Das professionelle Selbstverständnis von ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen vor dem Hintergrund ihrer pädagogischen Orientierungen

Projektbeschreibung:


Dissertationsprojekt von Meike Sauerhering, M.A.


Projektbeschreibung & Projektdurchführung

In dieser Arbeit sollen die handlungsleitenden Überzeugungen von PädagogInnen in den Praxisfeldern Kindertagesstätte und Grundschule abgebildet werden. Diese werden im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gestaltung des Übergangs analysiert. Es ist angestrebt, sowohl Fallstricke, als auch Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.

Die Bildungsarbeit in der Kindertagestätte, als auch in der Grundschule, ist sehr umfassend und unterliegt stetigen Veränderungen. Die dort Tätigen sehen sich vor immer neue Herausforderungen gestellt. So ist im Diskurs um die Elementarpädagogik seit Anfang der 2000er Jahre ein Bedeutungszuwachs auszumachen, mit dem aber auch die stetig wiederkehrende Forderung nach Qualitätssteigerung einhergeht. Dieses wird oft gleichgesetzt mit der Forderung nach ‚Professionalisierung‘ oder gar ‚Akademisierung‘ der dort tätigen Fachkräfte (vgl. Mischo/ Fröhlich – Gildhoff (2011) 4ff oder Hoffmann (2001) 15ff)[1]. Die Grundschule steht derzeit beispielsweise vor der Herausforderung der Umsetzung der InklusionInklusion|||||Inklusion beinhaltet eine wertschätzende Haltung in Bezug auf Diversität und Vielfalt in der Bildung und Erziehung. Heterogenität wird als normale Gegebenheit der Gesellschaft gesehen, und es geht darum den Rahmen und das Umfeld, dieser Heterogenität anzupassen und zu gestalten. Inklusion bezieht sich auf alle heterogenen Eigenschaften in einer Gesellschaft und wird nicht vorranging auf das Thema Migration oder Behinderung bezogen.. Die Übergangsgestaltung zwischen Kindertagesstätte und Grundschule ist sowohl Bestandteil der meisten Qualitätsstandards, als auch eine Vorgabe, die ebenso für den Bereich der Elementarpädagogik, wie für den der Primarpädagogik Gültigkeit hat. Die MitarbeiterInnen sind gesetzlich zur Kooperation verpflichtet.

Für diese Arbeit wird eine Herangehensweise gewählt, die im Sinne der Grounded Theory eng an die Inhalte des empirischempirisch|||||Empirie bezeichnet wissenschaftlich durchgeführte Untersuchungen und Erhebung, die gezielt und systematisch im Forschungsfeld oder im Labor durchgeführt werden. Empirische Forschungen können durch verschiedene Methoden praktisch angewendet werden.en Materials anschließt. Die Datenbasis für diese Arbeit bieten die Studien zur individuellen Förderung in niedersächsischen Kindertagesstätten und die Studie zur individuellen Förderung in niedersächsischen Grundschulen. Das vorhandene qualitative Datenmaterial aus den Experteninterviews mit ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen wird einer Sekundäranalyse unterzogen.

Die primären Auswertungen dieser Studien haben bereits Hinweise darauf geliefert, dass latent vorhandene berufsgruppenspezifische Überzeugungen, die Anschlussfähigkeit von Kindertagesstätte und Grundschule erschweren. Obwohl das bisher nicht systematisch überprüft wurde, deuten sich Unterschiede zwischen den Berufsgruppen an, die für die Akteure oftmals unerkannt bleiben. In der angestrebten Qualifikationsarbeit sollen - über eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Material - die jeweiligen Besonderheiten der Berufsgruppe der ErzieherInnen und der GrundschullehrerInnen in Abgrenzung zueinander sichtbar gemacht werden. Die PädagogInnen beschreiben die Kooperation zwischen Kindertagesstätte und Grundschule vielfach als konkrete Aktionen für die Kinder zur Gestaltung des Überganges. Die Annäherung der Berufsfelder wird nicht als zentraler Bestandteil der Kooperationen benannt – so die bisherigen Ergebnisse, die als Ausgangslage dienen können.

Gelingt es zunächst einmal, die berufsspezifischen Eigenheiten zu schärfen, um im Anschluss Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen beeinflussen, herauszustellen, versprechen die Ergebnisse dieser Arbeit Relevanz für Wissenschaft und Bildungspolitik. Denn bleiben Unterschiede unbearbeitet, bleibt die Kooperation nur an der Oberfläche. Die Bearbeitung der Diskontinuitäten verbleibt dann bei den Kindern. Ziel ist es also, Besonderheiten jeder Berufsgruppe zu explizieren, um Wissen zu schaffen, das die Akteure beider Institutionen unterstützen kann, sich aufeinander zu beziehen, oder eben auch sich bewusst voneinander abzusetzen - was einer Zusammenarbeit nicht im Wege steht, wenn die Unterschiede offen benannt und als Besonderheit der je anderen Berufsgruppe wertgeschätzt werden. Einen Ansatzpunkt bildet beispielsweise das Feld der Schulvorbereitung in den Kindertagesstätten, in dem viele unausgesprochene Differenzen aufscheinen. Hierzu ist das vorhandene empirische Datenmaterial sehr ergiebig und auch im wissenschaftlichen Diskurs um Schulfähigkeit, Vorläuferfähigkeiten und Kompetenzorientierung nimmt dieser Aspekt eine zentrale Rolle ein.

Literatur
Hoffmann, H. (2001): Ist doch alles eins! Oder: Was ist Fachlichkeit? Theoretische Überlegungen zu einem scheinbar ungelösten Problem in der Qualitätsdebatte. 15ff. In: Hoffmann, H. (2001): Studien zur Qualitätsentwicklung von Kindertagesstätten. Zwischen Fachlichkeit und semiprofessionellem Berufsethos: Neuwied.
Mischo, C.; Fröhlich – Gildhoff, K. (2011): Professionalisierung und Professionsentwicklung im Bereich der frühen Bildung. In Frühe Bildung (2011) 0,1.Göttingen.


[1]Inwieweit sich diese andauernd geäußerten Forderungen auf das professionelle Selbstbild der derzeit tätigen Erzieherinnen auswirken, ist hingegen nicht geklärt.

 

Projektdetails

Projektart:Forschungsprojekt
Laufzeit:01.01.2011 - 31.12.2015
Träger:nifbe-Forschungsstelle Begabungsförderung
Straße:Heger-Tor-Wall 19
Ort:49078 Osnabrück