Geschlechterbewusste Pädagogik in der Kindheit

Inhaltsverzeichnis

  1. Geschlechterbewusste Pädagogik in der Kindheit
  2. Risiken einer geschlechtstypischen Erziehung und Bildung
  3. Ebenen einer geschlechterbewussten Pädagogik
  4. Geschlecht weder banalisieren noch dramatisieren
  5. Wie die Geschlechtersymbolik die kindliche Entwicklung beeinflusst
  6. Wie Geschlecht als gesellschaftliches Strukturprinzip die kindlichen Lebenswelten beeinflusst
  7. Geschlecht und Bildung
  8. Individuelle Geschlechtsidentitätskonstruktionen
  9. Literaturliste

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Risiken einer geschlechtstypischen Erziehung und Bildung

Wenn Kinder nicht darin bestärkt werden, ihr So-Sein auszuleben, wie es ihnen entspricht, wenn ihnen keine Spielräume in der Identitätsentwicklung ermöglicht und keine Alternativen zu herkömmlichen Geschlechtersymbolik geboten werden, orientieren sie sich häufig an den traditionellen Geschlechterkonstruktionen. Dies führt zu Einschränkungen der Entfaltungsmöglichkeiten von Kindern und wirkt sich negativ auf die Entwicklung aus.

Wenn Kinder in einigen Bereichen weniger und in anderen mehr gefördert werden, weil beispielsweise Lesen als weiblich und Mathematik als männlich gilt, können sie in den entsprechenden Bereichen weniger ihre Fähigkeiten entwickeln.

Auch überschätzen manche Kinder ihre körperlichen Möglichkeiten und riskieren häufig nicht nur Schrammen, sondern sogar Verletzungen bei sich und anderen, um dem vorherrschenden Männlichkeitskonstrukt vom „starken Jungen“ zu genügen. Kinder lernen dadurch, dass Angst, Hilflosigkeit und Schwäche „nicht zu Jungen gehören“. Dies kann dazu führen, dass sie diese Gefühle für sich ablehnen.

Wenn Kinder ihre Bedürfnisse nach Aktivität oder raumgreifendem Verhalten nicht ausleben, weil „Mädchen eben nicht so sind“, werden ihre Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt. Sie lernen mehr sich anzupassen als sich selbst zu behaupten. Auch andere Aspekte des gegenwärtig herrschenden Weiblichkeitskonstruktes können sich negativ auf die Entwicklung von Kindern auswirken: wenn Kinder sich beispielsweise bereits im Kindergartenalter mit Schlankheitsidealen und Diäten beschäftigen, besteht die Gefahr, dass sie ein gestörtes Essverhalten entwickeln.

Diese und andere geschlechtstypische soziale Praktiken versprechen Anerkennung in der Gleichaltrigengruppe und werden – ungewollt – vielfach von Erwachsenen unterstützt.

Viele Kinder neigen glücklicherweise dazu vorgegebene Geschlechterkonstruktionen zu überschreiten, wenn sie merken, dass diese nicht ihren Interessen und Bedürfnissen entsprechen.
Grundlage einer geschlechterbewussten Pädagogik ist es daher Kinder – unabhängig von Geschlechterstereotypen – in ihrer Individualität zu fördern und geschlechtstypische (ungesunde und einschränkende) soziale Praktiken bei den Kindern aufzudecken und diese Prozesse des „doing gender“ kritisch zu begleiten.



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