Psychomotorische Förderkonzepte
In diesem Forschungsbereich werden insbesondere die Bedeutung von Körpererfahrungen für den Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes und das Erleben von Selbstwirksamkeit untersucht. Im Vordergrund steht die Ermittlung von Wirkfaktoren einer psychomotorischen Förderung.
Weitere Forschungsfragen:
- Diagnostik des Selbstkonzeptes auf der Basis der Präferenzen der Schwierigkeitsgrade motorischer Aufgaben
- Vermittlung und Bewusstmachung von Selbstwirksamkeitserfahrungen in Bewegungssituationen
- Evaluation der Förderangebote auf personaler und körperlich-motorischer Ebene.
Wirkungen psychomotorischer Förderung auf das Selbstkonzept
Leitung:
- Prof. Dr. Renate Zimmer
Projektmitarbeiterinnen:
- Dr. med. Anne Bischoff
- M.A. Nadine Matschulat (Drittmittelprojekt)
- Dipl.-Mot. Fiona Martzy
- Dipl.-Psych. Brigitte Ruploh
In der Forschungsstelle ist es in der praktischen Arbeit der psychomotorischen Förderung erlebbar: Die Kinder verändern außer ihren motorischen Fähigkeiten in verschiedenen Dimensionen auch ihr beobachtbares Verhalten. Sie gehen mutiger und energievoller, mit mehr Ausdauer und Frustrationstoleranz und aus eigenem Antrieb an neue Herausforderungen heran, öffnen sich meist mehr in der Gruppe, sprechen mehr oder differenzierter. Wir sehen dies als nach außen erlebbaren Ausdruck sich positiv verändernder Selbstkonzepte, also als Entwicklung verschiedener, komplex interagierender Dimensionen.
Während die motorische Weiterentwicklung der Kinder schon lange standardisiert erfasst wird (vgl. Forschungsbereich Motodiagnostik), ist die standardisierte Dokumentation mit Testverfahren zum Selbstkonzept schon alleine deshalb schwierig, weil Veränderungen in verschiedenen Bereichen auftreten und interagieren. Bisher fehlen geeignete veröffentlichte Instrumente insbesondere für das Vorschulalter. Wie also lassen sich die Effekte, die wir im Förderalltag an und mit den Kindern erleben, zusätzlich zur deskriptiv orientierten Dokumentation in Kasuistiken, standardisiert und auch quantitativ erfassen?Von welchen theoretischen Grundlagen zu Selbstkonzept/Selbstkonzepten gehen wir aus? Wie gehen wir mit den immer wieder kritisierten unscharf definierten Begrifflichkeiten im Bereich der Selbstkonzeptforschung um? Wie erfassen wir theoretisch wie praktisch den für unsere Altersgruppen wesentlichen allgemeinen Entwicklungsaspekt? Befragen wir „nur“ die Kinder oder erfassen wir auch die nach außen erlebbaren vermuteten Anteile des Selbstkonzeptes in Form von Fremdanamnesen in verschiedenen Kontexten, also bei Eltern oder anderen primären Bezugspersonen, bei ErzieherInnen, LehrerInnen und in der psychomotorischen Förderung?
Mit vorbereitenden Recherchen und Konzeptualisierungen für diese Forschungsfragen begannen wir im Herbst 2010.
In Entstehung ist ein multidimensionaler Ansatz, der unter anderem und im wesentlichen auf theoretische und abgeleitete praktische Aspekte der Arbeiten von Deusinger (z. B. 1986, 2002), Harter (z. B. 1999), Shavelson (z. B. 1976) und Marsh (z. B. 2002) zurückgeht und voraussichtlich von uns um Ideen zur Erfassung des Körperkonzeptes ergänzt wird. Den Beginn der Datenerhebung planen wir für das Frühjahr 2011.
Psychomotorische Förderstelle
Förderstellenleitung:
- Prof. Dr. Renate Zimmer
MitarbeiterInnen:
- Dipl. Mot. Fiona Martzy
- M.A. Nadine Matschulat
- Justus Treubel
Dokumentation:
- M.A. Nadine Vieker
- Florian Hartnack
Bedarf für psychomotorische Förderung
Das Bewegungsverhalten von Kindern ist ein wichtiger, im frühkindlichen Alter vielleicht der wichtigste Faktor für gelingende Entwicklungsprozesse. Durch Bewegungsverhalten
und Wahrnehmungserfahrungen interagieren Kinder mit ihrer Umwelt. Die zunehmende Mediatisierung, die auch vor den Kinderzimmern der Kleinkinder nicht halt macht, hat zur Folge, dass viele entwicklungsrelevante Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrungen nicht mehr ausreichend vorhanden sind. Die vermehrte Einschränkung der kindlichen Bewegungswelt spiegelt sich in der motorischen Leistungsfähigkeit der Kinder wider. Bei vielen Kindern sind schon sehr früh koordinative und motorische Auffälligkeiten zu beobachten. Da das Körperkonzept von Kindern die Basis für die Entwicklung des Selbstkonzeptes bildet, wirken sich motorische Defizite meist auch negativ auf das Selbstkonzept des Kindes aus. An dieser Stelle setzen psychomotorische Förderkonzepte an. Sie bieten Kindern den Raum für spielerisch orientierte Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen.
