Projekt „Bewegte Sprache – Sprachförderung durch Bewegung“

 

Projektleitung:

 

  • Prof. Dr. Renate Zimmer
 
 
Projektmitarbeiterinnen:
 
  • Dipl. Psych. Christine Gerhards (Universität Osnabrück)
  • Frühpäd. MA Carmen Huser
  • Dipl. Soz.-Päd. Martina Kirstein
  • Dipl. Reha.-Päd. Nadine Madeira Firmino
  • Dipl. Reha.-Päd. Ricarda Menke (Universität Osnabrück)
  • Dipl. Psych. Brigitte Ruploh

 

 

Zielsetzung
 

Die Beherrschung der deutschen Sprache hat sich als eine der wesentlichen Schlüsselkompetenzen für Bildung herausgestellt. Besonders für Kinder aus Zuwandererfamilien stellt die Sprachkompetenz eine entscheidende Hürde in ihrer Bildungskarriere dar. Aus diesem Grund steht die Sprachförderung in Kindergärten bundesweit ganz oben auf der Prioritätenliste der Bildungspolitik. In vielen Bundesländern wurde jedoch festgestellt, dass die bestehenden Fördermaßnahmen bei vielen Kindern zu spät ansetzen und vor allem zu wenig effektiv sind. Dem isolierten Training einzelner Sprachfunktionen - wie es derzeit in vielen Sprachförderkonzepten angewendet wird - soll daher ein in den Alltag zu integrierendes und von der Körperlichkeit des Kindes aus¬ge¬hendes Konzept der Sprachförderung durch Bewegungsangebote entgegengesetzt werden (zur näheren Beschreibung des Konzepts vgl. Zimmer, 2009).

 

Projektgruppen und Schwerpunkte
 

Am Projekt „Bewegte Sprache – Sprachförderung durch Bewegung“, das im Fachgebiet Sportwissenschaft der Universität Osnabrück (Arbeitsgruppe Prof. Dr. Renate Zimmer) durchgeführt wird, nehmen rund 50 Kindergärten aus der Stadt und dem Großraum Osnabrück teil. Es wird gefördert vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen. Zielgruppe sind sowohl Kinder im Alter von 3-6 Jahren als auch Kinder im Krippenalter.


Aus dem Schwerpunkt der bewegungsorientierten Förderung sprachlicher Kompetenzen bei Kindern mit Migrationshintergrund entwickelte sich aufgrund der hohen Resonanz ein eigenständiges Projekt. Die Angebote sind spezifisch auf die Bedürfnisse von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache und deren Familien zugeschnitten. Die Friedel und Gisela Bohnenkamp-Stiftung fördert dieses Projekt, das an der Forschungsstelle Bewegung und Psychomotorik des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) angesiedelt ist.


Insgesamt beteiligen sich an beiden Projekten ca. 100 Erzieherinnen. Sie nehmen regelmäßig an themenspezifischen Fortbildungsmaßnahmen teil, die von den Projektmitarbeiterinnen angeboten werden. Hier werden Fachkompetenzen in Bezug auf das Thema „Sprachförderung durch Bewegung“ aufgebaut und erweitert sowie die praktische Umsetzung der Inhalte in den Einrichtungen reflektiert. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie einzelne Bereiche der Sprachentwicklung in Bewegungsanlässen unterstützt werden können. Theoretische Hintergründe werden vertieft sowie Praxisideen gemeinsam erprobt.


Die Projekte „Bewegte Sprache“ beziehen auch Kinder unter drei Jahren ein. Hier werden die Eltern und Familien der Kinder intensiv eingebunden. Es finden Elternnachmittage bzw. -abende statt, an denen Inhalte praktisch erlebt werden, sodass Anregungen aus der Sprachförderung auch zu Hause im Familienalltag aufgegriffen werden können.


In den Kindertageseinrichtungen mit einem besonders hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund wird die Sprachförderung spezifisch an die Bedürfnisse dieser Zielgruppe angepasst. In enger Zusammenarbeit zwischen Projektmitarbeiterinnen und Erzieherinnen werden Förderangebote gemeinsam geplant, durchgeführt und reflektiert.

 

Wissenschaftliche Begleitung

 

In den Kindertageseinrichtungen findet während des gesamten Projektzeitraumes eine wissenschaftliche Begleitung in unterschiedlicher Form statt:

 

  • In 20 Kindergärten werden im Rahmen eines Intervention-Kontrollgruppen-Designs mit Vor- und Nachtest der sprachliche und motorische Entwicklungsstand von 380 Kindern erhoben, um die Effekte der Förderung zu überprüfen. Als standardisierte Testverfahren werden hierzu der SETK 3-5 (Grimm, 2001) und der MOT 4-6 (Zimmer & Volkamer, 1987) eingesetzt. In 15 Krippen wird ebenfalls in diesem Design der Sprachentwicklungsstand der Kinder zu Beginn des Projekts anhand des SETK 2 (Grimm, 2000) erfasst. Zudem werden die Eltern mittels eines Elternfragebogens (ELFRA; Grimm & Doil, 2001) zur Entwicklung ihrer Kinder befragt. Um neben einer Zwischenevaluation auch das Expertenwissen der Erzieherinnen mit in die Konzeptoptimierung einzubeziehen, werden qualitative Interviews mit ausgewählten Erzieherinnen durchgeführt.

 

  • Zusätzlich beobachten die ErzieherInnen aller Kindergärten die Sprachentwicklung der Kinder mit Hilfe der Beobachtungsbögen seldak und sismik (Ulich & Mayr, 2006), um qualitative Daten über alle Bereiche der Sprachentwicklung zu erhalten. Zudem wird in einigen Einrichtungen mit interaktionsanalytischen Verfahren gearbeitet. Ziel ist es zu erkennen, welche Entwicklungsprozesse durch die Bewegungsangebote unterstützt werden.

 

Praktische Begleitung

Während des gesamten Projektzeitraums stehen den Kindertageseinrichtungen feste Ansprechpartner aus dem Projektteam bei Fragen, Problemen oder Anregungen zur Verfügung. Begleitende Besuche und Gespräche z.B. über Erhebungen zur sprachlichen und motorischen Entwicklung der Kinder oder die praktische Umsetzung der Sprachförderung durch Bewegung ergänzen die Kooperation von ErzieherInnen und Projektmitarbeiterinnen.

 

 

 

Literatur

  • Grimm, H. (2001). SETK 3-5: Sprachentwicklungstest für drei- bis fünfjährige Kinder. Diagnose von Sprachverarbeitungsfähigkeiten und auditiven Gedächtnisleistungen. Göttingen: Hogrefe.
  • Grimm, H. (2000). SETK-2: Sprachentwicklungstest für zweijährige Kinder. Diagnose rezeptiver und produktiver Sprachverarbeitungsfähigkeiten. Göttingen: Hogrefe.
  • Grimm, H. & Doil, H. (2000). ELFRA. Elternfragebögen für die Früherkennung von Risikokindern. (ELFRA-1, ELFRA-2). Göttingen: Hogrefe.
  • Ulich, M. & Mayr, T. (2006). Seldak. Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwach-senden Kindern (Beobachtungsbogen und Begleitheft). Freiburg: Herder.
  • Zimmer, R. (2009). Handbuch Sprachförderung durch Bewegung. Freiburg: Herder.
  • Zimmer, R. & Volkamer, M. (1987). Motoriktest für vier- bis sechsjährige Kinder (MOT 4 – 6). Göttingen: Hogrefe.