Geschlechterbewusste Pädagogik in der Kindheit

Inhaltsverzeichnis

  1. Geschlechterbewusste Pädagogik in der Kindheit
  2. Risiken einer geschlechtstypischen Erziehung und Bildung
  3. Ebenen einer geschlechterbewussten Pädagogik
  4. Geschlecht weder banalisieren noch dramatisieren
  5. Wie die Geschlechtersymbolik die kindliche Entwicklung beeinflusst
  6. Wie Geschlecht als gesellschaftliches Strukturprinzip die kindlichen Lebenswelten beeinflusst
  7. Geschlecht und Bildung
  8. Individuelle Geschlechtsidentitätskonstruktionen
  9. Literaturliste

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Geschlecht weder banalisieren noch dramatisieren

Geschlecht ist jedoch nur ein Merkmal der individuellen Identitätskonstruktionen von Kindern. Die Lebenswelten von Kindern sind immer auch beeinflusst von ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Altersgruppe, Kultur, Ethnie oder Schicht. Sie werden als Angehörige dieser Gruppen betrachtet und definieren sich selbst in diesem Geflecht von Zugehörigkeiten. So konstruieren wir „Weiblichkeit“ oder „Männlichkeit“ in verschiedenen Altersgruppen, Kulturen oder Schichten unterschiedlich. Beispielsweise ist es in einigen Kulturen alltägliche Praxis, dass Männer sich umarmen oder an der Hand halten, in anderen gilt es als „unmännlich“. Es ist daher notwendig, das Thema Geschlecht weder zu banalisieren noch zu dramatisieren. Geschlecht ist eines von verschiedenen Aspekten der Identitätskonstruktionen von Kindern und von ungleichheitsrelevanten Faktoren (vgl. auch Winker, Degele 2009).

Das Ziel geschlechterbewusster Pädagogik ist es, Kinder – jenseits von Geschlechterklischees – in ihren individuellen Interessen und Fähigkeiten zu fördern.

Es geht darum sie bei der Ausgestaltung ihrer individuellen Geschlechtsidentitäten zu unterstützen – unabhängig von den jeweils herrschenden Vorstellungen vom „richtigen Mädchen“ und „richtigen Jungen“. Geschlechterbewusste Pädagogik beruht auf einer Haltung, die auf der Anerkennung vielfältiger Lebensweisen basiert und Chancengerechtigkeit und Inklusion betont.

Geschlechterbewusste Pädagogik ist der Oberbegriff für einen reflektierten Umgang mit Geschlecht und Geschlechterkonstruktionen auf der Ebene der Kinder, der Erziehungsberechtigten, der pädagogischen Fachkräfte und der Einrichtung. Grundlage ist die Wertschätzung der tatsächlichen (geschlechtlichen) Vielfalt und Individualität von Kindern unter Berücksichtigung vorhandener sozialer Ungleichheiten in den Geschlechterverhältnissen. Diese doppelte Blickrichtung, Kinder sowohl als Angehörige ihrer Geschlechtergruppe als auch in ihrer Einzigartigkeit mit ihren individuellen Stärken und Interessen zugleich zu betrachten ist grundlegend für eine geschlechterbewusste Pädagogik. Dabei geht es nicht nur um mehr oder gleiche Chancen, sondern immer auch um soziale Gerechtigkeit, Inklusion und die Umsetzung der Kinderrechte.

Durch die Allgegenwärtigkeit und die stetige Präsenz mit der Geschlecht in Symbolen und Strukturen verwoben ist, scheint es uns natürlich, selbstverständlich und normal. Und auch die Verhaltensweisen und die Darstellung von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ erfolgt so routiniert, dass diese für die Beteiligten und für Beobachterinnen und Beobachter selbst als solche meist ungesehen bleiben.

Daher wird im Folgenden, die Konstruktion der Geschlechterverhältnisse auf allen Ebenen skizzierend sichtbar gemacht um anzuregen, wie eine geschlechterbewusste Pädagogik umgesetzt werden kann.



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