Geschichte der ErzieherInnenausbildung am Beispiel Bayerns

Inhaltsverzeichnis

  1. Geschichte der ErzieherInnenausbildung am Beispiel Bayerns
  2. Gründung und Entwicklung der Ausbildungsstätten bis zu Beginn der Nazi-Diktatur
  3. Gründung und Entwicklung der Ausbildungsstätten während der Nazi-Diktatur
  4. Gründung und Entwicklung der Ausbildungsstätten nach 1945 bis 1967
  5. Gründung und Entwicklung der Ausbildungsstätten nach 1967
  6. Schlussbetrachtung
  7. Literatur

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Gründung und Entwicklung der Ausbildungsstätten nach 1945 bis 1967

* Die „Kongregation der Dienerinnen der Hl. Kindheit Jesu vom Orden des Hl. Franziskus“ gründeten noch 1945 im Kloster Oberzell bei Würzburg ein Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnenseminar. Anfänglich wurden drei verkürzte Sonderlehrgänge mit staatlicher Abschlussprüfung durchgeführt, um dem dringenden Bedarf an ausgebildeten Fachkräften entgegenzuwirken. Acht Jahre später übersiedelte die Schule nach Würzburg, die 1968 in eine Fachschule und 1973 in eine Fachakademie umgewandelt wurde. Im September 2011 wurde die Fachakademie Opfer eines Großbrandes. Durch die enormen Löschwasserschäden musste das gesamte Gebäude saniert werden. Der Schulbetrieb wurde für die Dauer von drei Jahren in das ehemalige Technikum auf dem Würzburger Heuchelhof ausgelagert. Mit Beginn des Schuljahrs 2014/15 konnte die Schulgemeinschaft wieder in die renovierten Räume in der Würzburger Innenstadt einziehen. Die einst in klösterlicher Trägerschaft stehende Ausbildungsstätte St. Hildegard ist heute der „Caritas-Schulen gGmbH“ angeschlossen.

Webseite: http://www.faks-wuerzburg.de/ (letzter Zugriff am 1.5. 2017)

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1950 wurde von der Diakonissenanstalt Neuendettelsau ein einjähriger Kurs für Heimerzieher ins Leben gerufen, die Frauen und Männer für die Arbeit in der von der Diakonie und Inneren Mission getragenen Heimen ausbildete. Um eine sozialpädagogische Ausbildung in evangelischer Hand auch in Nürnberg wieder anzusiedeln, wurde 1967 das Seminar für Heimerzieher von Neuendettelsau nach Nürnberg verlegt. Träger war die „Evang. Erziehungsstiftung Nürnberg“. Aus der Heimerzieherschule entstand im Zuge der Neuordnung der sozialpädagogischen Ausbildungsstätten 1968 die Evangelische Fachakademie für Sozialpädagogik. Mit Inkrafttreten der novellierten bayerischen Gesetzgebung über das berufliche Schulwesen erhielt die Fachschule für Sozialpädagogik 1973 den Status einer staatlich anerkannten „Evangelischen Fachakademie für Sozialpädagogik“. Heute steht die Ausbildungsstätte unter der Trägerschaft der „Rummelsberger Diakonie“.

Webseite: http://www.evang-fachakademie-nbg.de/ (letzter Zugriff am 1.5. 2017)

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In Rottenbuch gründete 1956 das „Provinzialat der Don Bosco-Schwestern“ im ehemaligen Schloss ein Seminar für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen, dem ein Seminarkindergarten angegliedert wurde. Ein Jahr später begann die Ausbildung von acht jungen Mädchen. Bald erfreute sich das Seminar, welches 1969 zur Fachschule und 1973 zur Fachakademie umgewandelt wurde, regen Zuspruchs. So absolvierten bis 1985 staatlich geprüfte Erzieherinnen ihre Ausbildung in Rottenbuch. Heute ist die „Regens Wagner Stiftung“ Träger der Fachakademie für Sozialpädagogik.

Webseite: http://faks-rottenbuch.de/hp542/Fachakademie-fuer-Sozialpaedagogik.htm (letzter Zugriff am 1.5. 2017)

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Die „Cistercienserinnen“ eröffneten 1956 im Kloster Seligenthal in Landshut ein „Katholisches Seminar für Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Heimerzieherinnen“. Die Stationen der klösterlichen Schule ähneln denen der übrigen bayerischen Ausbildungsstätten: 1969 Umwandlung in eine Fachschule, 1973 in eine Fachakademie. Träger der Ausbildungsstätte ist heute die „Schulstiftung Seligenthal“.

