Werkstattarbeit in der KiTa

Inhaltsverzeichnis

  1. Werkstattarbeit in der KiTa
  2. Von der Lernwerkstatt zur Werkstatt-Kita
  3. Der Raum als dritter Pädagoge
  4. Die Raumgestaltung der Werkstatt
  5. Möbel und Materialien
  6. Beispiele für unterschiedliche Werkstätten
  7. Das Kind in der Werkstatt
  8. Die Professionalität des Pädagogen in einer Werkstatt

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Die Lernwerkstatt

Als Lernwerkstatt werden in der heutigen Pädagogik Räume bezeichnet, in denen vielfältige Materialien für das praktische und eigenaktive Lernen bereit stehen und das Lernen durch eigene Erfahrungen ermöglichen. Die Materialien berücksichtigen die individuellen Entwicklungsbedürfnisse der Kinder. Die Ordnung ist hier kein Element von Zwanghaftigkeit. Sie verhilft zu einer guten vorbereiteten Umgebung, in der Kreativität und individuelles Handeln stattfinden können. Eine durchdachte Anordnung der Arbeitsmittel bildet den Nährboden dafür, kreativ eigene Ideen umsetzen zu können.

Die Idee des eigenaktiven Lernens ist nicht neu. Viele Reformpädagogen haben dazu pädagogische Modelle entwickelt, in der Regel für Schulen, Universitäten und Fortbildungsinstitute für Lehrer. John Dewey, 1859-1952, Philosoph und amerikanischer Reformpädagoge, zählt für viele europäische Reformpädagogen als »Urvater« des entdeckenden Lernens. Er sah den Lehrer als »Mitarbeiter« der Schüler an. In Europa haben aus meiner Sicht unter anderem Cèlestin Freinet, Maria Montessori und Ellen Key die »Wurzeln« für die heutige Werkstatt-Arbeit mit Kindern gelegt. Ellen Key schreibt 1890 über ihre Träume einer Schule der Zukunft:

„In dem zukünftigen Schulgebäude gibt es gar keine Klassenzimmer. Aber es gibt da verschiedene Säle mit reichem Material für verschiedene Gegenstände und neben ihnen Arbeitsräume, wo jeder seinen gegebenen Platz zum Selbststudium hat..." (Ellen Key: Das Jahrhundert des Kindes, Fischer Verlag 1903)

 

Blick in die Geschichte

Die Lernwerkstatt-Bewegung wurde in Deutschland an der Hochschule (TU 1981, HdK 1982) in West-Berlin gegründet. Nach elf Jahren war sie in allen 16 Bundesländern in Deutschland vertreten. Karin Ernst, 1993 Lernwerkstätten in der Bundesrepublik Deutschland und Österreich, - Der Grundschulverband – e.V. Das Ziel der TU Berlin war, dass »Erwachsene selbst ein anderes Lernverhalten entwickeln, aktiv, forschend, entdeckend, kreativ und offen, um mit Kindern auf eine andere Weise Schule machen zu können«. In den Bundesländern entstanden unterschiedliche Typen von Lernwerkstätten, die ihre eigenen konzeptionellen Hintergründe hatten. Zum Teil wurden auch Lernwerkstätten in Grundschulen eingerichtet, die zur Förderung einzelner Kinder genutzt wurden. Die Rolle der Lehrer war hierbei in der Regel führend und lenkend. Die Bezeichnung »Lernwerkstatt« wurde auch von einigen alternativen freien Schulen benutzt, dann aber als Begriff des freien Arbeitens der Schulkinder.

Die Entwicklung von Lernwerkstätten in Kindertageseinrichtungen fand erst in den neunziger Jahren statt. Auch hier wurden an den verschiedenen Orten unterschiedliche Konzeptionen von Lernwerkstätten »erfunden«. Begriffe wie Lernwerkstatt-Angebot, Lernwerkstatt-Projekt oder Lernwerkstatt-Unterricht sind mir in der Vergangenheit immer wieder begegnet. Ähnlich wie die Entwicklung der Lernwerkstätten an den Universitäten und Grundschulen wurde zu wenig über die pädagogische Haltung der Pädagoginnen geforscht oder nachgedacht.

Heute begegnen mir als Bildungsreferentin und Fachberaterin unterschiedlichste Modelle von Lernwerkstätten, Werkstätten in Kitas und Schulen oder Werkstatt-Kitas oder Schulen. Die Unsicherheit der Pädagogen, was nun eine (Lern)Werkstatt sein soll, wie die Kinder dort tätig sind oder sein dürfen und was der pädagogische Auftrag der Pädagoginnen sein könnte, ist sehr groß.

 

Eigene Werkstatterinnerungen

Ich habe als Kind Werkstatträume geliebt. Meine Großtante hatte eine Schneiderwerkstatt. Ich war fasziniert von den geordneten Gegenständen in dieser Werkstatt. Die Scheren wurden von meiner Großtante wie ein großer Schatz gepflegt und die alte mechanische Fußnähmaschine, damals schon mit einem Zickzack-Stich ausgestattet, durfte ich nicht berühren. Die Schnittmuster hingen sauber aufgereiht an einer Wand. Die Garnrollen lagen nach Farben sortiert in Schubladen und die bunten Knöpfe luden zum Anfassen ein. Die Atmosphäre in diesem Raum war von der konzentrierten Arbeit meiner Großtante geprägt und ich genoss die Stille und gleichzeitig ihre Emsigkeit. Ähnliche Erfahrungen sammelte ich in einer Töpferei und in einer Tischlerwerkstatt. Mein Berufswunsch war lange Zeit Goldschmiedin oder Tischlerin zu werden. Werkstätten verloren in meinem Leben nie ihre Anziehungskraft.

 

 



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