Die nifbe-Forscherin Prof. Dr. Heidi Keller ist in das “Transatlantic Forum on Inclusive Early Years” berufen worden. Das unter anderem von der König-Baudoin-Stiftung geförderte internationale Forum hat das Ziel, mehr und besser in die Entwicklung von Kindern mit Migrationshintergrund oder aus einkommensschwachen Familien zu investieren. Hierzu findet ein Austausch zwischen WissenschaftlerInnen, Fachleuten und politischen Entscheidungsträgern über Forschungsergebnisse, politische Maßnahmen und bewährte Verfahren statt.

Vereint durch eine pädagogische Idee ist in Cuxhaven vor mittlerweile 25 Jahren eine Träger-Arbeitsgemeinschaft entstanden, die bis heute durch ihre innovativen Konzepte besticht und beispielhaften Charakter hat.


Das Feuer brennt noch immer, wenn die Frauen und Männer der ersten Stunde auf die Entstehungsgeschichte der Träger-AG zurückblicken. Ausgangspunkt war die Idee, in Cuxhaven Kinder mit Behinderungen nicht länger auszusondern, sondern für sie flächendeckend integrative KiTa zu schaffen. Wir wollten, so der damalige Koordinator und heutige DRK-Fachberater Joachim Büchsenschütz, „auch Kinder mit Behinderungen in ihrem angestammten Umfeld belassen und vor Ort mit ihnen klarkommen.“ Dafür sollten die KiTas sich an die Bedürfnisse der Kinder anpassen - und nicht umgekehrt.

Im Interview mit Karsten Herrmann geht die international renommierte Entwicklungs- und Kulturpsychologin Prof. Dr. Heidi Keller auf die Chancen und Risiken eines frühen Krippenbesuchs ein.

 

 

  • Zur Zeit tobt in Deutschland eine heftige öffentliche Debatte über die Chancen und Risiken einen frühen Betreuung der Kleinsten in den Krippen. Beide Lager verweisen dabei immer wieder auf angeblich gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse für Ihre Position. Gibt es überhaupt auf unsere Situation in Deutschland ausgerichtete und zugleich valide Studien in dieser Hinsicht?

 

Das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung“ (nifbe) ist heute als Preisträger im bundesweit ausgetragenen Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet worden.

Im Fokus der Forschungsstelle Entwicklung, Lernen und Kultur steht die systematische Analyse kultureller Einflüsse auf frühkindliche Entwicklungs- und Bildungsprozesse. Idealtypisch können dabei zwei kulturelle Modelle einander gegenüber gestellt werden: Das der westlichen Mittelschicht und jenes der Landbevölkerung in Afrika, Asien oder auch Südamerika. Während bei uns das primäre Erziehungsziel die Selbstbestimmung und Selbstständigkeit („psychologische Autonomie“) des Kindes ist, stehen beispielsweise bei den kamerunischen Nso die Familie und die sozialen Verpflichtungen und Verbindungen („hierarchische Relationalität“) im Vordergrund. Die mit diesen unterschiedlichen kulturellen Modellen einhergehenden, tief verankerten Werte, Normen, Haltungen und Meinungen können sich stark auf die jeweiligen Erziehungs- und Bildungsziele auswirken und haben weitreichende Konsequenzen auch für die elementarpädagogische Arbeit mit Kindern mit Migrationshintergrund in hiesigen KiTas.

Studien weisen auf die psychischen und psychosomatischen Beanspruchungen in der Arbeit von Fachkräften in Kindertageseinrichtungen, die im Vergleich zu vielen anderen Berufen überdurch¬schnittlich häufig hoch ausgeprägt sind. Dabei wurde bislang nur selten und darin sehr begrenzt eine Differenzierung zwischen Gruppenfachkräften und Leitungskräften vorgenommen, was aber angesichts der unterschiedlichen Aufgaben- und Belastungsspektren notwendig wäre. Die Leitungen nehmen in der Entwicklung der Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsqualität ihrer Einrichtung eine Schlüsselrolle ein. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Kindertageseinrichtung professionell zu führen und sie nachhaltig im Sinne vollwertiger Bildungseinrichtungen zu profilieren. Deutlich wird zudem, dass die bisher ermittelten Belastungen von Kita-Fachkräften keinen sytematischen und systemischen Einblick geben in die konkreten Arbeitsaufgaben und deren belastenden Aspekte und nicht zu diesen in Beziehung stehen. Die vorliegende Studie leistet mit ihrer Fokussierung auf Belastungsfaktoren für die Gruppe der Leitungskräfte und dabei in der Verbindung zu den Arbeitsaufgaben einer Kita-Leitung, die aus einem Qualitätsrahmen für Kita-Qualität abgeleitet sind, einen Beitrag zur Schließung dieser Lücke.

Wie unterscheidet sich die Kindergarten-Praxis in Deutschland von der in China und wo gibt es gemeinsame Ansatzpunkte? Diese Frage stand im Fokus des Besuchs einer sechsköpfigen Studiengruppe des Instituts für Frühpädagogik an der Zhejiang-Universität in Hangzhou unter der Leitung von Prof. Chen Buyun beim Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe).

Die Träger der Kindertageseinrichtungen und das Kultusministerium haben sich auf „Handlungsempfehlungen für die Arbeit mit Kindern unter drei Jahren" für Niedersachsen geeinigt. Sie knüpfen an den „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder" von 2005 an.

 

Buch-CoverDas neu in der nifbe-Schriftenreihe erschienene Buch „Vielfalt von Anfang an“ gibt eine prägnante und praxisorientierte Einführung zum aktuellen Thema der Inklusion in Krippe und KiTa – unter anderen mit Beiträgen von Timm Albers, Stephan Bree, Edita Jung und Simone Seitz. Durch verschiedene Blickwinkel und die Berücksichtigung unterschiedlicher Fach-Disziplinen erschließt es sowohl den theoretische Rahmen als auch die praktischen Implikationen und Umsetzungsszenarien der Inklusion für PraktikerInnen, Auszubildende und StudentInnen sowie MultiplikatorInnen aus dem Bereich der frühkindlichen Bildung und Entwicklung.

Kindertagespflege unterstützt die frühkindliche Entwicklung in besonderer Weise. Dies zeigt auch ein aktuelles Forschungsprojekt, das in Österreich durchgeführt wurde. Im Interview mit dem Bundesfamilienministerium zieht Prof. Dr. Lieselotte Ahnert das Resümee: „Kindertagespflege ist bindungsbezogen, anregend und kindorientiert“