Webseite: http://fachakademie.seligenthal.de/ (letzter Zugriff am 1.5. 2017)


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Ebenfalls 1956 wurde in Kempten ein Seminar für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen von der Schwesterngemeinschaft „Christliche Jugendhilfe“ ins Leben gerufen. 1975 übernahm das vom Bischof Josef Stimpfle mit initiierte Schulwerk der Diözese Augsburg die Trägerschaft. An der Ausbildungsstätte führte der ehemalige Schulleiter, Eduard Hanslik, im Fach Deutsch die „Freie Stillarbeit“ (FSA) nach dem Konzept des Marchtaler Plans“ ein:

„Grundsätzlich dient die FSA
- der selbständigen Erarbeitung von Lerninhalten: Studierende können ‚be-greifen‘,
- dem eigenständigen Erfahren von Zusammenhängen,
- der Aneignung (im wahrsten Sinne des Wortes!) von sog. ‚Schlüsselqualifikationen‘, die heute von allen gefordert werden: Arbeitstechniken, methodische Fähigkeiten, selbständiges Denken, Handeln und Urteilen und damit auch die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit; kurz: Wissen – Können – Sein.
- der individuellen Beratung und Hilfe durch den Lehrer; diese ist überhaupt nur auf diesem Wege möglich“ (Hanslik 1999, S. 69).

Webseite: http://www.faks-kempten.de/ (letzter Zugriff am 1.5. 2017)

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Die „Schwestern vom Hl. Kreuz“ in Gemünden am Main gliederten im September 1958 ihren beiden allgemeinbildenden Schulen (Mittelschule und Gymnasium) ein Seminar für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen an. Da das Seminar erst 1960 bezogen werden konnte, fuhren die Schülerinnen bis zu dieser Zeit einmal wöchentlich in die ca. 50 km entfernte Stadt Aschaffenburg zum Kindergarten- und Hortpraktikum.

Das letzte sozialpädagogische Semester hat im September 2006 begonnen. Mit Ende dieses Kurses im Jahre 2010 wurde die Schule geschlossen. Ein Grund für die Schließung war die fehlende Nachfrage an Studienplätzen.

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Die „Deutschordensschwestern“, welche 1945/46 im Zuge der Aussiedlung aus dem Sudetenland nach Passau kamen, errichteten 1960 in der Dreiflüssestadt ein einzügiges „Kindergarten-Seminar im Kloster St. Nikola“. Die stetige Nachfrage an Ausbildungsplätzen bedingte, dass 1972 die Fachschule für Sozialpädagogik um eine weitere Klasse erweitert wurde. Im Jahre 1981 erfolgte die Anbindung einer Fachakademie für Heilpädagogik.

Webseite: http://www.faks-passau.de/ (letzter Zugriff am 1.5. 2017)


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Auf Initiative des Dekans Hans Luther wurde am 7. 9. 1965 in Schweinfurt unter der Schulträgerschaft des „Pfadfinderinnendienstes e.V. Schloss Schwanberg“ (heute: „Communität Casteller Ring“) das „Evangelische Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnenseminar“ eröffnet. 1968 erhielt die Ausbildungsstätte den Status einer Fachschule für Sozialpädagogik. Sechs Jahre später übernahm die „Evang.-Luth. Gesamtkirchengemeinde Schweinfurt“ die Trägerschaft der Fachakademie. Dem Kuratorium gehörten neben dem Dekan und Mitgliedern der Gesamtkirchengemeinde auch Vertreter der römisch-katholischen Kirche, der Oberbürgermeister der Stadt Schweinfurt sowie der Landrat des Landkreises Schweinfurt an. 1972 erfolgte die staatliche Anerkennung als Fachakademie für Sozialpädagogik. Seit 2012 nennt sich die Bildungsinstitution „Johann-Hinrich-Wichern-Fachakademie für Sozialpädagogik der Evang.-Luth. Gesamtkirchengemeinde Schweinfurt“. Zur Namensgebung ist der Homepage zu entnehmen:

„Der Name als Programm
Mit der Namensgebung verbindet sich neben der Erinnerung an den Begründer der „Inneren Mission“, der heutigen Diakonie, zugleich auch der programmatische Auftrag, die Ausbildung zur Erzieherin, zum Erzieher nach dem Vorbild Wicherns, der zugleich einer der ersten modernen Sozialpädagogen war, stets als Persönlichkeitsentwicklung zu verstehen. Der Respekt vor dem Gegenüber als eigenständige Persönlichkeit, die Orientierung an den christlichen Grundwerten der Gottesebenbildlichkeit und der Gottes- und Nächstenliebe, das Vertrauen auf die Entwicklungsfähigkeit des Menschen zum Guten waren Grundlagen der pädagogischen Arbeit Wicherns, die auch für die Ausbildung an unserer Fachakademie richtungsweisend sind“.

