindertagespflegeKindertagespflege|||||Kindertagespflege oder Tagespflege umfasst eine zeitweilige Betreuung von Jungen und Mädchen bei Tagesmüttern oder Tagesvätern. Nach dem Tagesbetreuungsausbaugesetz von 2004 ist die Tagespflege neben der Tagesbetreuung in Kindertageseinrichtungen eine gleichwertige Form der Kindertagesbetreuung.  (KiföG), liegt der Fokus der öffentlichen und elementarpädagogischen Diskussion nun auch vermehrt bei den Kleinen und Kleinsten. Zur qualitativen Entwicklung gehört gier auch das Thema Partizipation in der Krippe, auch wenn es bisher eher mit Kindern zwischen 3 und 10 Jahren in Verbindung gebracht wird. Und in der Tat können bei diesem Thema in der Krippe Fragen auftauchen, die sich als vermeintliche Hemmschwellen entpuppen: Wie soll das noch nicht sprachfähige Kind sich verständigen? Achten Kinder in dem Altern nicht vorrangig auf ihre eigenen Bedürfnisse? Sind dort Abstimmungen wirklich sinnvoll? Diese Fragen sind berechtigt, jedoch muss zur ihrer Beantwortung zuallererst geklärt werden, was unter Partizipation in der Krippe verstanden wird und welche Voraussetzungen dafür gegeben sein sollten.

Das Kind als Individuum mit Rechten verstehen

Grundsätzlich geht es darum, dass Kind als eigenständiges individuelles Subjekt zu betrachten, dass ein Recht darauf hat an Entscheidungen, die es selbst betreffen, beteiligt zu werden. Auch einem Säugling ist mit Respekt zu begegnen und ein Zugang zu demokratischen Prozessen  und Teilhabe am Alltag zu gewähren. Diese Rechte beginnen nicht erst ab 3 Jahren, sondern es liegt an den Fachkräften geeignete Wege zu finden, Jungen und Mädchen schon unter 3  Jahren Möglichleiten zum Mitbestimmen zu bieten.

Partizipationsformen und- Themen können dabei generell unterschiedlich aussehen, und sind im Idealfall „zielgruppenorientiert“ an das jeweilige Individuum mit persönlichen Fähigkeiten, Stärken und dem jeweiligen Entwicklungsstand angepasst und an der Lebenswelt des Kindes orientiert (vgl. Hansen 2003). Das Bildungsverständnis bzgl. der Partizipation in der Krippe als auch bzgl. der Partizipation in Kindergärten und Horten ist dabei grundsätzlich konstruktivistisch geprägt. Bildung wird als selbsttätiges Aneignen von neuen (Welt)-Themen  sowie dem neugierigem Nachgehen der eigenen Interessensbereichen verstanden, das jeweils eingebettet ist in soziale Beziehungen.

Das bedeutet: Partizipation muss nicht immer eine „Abstimmung“ im engeren Sinne des Wortes sein, Säuglinge müssen also nicht zwangsläufig einen Klebepunkt für die Auswahl der neuen Raumdekoration oder für das Mittagessen am nächsten Tag vergeben. Aber wie sieht es aus, wenn er oder sie gerade mal nicht auf den Arm möchte? Wenn er oder sie nicht von ErzieherIn XY gewickelt werden möchte sondern lieber von Erzieherin Z? Könnten Säuglinge hier mitentscheiden?

Rüdiger Hansen schlägt 4 grundlegende Eckpfeiler vor (vgl. Hansen 2013), wenn es um die Etablierung von Partizipation in der Krippe geht.  Er stützt sich dabei auf die Erfahrungen mit dem Konzept der „Kinderstube der Demokratie“  (vgl. Hansen/ Knauer/Sturzenhecker 2011), in welchem es vorrangig um strukturell verankerte Partizipation in Kindertageseinrichtungen geht.  Demnach gilt es folgende Bereiche im Fachkräfte-Team zu diskutieren und Wege zu finden, sie auszugestalten.

  • Wo sollen Kinder in der Krippe beteiligt sein? Welche Mitbestimmungsrechte werden den Kindern eingeräumt? Wo dürfen sie nicht mitbestimmen?

  • Wie und welche verlässlichen Beteiligungsgremien sollen eingeführt werden? Wo und wie können Kinder mitentscheiden und ihre Interessen äußern?

  • Wie können Beteiligungsverfahren angemessen und altersgerecht gestaltet werden? Was brauchen Kinder dafür, wie können sie unterstützt werden um sich Meinungen zu bilden?

  • Was gehört zu einer wertschätzenden Interaktion und Kommunikation? Wie werden respektvolle  und dialogische Gespräche geführt?