und Wahrnehmungserfahrungen interagieren Kinder mit ihrer Umwelt. Die zunehmende Mediatisierung, die auch vor den Kinderzimmern der Kleinkinder nicht halt macht, hat zur Folge, dass viele entwicklungsrelevante Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrungen nicht mehr ausreichend vorhanden sind. Die vermehrte Einschränkung der kindlichen Bewegungswelt spiegelt sich in der motorischen Leistungsfähigkeit der Kinder wider. Bei vielen Kindern sind schon sehr früh koordinative und motorische Auffälligkeiten zu beobachten. Da das Körperkonzept von Kindern die Basis für die Entwicklung des Selbstkonzeptes bildet, wirken sich motorische Defizite meist auch negativ auf das Selbstkonzept des Kindes aus. An dieser Stelle setzen psychomotorische Förderkonzepte an. Sie bieten Kindern den Raum für spielerisch orientierte Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen.Die psychomotorische Förderstelle
Die psychomotorische Förderstelle wurde an der Universität Osnabrück im Fachgebiet Sportwissenschaft bereits 1979 durch Frau Prof. Dr. Zimmer und Herrn Prof. Dr. Meinhart Volkamer eingeführt. Sie ist seither zu einem wesentlichen Praxis- und Forschungsbereich ausgebaut worden. Besonders im letzten Jahr, bedingt durch die Gründung des nifbe und durch die Einrichtung der Forschungsstelle Bewegung, Wahrnehmung, Psychomotorik wurden räumliche und technische Veränderungen und Verbesserungen möglich. Auch die konzeptionelle Weiterentwicklung der psychomotorischen Förderstelle konnte fortgeführt werden.
Konzeptionelle Rahmenbedingungen
Das pädogogisch-therapeutische Konzept der Psychomotorik geht von einer engen wechselseitigen Verbindung zwischen psychischen Prozessen und Bewegung aus. Über das Medium Bewegung wird versucht eine tragende Beziehungsebene aufzubauen, die psychische Befindlichkeit positiv zu beeinflussen und durch einen ganzheitlichen Zugang die Bewegungs- und Wahrnehmungsfähigkeit der Kinder zu fördern und sie in ihrer Gesamtentwicklung zu unterstützen. Ziel der Psychomotorik ist es über Bewegungserlebnisse zur Stabilisierung der Persönlichkeit beizutragen und Situationen anzubieten, in denen Kinder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufbauen können. Diese Erfahrungen werden durch gezielte Spiel- und Bewegungsangebote gefördert, bei denen individuelle Herausforderungen, die Unterstützung der Eigenaktivität und Selbstwirksamkeitserlebnisse entscheidend sind.
Zielgruppe
Zurzeit werden insgesamt 70 Kinder zwischen 3 und 12 Jahren betreut. Der Förderbedarf der Kinder liegt in unterschiedlichen Bereichen: Kinder mit motorischen Unsicherheiten und Wahrnehmungsauffälligkeiten, Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, aber auch Kinder, die sich z. B. im sozialen Kontaktaufbau zu anderen Kindern schwer tun oder in sprachlichen Bereichen Förderung benötigen. Die Gruppensituation fördert die Handlungs- und Kommunikationskompetenzen der Kinder.
Inhalte
Die Inhalte der psychomotorischen Förderung sind vielfältig und werden flexibel gestaltet, um den individuellen Bedürfnissen der Kinder gerecht werden zu können. Mögliche Elemente der Förderstunden sind z. B.:
- themengeleitete Bewegungsangebote, die den Kindern die Möglichkeit der Identifikation mit Rollen und Symbolen ermöglichen
- großräumige Geräteaufbauten, an denen die Kinder eigenständig aktiv werden können
- Wahrnehmungsübungen, integriert in sinnvolle Spielzusammenhänge
- Rollenspiele zur Förderung sprachlicher Kompetenzen
- Bewegungsspiele, die auf die Altersgruppe und den Förderbedarf der Kinder abgestimmt werden (Integrationsaspekte)
Motodiagnostik
Zur psychomotorischen Förderung gehört eine umfangreiche Diagnostik. Dabei werden sowohl quantitative Verfahren (Motorische Testverfahren) als auch qualitative Verfahren (Beobachtungsskalen etc.) eingesetzt. Hierzu gehört z. B. die Beobachtung der motivationalen Haltung und der Selbsteinschätzung der Kinder. Diese vielseitigen Informationen fließen in die Förderplanung der Psychomotorikstunden mit ein. Die motorischen Tests werden halbjährlich wiederholt, so dass die Messwerte sich vergleichen lassen und festgestellt werden kann, ob Effekte im Rahmen der psychomotorischen Förderung auftreten. Die Daten werden auch als Entscheidungskriterium verwendet, ob die Kinder weiterhin Förderung benötigen, wobei nicht nur der MQ (Motorikquotient) ausschlaggebend für die Teilnahme der Kinder ist.
Literatur zum Thema
- Zimmer, R. (2010). Handbuch der Psychomotorik. Theorie und Praxis der psychomotorischen Förderung von Kindern (5., vollst. überarb. Neuausgabe, 12. Gesamtaufl.). Freiburg: Herder.




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