Webseite: http://fachakademie-schweinfurt.de/ (letzter Zugriff am 1.5. 2017)


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Anzeige zur Eröffnung der Ausbildungsstätte in den Kirchenzeitungen der bayerischen Bistümer (Quelle: Ida-Seele-Archiv)
Am 8. August 1965 beschloss der Vorstand des Schulvereins „Katholisches Seminar für Sozialberufe in Bayern e.V.“ auf Initiative und unter Federführung von Hermann Zeit, neben der von ihm geleiteten „Wohlfahrtsschule für Männer“ eine „Fachschule für Jugend- und Heimerziehung“ ins Leben zu rufen. Mit dieser Schulgründung sollte dem seinerzeit großen Mangel an ausgebildeten Fachkräften in den Arbeitsbereichen der (insbesondere katholischen) Jugendpflege und Heimerziehung begegnet werden. Am 2. Mai 1966 begann mit Kurs A der erste Unterricht. Aufnahmebedingung war eine abgeschlossene Berufsausbildung. Die ersten 24 Studierenden hatten z. B. folgende Berufe erlernt: Starkstromelektriker, Maurer, Medizinisch-Technischer-Assistent, Rechtsanwaltsgehilfin, Büroangestellte, Kinderpflegerin, Heizer etc. Die Ausbildung war anfänglich gegliedert in drei Semester Theorie und ein Semester theoriebegleitendes Praktikum in einem Kinderheim oder im Bereich der Jugendarbeit/ -bildung. Nach erfolgreichem Abschluss der Fachschule wurde den AbolventInnen die Berufsbezeichnung „Staatlich anerkannter Erzieher“ zuerkannt. Der theoretische Schwerpunkt lag im Bereich der Jugendhilfe, Heim-/ Berufskunde sowie Methodenlehre (Gruppenpädagogik als Methode der Sozialarbeit). Letztgenanntes Fach betreffend orientierte sich die Theorie und Praxis an den Publikationen von Heinrich Schiller, Magda Kelber und Gisela Konopka. Die Gruppenpädagogik wurde wie folgt definiert:

„Der Erzieher im Heim und in der Jugendarbeit ist vordergründig Gruppenpädagoge. Er befähigt verschiedene Arten von Gruppen dahingehend, daß sowohl der Gruppenprozeß als auch das Gruppenprogramm zur Entwicklung des einzelnen Gruppenmitglieds beitragen und gleichzeitig wünschenswerte soziale Ziele angestrebt und erreicht werden... Folgende (sozialpädagogische) Prinzipien haben sich in der Gruppenpädagogik herausgebildet:

• Individualisieren (Anfangen, wo der Einzelne steht).
• Anfangen, wo die Gruppe steht.
• Sich entbehrlich machen.
• Hilfe durch Programmgestaltung.
• Erzieherisch richtige Grenzen setzen."

ausbildung21Abschlusszeugnis der Fachschule für Jugend- und Heimerziehung in München; Quelle: Ida-Seele-ArchivTräger der Ausbildungsstätte ist die im März 1971 von den bayerischen Bischöfen gegründete kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts „Katholische Bildungsstätten für Sozialberufe in Bayern“. Vorsitzender des Stiftungsrates ist der jeweilige Erzbischof der Diözese München und Freising. Die heute sich nennende „Katholische Fachakademie für Sozialpädagogik München“ will die Befähigung vermitteln, „in Kindergärten, Horten, Heimen, in der Jugendarbeit sowie anderen sozialpädagogischen Arbeitsfeldern als Erzieher / Erzieherin selbständig wirken zu können. Die Fachakademie... hat dabei den Schwerpunkt der Ausbildung auf Arbeitsfelder im Bereich der Jugendarbeit / Jugendbildung und der Heimerziehung gelegt" (Katholische Bildungsstätten für Sozialberufe in Bayern 1996, S. 43). Da der Beruf des / der ErzieherIn „sowohl eine ethisch fundierte Lebensauffassung als auch eine dem Alter und der Entwicklung entsprechende Lebensreife“ erfordert, soll der Unterricht „neben der Vermittlung von Fachwissen die Persönlichkeit der Studierenden im Geiste des Glaubens der Katholischen Kirche bilden und festigen“ (ebd., S. 43).

Webseite: http://www.kfaks-muenchen.de/ (zuletzt abgerufen am 1.5. 2017)



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